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Kreis Bautzen bald Corona-Risikogebiet

Der Sieben-Tage-Wert ist deutlich gestiegen. Es droht eine weitere Verschärfung der Schutzmaßnahmen. Bereits gegen die derzeit geltenden gibt es Widerspruch.

Im Landkreis Bautzen droht eine weitere Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen, denn der Kreis kratzt am Grenzwert zum Risikogebiet.
Im Landkreis Bautzen droht eine weitere Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen, denn der Kreis kratzt am Grenzwert zum Risikogebiet. © dpa/Waltraud Grubitzsch

Bautzen. Am Montagmorgen verbreitete der MDR bereits die Meldung: Der Landkreis Bautzen gehört zum Corona-Risikogebiet. Später am Nachmittag korrigierte sich die Rundfunkanstalt. Das Risklayer-Projekt der Uni Karlsruhe, auf dessen Infektionszahlen sich der MDR beruft, habe am Montagmorgen für den Kreis Bautzen eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50 ausgewiesen. Derweil betrug der Wert gerade einmal 41.

Am Nachmittag kamen dann die offiziellen Zahlen des Landratsamtes Bautzen. Demnach wurden 24 Neuinfektionen gemeldet. Bereits am Wochenende hatte das Gesundheitsamt 46 neue Infektionen registriert. Als erkrankt gelten derzeit 249 Menschen; davon werden zehn in einer Klinik behandelt. Diese Zahl war nach oben korrigiert worden. Zunächst war die Rede von acht Krankenhaus-Patienten gewesen. In Quarantäne sind zurzeit 751 Personen.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf 49,3 gestiegen. Der Bautzener Landkreis ist im Gegensatz zum Görlitzer also kein Corona-Risikogebiet - noch nicht. Das wäre der Fall, wenn der sogenannte Wert für die Inzidenz bei mehr als 50 Fällen je 100.000 Einwohnern liegt. Der Landkreis Bautzen steht nun kurz vor dieser Grenze - und wird diese wahrscheinlich am Dienstag überschreiten.

Es droht ein Veranstaltungsverbot

Wird der Landkreis zum Corona-Risikogebiet, drohen weitere Einschränkungen. Laut Stufenplan des Landkreises treten dann Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Verwaltungen wären für Besucher geschlossen. Allerdings gelten Besuchsverbote zum Teil schon jetzt. Veranstaltungen mit Publikum müssten abgesagt werden, selbst dann, wenn bereits ein genehmigtes Hygienekonzept vorliegt.

Bereits am Freitag wurde aufgrund der steigenden Corona-Zahlen eine neue Allgemeinverfügung für den Landkreis verabschiedet. Damit werden vor allem private Feiern eingeschränkt. An Familienfeiern in Gaststätten und gemieteten Räumen dürfen maximal 75 Personen teilnehmen. Bei Feiern unter freiem Himmel liegt die Grenze seitdem bei maximal 200 Personen. Private Treffen in der eigenen Wohnung wurden auf 50 Personen beschränkt.

Auch die Regeln für Besuche im Restaurant sind seitdem verschärft. Gäste in Restaurants und Hotels müssen ab sofort wie auch in Sportstätten und bei Veranstaltungen ihre Kontaktdaten angeben. Bereits genehmigte Hygienekonzepte von Veranstaltungen will das Gesundheitsamt erneut prüfen lassen.

AfD verlangt Rücknahme der Allgemeinverfügung

Gegen diese Allgemeinverfügung hat die AfD-Fraktion des Kreistages am Montag Widerspruch bei Landrat Michael Harig (CDU) eingereicht. Sie verlangt die Rücknahme der Allgemeinverfügung. In dem Schreiben, das Sächsische.de vorliegt, werden „Bedenken hinsichtlich der schädlichen Auswirkungen der verfügten Maßnahmen auf die physische und psychische Gesundheit“ geäußert.

Dabei beruft sich die AfD auf die „Great Barrington Declaration“. In dieser Erklärung fordern drei Wissenschaftler der renommierten Universitäten Harvard, Oxford und Stanford die Aufhebung der meisten Corona-Maßnahmen. Stattdessen solle man sich auf den Schutz gefährdeter Gruppen konzentrieren und so eine Herdenimmunität aufbauen. Nach Angaben der Initiative sollen diese Erklärung mittlerweile mehr als 12.000 Wissenschaftlerinnen und Mediziner unterzeichnet haben. Doch der wissenschaftliche oder medizinische Hintergrund vieler Unterzeichner ist nicht nachprüfbar.

Auch deswegen wird diese Erklärung von vielen Wissenschaftlern kritisiert. Unter anderem warnt die Weltgesundheitsorganisation, bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf eine Herdenimmunität durch massenweise Ansteckungen zu setzen. Zudem sei weiterhin unklar, ob und wie eine Infektion vor einer zweiten Ansteckung schützt.

Schwere Krankheitsverläufe auch bei jüngeren Patienten

Auch Berit Lange, Ärztin und Epidemiologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, hält es für falsch, auf eine Herdenimmunität und die alleinige Isolation der Risikogruppen zu setzen. „Wir sehen schwere Verläufe der Krankheit und mögliche Langzeitfolgen auch bei jüngeren Patienten“, erklärte sie gegenüber der ARD. Eine solche Isolation sei praktisch nicht umsetzbar.

Ungeachtet solcher Bedenken betrachtet die AfD-Kreistagsfraktion die meisten Corona-Schutz-Maßnahmen „als reine politische Willkür“. In der Allgemeinverfügung sehe man „eine schwere Gefährdung der Demokratie“, da der Kreistag daran nicht beteiligt war. So heißt es in einer Pressemitteilung der Kreis-AfD.

Für ein Statement zu dem Widerspruch war Landrat Michael Harig am Montagnachmittag nicht zu erreichen. Die Pressestelle des Landratsamtes bestätigte  den Eingang des Schreibens. Der Antrag werde derzeit geprüft.

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