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Kretschmer: Rasche Klarheit über Löbauer Impfzentrum

Sachsens Impfzentren sind nur bis 30. Juni in Betrieb. In Löbau wird deswegen kein Astrazeneca mehr geimpft. Der Regierungschef will nun Klarheit schaffen.

Die zentralen Impfzentren sollen zum 30. Juni schließen. Das verunsichert die Impfstrategie.
Die zentralen Impfzentren sollen zum 30. Juni schließen. Das verunsichert die Impfstrategie. © Sebastian Kahnert/dpa

Löbau. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat angekündigt, schnell Klarheit über die Laufzeit der zentralen Impfzentren wie in Löbau zu schaffen. Möglicherweise werde die Regierung des Freistaates bereits am Dienstag im Kabinett entscheiden.

Die zentralen Impfzentren sollen längstens bis 30. Juni in Betrieb sein. Das Zentrum in Löbau verimpft gegenwärtig mit dem Hinweis auf sein Betriebsende aber keinen Impfstoff von Astrazeneca bei Erstimpfungen, obwohl er vorhanden ist - denn das Zentrum wäre bereits geschlossen, wenn die zweite Impfung fällig ist. Nun ist die Frage: Was passiert mit dem vorhandenen Impfstoff?

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Das hat nun die Politik auf den Plan gerufen. So sorgt sich der Görlitzer Landrat Bernd Lange, dass überschüssiger Impfstoff von Astrazeneca nach Dresden zurückgegeben und nicht vom Impfzentrum an impfwillige Hausarztpraxen abgegeben wird. Kretschmer räumt ein, dass das Betriebsende der zentralen Impfzentren am 30. Juni "uns zu schaffen macht". Er sei zwar ein Freund des Impfens in den Hausarztpraxen. "Aber, wenn das dazu führt, dass es länger dauert, wäre es eine Katastrophe".

Kretschmer stimmte die Bürger auch auf einen neuerlichen Lockdown ein. Wie er aussehen wird, zeichnet sich derzeit aber nur vage ab. Das hängt von zwei Einflussfaktoren ab. Zum einen sind die Öffnung von Geschäften mit Tests und Click & Meet-Angeboten sowie der Museen und Tierparks daran gebunden, dass in Sachsen weniger als 1.300 Covid-Patienten in den Krankenhäusern liegen. Doch seit Wochen steigt die Zahl der stationär aufgenommenen Corona-Patienten an, wenn auch zuletzt langsam und nicht konstant. Am Freitag waren es 1.187.

Streit über Rolle der Schulen in der Pandemie

Selbst wenn der Richtwert von 1.300 belegten Betten aber nicht erreicht wird, bleibt die geplante Bundes-Notbremse. Sie könnte frühestens am Mittwoch im Bundestag und am Donnerstag im Bundesrat beschlossen werden. Kretschmer will darin neben der 7-Tage-Inzidenz auch einen Betten-Indikator verankern, sonst würde der Freistaat der Gesetzesänderung nicht zustimmen, kündigte er in der Bürger-Sprechstunde an. Zugleich sollen aber auch die Schulen und Kitas nicht bei einer Inzidenz von über 200 schließen.

Darüber gibt es unter den Eltern genauso geteilte Meinungen wie auch unter den Politikern. So sähe der Görlitzer Landrat Bernd Lange die Schulen und Kindereinrichtungen lieber wieder geschlossen. Aktuell sind um die 40 Einrichtungen betroffen - für den Landrat sind Kinder damit klarer Pandemietreiber. Er sehe auch die wachsende Protestbewegung der Elternschaft, betont aber, dass Politiker in ihren Entscheidungen weitsichtig sein müssen - auch wenn die Entscheidungen unbeliebt sein mögen.

Schulen sollten durchaus inzidenzabhängig betrachtet werden. Lange kritisiert aber, dass laufend neue Grenzwerte festgelegt würden, ab denen geschlossen wird. Erst war dafür eine Inzidenz von 100 ausschlaggebend, dann von 200 und schließlich von 1.300 Betten. "Inzwischen sollen Schulen in Sachsen auch dann offen bleiben, wenn alles andere wieder schließen muss. Das halte ich für sehr gewagt“, erklärte Lange.

Lockdown wird kommen, aber wie sieht er aus?

Kretschmer erklärte, dass die Schulen nicht die Quelle der ersten Infektion sei, aber Corona verbreite sich eben dort. Er ließ durchblicken, dass er auch eher zur Schließung der Schulen und Kitas neige. "Es ist aus meiner Sicht nicht möglich, bei einer solchen Inzidenz wie jetzt zu verhindern, dass Corona nicht in diese Einrichtungen eingeschleppt wird." Doch er machte deutlich, dass er unter dem Eindruck der Elternproteste, der Stimmung im Land und auch der Mehrheiten in der Koalition in Dresden, die inzidenzunabhängige Öffnung bislang mitgetragen habe.

Ähnlich wie Landrat Lange plädiert auch Kretschmer jetzt dafür, mit einem Lockdown die Zahlen herunterzubekommen, um anschließend langsam wieder zu lockern und vor allem einen Sommer wie im vergangenen Jahr zu erleben. Zuvor hatte Lange sich für einen klaren Schnitt bei den Schulen ausgesprochen, in der Hoffnung, dann in einigen Wochen alle wieder in die Schulen schicken zu können - als „bis Juni, Juli weiter so herumzueiern, denn dann ist das Schuljahr auch bald zu Ende.“

Weniger neue Fälle als vor einer Woche

Derzeit ist die Lage auf deutlich höherem Niveau als Ende Februar stabil im Landkreis Görlitz. Labore und Praxen meldeten binnen 24 Stunden dem Kreis-Gesundheitsamt 87 neue Infektionen, darunter neun Kinder. Vor einer Woche waren es am Freitag 108 neue Fälle. Der Kreis berechnete die 7-Tage-Inzidenz mit 241, das entscheidende Robert-Koch-Institut in Berlin mit 217.

118 Menschen befinden sich in stationärer Behandlung in den Krankenhäusern des Kreises. 23 von ihnen benötigen eine intensivmedizinische Pflege, von denen wiederum zehn nach Angaben des bundesweiten Intensivregisters divi beatmet werden. 16 der Patienten auf den Intensivstationen sind zwischen 61 und 80 Jahre alt, drei aber gehören jeweils den Altersgruppen zwischen 31 und 40 sowie 51 und 60 Jahren an.

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Zudem ist ein 81-jährige Mann aus Neusalza-Spremberg am 6. April nach einer Coronavirus-Infektion gestorben. Er ist das 1.033. Todesopfer, das die Pandemie im Kreis gefordert hat.

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