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Mutiertes Coronavirus breitet sich in Dresden aus

Meistgelesen in dieser Woche: Die Zahl der Corona-Mutanten hat zugenommen. Warum Dresdens Sozialbürgermeisterin die Kita-Öffnungen trotzdem befürwortet.

Dem Dresdner Gesundheitsamt werden mehr und mehr Mutanten-Nachweise gemeldet.
Dem Dresdner Gesundheitsamt werden mehr und mehr Mutanten-Nachweise gemeldet. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Das Infektionsniveau ist so niedrig wie zuletzt im Oktober und in den Krankenhäusern ist soetwas wie Entspannung zu spüren. Trotzdem, die Furcht vor einer dritten Welle ist groß. Nicht zuletzt wegen neuer Virusvarianten.

Die britische Mutante breitet sich bereits in Dresden aus. Von drei Fällen war in der vergangenen Woche noch die Rede. Inzwischen sind es 13. Das hat Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) am Mittwoch im SZ-Gespräch gesagt und erklärt, wie gut das Gesundheitsamt auf eine weitere Ausbreitung vorbereitet ist und wie Quarantänebrecher ausfindig gemacht werden.

Frau Dr. Kaufmann, in Deutschland sind inzwischen 20 Prozent der Neuinfektionen auf die britische Virusvariante zurückzuführen. Breitet sich die Mutante auch in Dresden aus?

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In dreizehn Fällen sind bislang Mutationen des Coronavirus nachgewiesen worden, überwiegend die englische Variante B.1.1.7.

Sind das alles Auslandsreise-Rückkehrer?

Nein, nur vier dieser Infizierten sind aus dem Ausland zurückgekehrt. Es gibt auch Grenzpendler und Menschen, die aus der Reha innerhalb Deutschlands zurückgekommen sind.

Wie schätzen Sie die Gefahr für Dresden ein, die von der britischen Virusvariante ausgeht?

Die Mutation verbreitet sich schneller und ist zunehmend häufiger als das Ur-Virus. Kritische Verläufe treffen offensichtlich nicht nur ältere Menschen. Gleichzeitig wohnen wir nah zum Mutationsgebiet Tschechien. Die Inzidenz für das gesamte Land liegt aktuell bei etwa 500. Insbesondere an der Grenze zum Vogtland, in der Region Karlovy Vary, liegt sie sogar bei 1.000.

Ruhe bewahren und wachsam sein, rät Dresdens Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann angesichts der Ausbreitung der britischen Coronavirus-Variante.
Ruhe bewahren und wachsam sein, rät Dresdens Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Kaufmann angesichts der Ausbreitung der britischen Coronavirus-Variante. © Sven Ellger

Das heißt?

Wir müssen abwarten, Ruhe bewahren und das Geschehen genauestens beobachten. Die Regeln für die Bürger haben sich nicht geändert. Wir können nur das tun, was möglich ist – regelmäßiges Lüften, Abstand halten, Maske tragen und sich bewusst machen: Das Virus ist noch da und es ist gekommen, um zu bleiben. Bei aller Euphorie wegen sinkender Inzidenzen.

Sollte die Einreise für Grenzpendler deshalb nicht eher strikter als lockerer geregelt werden?

Das muss mit Augenmaß passieren. Eine Grenzschließung bedeutet für Pendler ein Berufsverbot. Außerdem kann es niemand wollen, dass bestimmte Bereiche nicht mehr ausreichend personell besetzt sind und damit die Versorgung zusammenbricht. Man versucht schon sehr bewusst, nur die Einreise der wichtigsten Mitarbeiter einzelner Betriebe in Sachsen zu ermöglichen. Der Schlüssel liegt im intensiven Testen. Wir haben beispielsweise im Städtischen Klinikum Grenzpendler, die täglich getestet werden.

Ein weiterer Schlüssel ist, dass sich Infizierte und Kontaktpersonen strikt an die Quarantäne halten und nicht in den Supermarkt rennen. Wird das kontrolliert?

