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Kritik an Verzögerungen beim Corona-Impfen

Eine Dresdner Ärztin möchte Impfhelferin werden. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht.

In Großbritannien wurden binnen acht Tagen bereits 140.000 Menschen geiimpft. Foto: Frank Augstein/AP POOL/dpa
In Großbritannien wurden binnen acht Tagen bereits 140.000 Menschen geiimpft. Foto: Frank Augstein/AP POOL/dpa © AP Pool

In gut einer Woche, am 27. Dezember, beginnt das große Impfen gegen die Corona-Pandemie. Begonnen wird zunächst in den Alten- und Pflegeheimen. Die erste Zielgruppe sind die 57.000 Pflegebedürftige und 41.3000 Pflegekräfte in Sachsen. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach am Freitag von einer Mammutaufgabe, die es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben habe.

Noch immer sucht die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) Ärzte und Arzthelfer, die sich für die Aufgabe melden. Es sei eine freiwillige Tätigkeit, sagte eine Sprecherin der KVS. Sie sei zuversichtlich, dass sich bis zum Starttermin genügend Ärzte zur Verfügung stellen.

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Keine Reaktion auf Hilfsangebot

Offenbar gibt es jedoch organisatorische Schwierigkeiten beim Rekrutierungsverfahren. Bettina Müller, Ärztin aus Dresden, sagte der SZ, sie habe sich bereits vor über einer Woche per Mail bei der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet und keine Antwort erhalten. Sie habe angeboten, mit einer weiteren Kollegin und zwei medizinischen Fachangestellten als Team in Altenheimen impfen, gern auch an den Wochenenden. "Wir betreuen als Praxis rund 1.000 Heimbewohner und haben einen guten Überblick. In einigen Einrichtungen sind bis zu einem Viertel der Bewohner an Covid-19 gestorben. Das Thema brennt uns unter den Nägeln", sagte sie.

Inzwischen gebe es die Möglichkeit, sich über eine Webseite der KVS anzumelden. Allerdings sei dies mit erheblichen Datenschutzproblemen verbunden, kritisierte Müller. Sie weigere sich, ihre Approbation über diese Webseite hochzuladen, um ihre Qualifikation nachzuweisen. Die KVS habe die Verzögerung unter anderem mit dem Hinweis auf die noch ausstehende Honorarvereinbarung mit dem Sozialministerium begründet. Die Bezahlung sei allerdings nicht ihre größte Sorge, sagte die Ärztin. "Es war doch weiß Gott Zeit genug, sich darauf vorzubereiten."

Auch die Alten- und Pflegeheime würden vertröstet. Bevor mit den Impfungen begonnen werden könne, müssten je nach Einzelfall Angehörige oder Berufsbetreuer ihre Einwilligung geben. Über die Weihnachtszeit sei dies schwieriger zu organisieren als sonst. Ungeklärt sei zudem, ob Impfwillige zuvor einen Corona-Schnelltest absolvieren müssten.

In den Alten- und Pflegeheimen werden mobile Teams eingesetzt. Sie gehören organisatorisch zu den 13 Impfzentren in Sachsen, die nach derzeitigem Stand nach der zweiten Impfstofflieferung im Januar 2021 ihre Arbeit aufnehmen. Das teilte das Sozialministerium am Freitag mit.

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Der Ablauf dort ist wie folgt vorgesehen: Die Person, welche sich impfen lassen möchte, hat im Vorfeld einen Termin online, per App oder Telefon vereinbart. Am Tag der Impfung kommt sie mit dem bereits ausgefüllten ärztlichen Anamnese-Bogen, dem Bogen zur Impfaufklärung, den Personaldokumenten sowie der Krankenversicherungskarte zum Impfzentrum. Im Check-In und Wartebereich wird geprüft, ob der Termin korrekt ist und alle Unterlagen da sind. Danach erfolgt die ärztliche Feststellung der Impftauglichkeit in einem separaten Raum. Wenn dann keine weiteren Fragen mehr bestehen, kann geimpft werden. Danach muss die geimpfte Person kurz in einem weiteren Wartebereich Platz nehmen, damit bei eventuell unerwünschten Reaktionen auf die Impfung schnell reagiert werden kann.

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