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Kreis Bautzen: Corona-Patienten werden jünger

In den Kliniken im Landkreis steigt die Zahl der Covid-Erkrankten seit gut zwei Wochen an. Mediziner beobachten dabei vor allem zwei Veränderungen.

In den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen werden wieder mehr Corona-Patienten behandelt - und die Mediziner bereiten sich auf einen weiteren Anstieg vor.
In den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen werden wieder mehr Corona-Patienten behandelt - und die Mediziner bereiten sich auf einen weiteren Anstieg vor. © Symbolfoto: dpa/Jens Büttner

Bautzen. Deutschlandweit werden derzeit mehr als 4.300 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Das ist der höchste Stand seit Ende Februar/Anfang März. Auch in den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen steigt die Zahl der behandelten Covid-Erkrankten seit gut zwei Wochen an. Die ersten Verantwortlichen aus der Region warnen: Die Krankenhausfälle laufen den Infektionszahlen immer ein bis zwei Wochen hinterher.

Einer von ihnen ist Sven Heise. „Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg“, sagt der Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses in Kamenz. In seiner Einrichtung werden aktuell 17 Patienten im Zusammenhang mit Covid-19 behandelt, darunter ein Covid-Verdachtsfall und fünf Patienten mit Post-Covid-Syndrom. Hinter Post-Covid stehen jene Personen, die laut Testung wieder negativ, aber dennoch wegen Covid-Symptomen in Behandlung sind. Drei Covid-19-Patienten werden zurzeit intensivmedizinisch betreut, zwei davon beatmet.

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Regelmäßige Corona-Tests für alle Mitarbeiter

Für die Oberlausitz-Kliniken (OLK) behält Intensivmedizinerin Dr. Wilma Aron die Zahlen im Blick. An den Krankenhäusern in Bautzen und Bischofswerda werden derzeit auf der normalen Covid-Station 31 Patienten behandelt, auf der Intensivstation müssen zehn Patienten betreut werden. „Diese Anzahl von Intensivpatienten schränkt die Regelversorgung schon deutlich ein“, sagt die Medizinerin.

Der kurzzeitige Rückgang des Infektionsgeschehens ließ indes dem medizinischen Personal nur eine kurze Verschnaufpause. In Kamenz wie in den OLK-Häusern waren zu jeder Zeit vereinzelt Covid-Patienten. „Jetzt sind die Stationen aber schon wieder halb beziehungsweise dreiviertel voll“, sagt Wilma Aron.

„Noch beherrschbar“, bezeichnet Sven Heise die derzeitig Situation, auch aufgrund des Hygienekonzeptes, das umfangreiche Tests einschließe. „Patienten mit Covid-19 werden bereits bei Aufnahme isoliert“, sagt er. Zudem bestehe für alle Mitarbeiter mit direktem Patientenkontakt die Pflicht einer zweimal wöchentlichen Schnelltestung auf SARS-CoV2. Für Mitarbeiter ohne direkten Patientenkontakt gibt es ein solches Angebot einmal pro Woche.

Weniger Patienten aus Pflegeheimen

Im Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda sind aktuell 13 Covid-Patienten auf Station, davon sechs in der intensivmedizinischen Abteilung. „Wir hatten damit lediglich einen leichten Anstieg über die Osterfeiertage. Von einer dritten Welle ist derzeit bei uns eigentlich nichts zu spüren“, sagt Unternehmenssprecher Gernot Schweitzer. Auf der Intensivstation könne man die Lage dennoch als „abwartend angespannt“ bezeichnen. Wie auch in den anderen Krankenhäusern der Region gingen in Hoyerswerda ab Mitte Februar die Zahlen der Covid-Patienten herunter, seit Ende Februar hätten sie sich im ein- und niedrigen zweistelligen Bereich bewegt.

Parallel zum aktuell leichten Anstieg ist eine weitere Entwicklung sichtbar: Covid-Patienten werden jünger. „Im Gegensatz zum Dezember und Januar verringern sich so die Sterbezahlen. Der Schluss liegt nahe, dass das mit Impfungen zu tun hat“, sagt Seenland-Klinikum-Sprecher Gernot Schweitzer.

Im Malteser-Krankenhaus Kamenz sei die Zahl der Patienten aus Pflegeheimen geringer, was auf deren Durchimpfung zurückgeführt werden könnte. „Die Tendenz geht Richtung jüngere Patienten. Dennoch sind viele, die bei uns aufgenommen werden, 70 Jahre und älter“, sagt Sven Heise. Intensivmedizinerin Wilma Aron schätzt, dass der Durchschnitt der Corona-Patienten in den Krankenhäusern in Bautzen und Bischofswerda zur vorherigen Welle zehn bis 15 Jahre jünger sei.

Noch nicht alle Mitarbeiter sind geimpft

Das Krankenhauspersonal ist gut auf die dritte Welle vorbereitet. „Wir können nach Bedarf wie im Herbst kurzfristig eine zweite Isolationsstation in Betrieb nehmen. Dazu sind auch die entsprechenden Dienstpläne geschrieben und kurzzeitig in Kraft zu setzen“, sagt Gernot Schweitzer. Im Kamenz werden ständig Beatmungskapazitäten für alle intensivmedizinisch zu versorgenden Patienten bereitgehalten. „Weiterhin wird immer eine freie Reserve für Patienten auf der Normalstation benötigt, um diese im Bedarfsfall intensivmedizinisch behandeln zu können ohne, dass eine Verlegung erfolgen muss“, sagt Sven Heise.

Diese Vorbereitung steht. Es wirkt wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Mitarbeiter haben zudem gelernt, professionell mit Corona umzugehen. Doch an einer Stelle hakt es, kritisiert der Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses in Kamenz. „Die Krankenhäuser in Ostsachsen erhalten zurzeit keinen weiteren Impfstoff. Soweit Impfmaterial da war, haben wir geimpft. Bis jetzt hat die gelieferte Menge für eine – doppelte - Durchimpfung aller Mitarbeiter noch nicht gereicht“, sagt er. Und durch die Rücknahme von AstraZeneca und der Empfehlung, den Impfstoff nur noch bei über 60-Jährigen einzusetzen, könnten nun nur noch ältere Mitarbeiter geimpft werden.

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