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Bautzen: So läuft der Einkauf mit Testpflicht

Seit Dienstag darf bei vielen Einzelhändlern mit aktuellem Corona-Test eingekauft werden. Ein Rundgang im Kornmarkt-Center zeigt: Die Unsicherheit ist groß.

Jana Toppe vom Hairshop 13 ist am Dienstagvormittag vorbereitet. Ohne negativen Selbsttest darf kein Kunde den Laden betreten. Ein Schild am Eingang weist darauf hin.
Jana Toppe vom Hairshop 13 ist am Dienstagvormittag vorbereitet. Ohne negativen Selbsttest darf kein Kunde den Laden betreten. Ein Schild am Eingang weist darauf hin. © Steffen Unger

Bautzen. Am Dienstagmorgen um kurz nach zehn ist beim Haarshop 13 im Erdgeschoss des Kornmarktcenters nur eine der gläsernen Ladentüren geöffnet. In den schmalen Durchlass zwischen sich und die Passanten hat Mitarbeiterin Jana Toppe einen runden Bistrotisch geschoben. Darauf sauber angeordnet: Desinfektionsmittel, ein Klemmbrett mit Listen zur Kontaktverfolgung, einige Visitenkarten. Hinter dem Arrangement steht Jana Toppe, lässt sich das Dokument über den negativen Schnelltest vorlegen und sagt: "Ich bin vorbereitet. Ich warte jetzt, was die Bereichsleitung zu den neuen Regeln sagt."

Warten - das ist die Strategie vieler Händler an diesem Dienstagvormittag. Etliche Schaufenster im Kornmarktcenter bleiben dunkel. Die Aushänge dahinter wirken veraltet. Das ist kaum verwunderlich, denn es ist nur wenige Stunden her, dass das Landratsamt Bautzen neue Bekanntmachungen veröffentlicht hat, die weitere Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus für den Landkreis festschreiben. Mit ihnen verbunden, sagt Center-Manager Christian Polkow, sei für die Einzelhändler eine enorme Unsicherheit: Darüber, wie lange die neuen Bestimmungen überhaupt gelten. Darüber auch, wie die Kunden darauf reagieren.

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Sinn der Lockerungen ist abhängig vom Geschäftsmodell

Ob sich die Lockerungen für die Einzelhändler überhaupt lohnen, fährt er fort, hänge von deren Geschäftsmodell ab: "Grundsätzlich verweigern sich die Einzelhändler keinerlei Möglichkeit der Öffnung." Aber es unterschieden sich jene Geschäfte, die pro Kunde viel Umsatz machen von jenen, bei denen es auf die Menge der Kunden ankommt. "Man kann relativ klar sagen, dass Click & Meet für eine ganze Reihe von Geschäften in unserem Center schon vor den neuen Regelungen nicht gut funktioniert hat", resümiert Polkow.

Anfangs noch verhalten - später gut besucht. Trotz neuer Regelungen und vieler geschlossener Geschäfte suchten Kunden am Dienstagvormittag den Weg ins Kornmarktcenter.
Anfangs noch verhalten - später gut besucht. Trotz neuer Regelungen und vieler geschlossener Geschäfte suchten Kunden am Dienstagvormittag den Weg ins Kornmarktcenter. © Steffen Unger

Die Aussage des Center-Managers belegt ein Gang durch die Ebenen des Einkaufscenters: Nur ungefähr jedes zweite Geschäft ist am Dienstag geöffnet. Der Besucher blickt oft in dunkle Glasfassaden. Hinter einem der wenigen beleuchteten Schaufenster trifft man auf Jenny Büchner, die bei Hunkemöller Damen-Dessous verkauft. Sie sagt: "Vor der Testpflicht war hier fast Normalbetrieb. Heute Morgen musste ich schon zwei Kunden wegschicken, die einfach gar nicht wussten, dass man zum Einkauf ab sofort einen Corona-Test braucht." Die seien einsichtig gewesen, fügt sie hinzu. Kunden wegzuschicken, findet sie dennoch seltsam: "Wenn es mit der Testpflicht gar nicht funktioniert, wäre es vielleicht eine gute Idee, Tests im Laden anzubieten. Die Kunden würden das sicher verstehen", sagt sie.

Werden Einzelhändler ungleich behandelt?

Verständnisvoll aber auch ein bisschen frustriert zeigt sich auch Ralf Schulze vom Juwelier Voigt im Obergeschoss des Centers: Seit dem ersten Lockdown, sagt er, sei er als Geschäftsführer fast jeden Tag in seinem Laden gewesen. Weil das Telefon geklingelt habe - unabhängig davon, ob er Kunden habe empfangen dürfen oder nicht. Schulze blickt in Richtung der nahen Buchhandlung und spricht - weil die inzidenzunabhängig öffnen darf - von Ungleichbehandlung: "Wir haben ein Hygienekonzept erarbeitet, das uns erlaubt, einen Kunden im Laden zu bedienen." In die großen Märkte hingegen, fährt er fort, dürften Kunden ohne Testnachweise und ohne Zählung - nur, weil es um Waren des täglichen Bedarfs gehe - spontan einkaufen gehen. Sein Verständnis dafür hält sich in Grenzen - wenngleich er jedem Händler den Umsatz gönnt.

Ungleichbehandlung unter den verschiedenen Anbietern empfindet auch Christan Polkow. Seit Dienstagmorgen haben sich bei ihm 14 von 62 Geschäften gemeldet, die regulär öffnen, weil sie Waren des täglichen Bedarfs anbieten. 16 weitere bieten Click and Meet an. Weitere, so Polkow weiter, würden erfahrungsgemäß abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Polkows Job dabei: Die Internetseite regelmäßig aktualisieren - um den Kunden zu kommunizieren, wer wann und wo erreichbar ist. Generell findet Polkow es zweifelhaft, dass es branchenunabhängig so unterschiedliche Regelungen gibt. Schließlich sei an keiner Stelle bekanntgeworden, dass der Einzelhandel die Infektionszahlen in die Höhe treibe: "Die Infektionsgefahr im Einzelhandel ist gering. Mit entsprechenden Hygienekonzepten ist sicheres Einkaufen möglich", so der Center-Manager.

Händler halten neue Regeln für wenig dauerhaft

In eine andere Richtung denkt Ralf Schulze: "Wer weiß schon, wie lange diese Bestimmung jetzt gilt", fragt er mit Blick auf die steigenden Corona-Infizierten. "Ich denke nicht, dass diese Regelung von langer Dauer ist." Und überhaupt: Die Masse der Kunden; jene, die zum Bummeln ins Center kämen, erreiche man mit den Lockerungen ohnehin nicht: "Die Spontanität beim Shoppingerlebnis fehlt", sagt er. Was den kleinen Einzelhändlern in dieser Situation helfen würde, ist für ihn klar: "Ein Testcenter im Kornmarktcenter, in einem der leerstehenden Geschäfte", sagt er. Ein Ort, wo Kunden ohne Termin hinkommen und sich testen lassen könnten, dagegen gäbe es nichts einzuwenden.

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