Ja, wir kontrollieren. Wir haben Teams, die regelmäßig bei den Menschen anrufen, die sich in Quarantäne befinden. Damit soll sichergestellt werden, dass sich diese Menschen zu Hause befinden und sich an die Quarantäne halten. Dabei fragen wir auch immer den Gesundheitszustand ab, damit wir Verschlechterungen und kritische Verläufe schnellstmöglich erkennen. Geht nach zwei Anrufversuchen niemand ans Telefon, schicken wir jemanden vorbei.

Bleiben wir beim Thema Ansteckungsgefahr: Sind die Kitas und Grundschulen denn aus Ihrer Sicht zur richtigen Zeit wieder geöffnet worden?

Ich persönlich finde den Zeitpunkt gut und richtig. Wir haben am Dienstag das erste Mal die Inzidenz-Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen unterschritten. Nun haben Kinderbetreuung und Schule aber nicht nur eine infektiologische Komponente. Kinder brauchen Kinder. Es gibt unter den jüngsten welche, die ihr halbes Leben nur Corona kennen. Natürlich gilt es, achtsam zu sein. Und ja, es gibt ein Risiko und es wird auch zu Infektionen kommen. Aber die Kollegen in den Schulen und Kindergärten haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben Hygienekonzepte, die den Informationen des Gesundheitsamtes zufolge gut funktionieren.

Blicken wir auf den November und Dezember zurück mit täglich Hunderten Neuinfektionen.

Wir hatten im Dezember Tage mit 400 neuen Fällen und mehr. Das war eine sehr intensive Zeit. Ich habe einen riesigen Respekt vor allen, die mitgeholfen haben. Wir haben aber leider im Dezember, im Januar und mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Februar eine Übersterblichkeit in Dresden, die auf Corona zurückzuführen ist. Diese ist nicht unerheblich.

Manche Infizierte erhielten erst im Januar ihren Quarantänebescheid, andere warten noch immer. Dauert das immer noch so lange?

Seit Mitte Januar kontaktieren wir die Neuinfizierten und deren Umfeld innerhalb von 48 Stunden und erlassen den Quarantänebescheid. Darauf bin ich stolz. Das ging nur durch Abordnungen in Größenordnungen aus anderen Geschäftsbereichen, durch Bundes- und Landesbedienstete sowie Studierende der Verwaltungsfachhochschule Meißen. Dazu hatten wir 20 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die eine super Arbeit geleistet haben und die wir in dieser Woche freigeben werden.

Was ist mit den "Alt-Fällen". Haben alle ihren Bescheid erhalten?

Diese große Welle der Spätherbst- und Weihnachtstage arbeiten wir weiterhin ab. Das wird diese Woche abgeschlossen sein.

Das heißt, die Bearbeitung neuer Fälle funktioniert mit einer Wochen-Inzidenz von 50 einigermaßen reibungslos?

Mit einer Inzidenz von 50 kann das Gesundheitsamt die Fälle bearbeiten, Hygienekonzepte prüfen und Quarantänen kontrollieren – ohne Hilfe von Landes- und Bundesbediensteten sowie der Bundeswehr. Ohne die Hilfe anderer Mitarbeiter der Stadtverwaltung kommen wir aber nicht aus. Denn ganz viele andere Aufgaben des Gesundheitsamtes, zum Beispiel Schuleingangsuntersuchungen, Schwangerschaftsberatung oder Erstuntersuchungen für Asylsuchende müssen ebenfalls gewährleistet sein.

Und ich sage Ihnen voraus: Wenn ab 1. März die Laientests durchgeführt werden, werden wir auch steigende Zahlen haben. Weil wir nicht wissen, was die nächsten Tage und Wochen bringen, haben wir ein flexibles Konzept entwickelt, wonach wir abhängig von der aktuellen Inzidenz Personal abgeben oder wieder dazubekommen. Somit können wir schnellstmöglich reagieren – binnen weniger Stunden.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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