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Langes Warten auf Impftermine in Dresden

Mehr Dresdner wollen sich impfen lassen, als es Termine in der Messe gibt. Der Stau sorgt für Frust - und kreative Ideen. Wie es aktuell beim Impfen aussieht.

In der Messe Dresden werden täglich 1.200 Personen geimpft, aber das reicht nicht.
In der Messe Dresden werden täglich 1.200 Personen geimpft, aber das reicht nicht. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Keine freien Termine in den kommenden zehn Tagen, dann ist mal ein einziger verfügbar. "Die Termine sind sehr schnell weg", sagt Kai Kranich, der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Sachsen. Dieses Bild zeigt sich Usern, die sich derzeit auf der offiziellen Impf-Website des Freistaats und des Roten Kreuzes über Termine informieren möchten. Das DRK betreibt das Impfzentrum in der Dresdner Messe.

Laut Kranich lohne sich eigentlich erst zu buchen, wenn mal zehn freie Termine an einem Tag in dem Serviceportal Countee frei sind, bei weniger sind sie während des Ausfüllens der Anmeldung schon weg. Das DRK arbeitet daran, immer mehr Dresdner zu impfen.

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Wie viele Dresdner sind geimpft?

Das DRK hat bereits 78.095 Impfungen durchgeführt und täglich finden weitere rund 1.200 im Impfzentrum in der Messe Dresden statt. Mit mobilen Teams, die beispielsweise in die Pflegeheime kommen, wurden 10.462 Dosen des Impfstoffs Biontech für eine erste Impfung verabreicht und 10.088 Zweitimpfungen. Mit dem umstrittenen Impfstoff Astrazeneca wurden 1.983 Dresdner geimpft und 40 mit Moderna.

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Im Impfzentrum wurden bislang die meisten Impfungen durchgeführt: gut 26.000 Erstimpfungen mit Biontech, gut 5.700 mit Astrazeneca und knapp 2.400 mit Moderna. Bei den Zweitimpfungen sind es 5 (Astrazeneca), 705 (Moderna) und gut 20.700 (Biontech). Insgesamt sind also mehr als 78.000 Dosen verabreicht worden. "Diese Zahlen sind ohne Impfungen in Hausarztpraxen und Krankenhäusern", so Kranich.

Wo stockt es derzeit?

Offiziell bis heute, 7. April, ist in ganz Sachsen und damit auch in Dresden die Impfung mit Astrazeneca wegen der möglichen Thrombosen ausgesetzt. Dann werde neu entschieden, wie damit weiter verfahren wird, so Kranich. Nach SZ-Informationen ist es wahrscheinlich, dass dieser Impfstoff nur noch in Kliniken und Hausarztpraxen eingesetzt wird, weil die Beratungen dort besser koordiniert werden können.

"Vereinbarte Termine mit Biontech wurden und werden aber weiterhin durchgeführt", betont Kranich. Im Durchschnitt werden rund 1.200 Impfungen pro Tag durchgeführt.

Warum gibt es die Probleme mit den Terminen?

"Es gibt kaum freie Termine und wenn es welche gibt, sind diese schnell gebucht", bestätigt DRK-Sprecher Kranich. Am vergangenen Wochenende seien mehrere Tausend Termine in dem Portal freigeschaltet worden. "Die waren in wenigen Stunden ausgebucht", so Kranich.

Das Impfzentrum arbeite noch nicht ganz am Limit. Es ist geplant, mehr Impfungen pro Tag durchzuführen. Dafür müsse aber zunächst die Logistik bereitgestellt werden. "Derzeit gibt es nicht genügend Impfstoff, die Nachfrage nach Terminen ist größer", so Kranich. Aber das DRK erwarte in den nächsten Tagen eine größere Lieferung, sodass neue Termine demnächst eingestellt werden. Es werden aber immer nur Termine vergeben, wenn der Impfstoff dafür auch tatsächlich da ist. Deshalb können keine Termine über mehrere Wochen im Voraus gebucht werden.

Was ist, wenn Dresdner zum Impftermin nicht erscheinen?

Es komme immer wieder vor, dass vereinbarte Impftermine nicht stattfinden, weil die Personen, die diese gebucht haben, einfach nicht auftauchen. Eine genaue Zahl könne Kranich nicht nennen. "Aber der Anteil an Astrazeneca-Impfungen ist dabei deutlich höher als mit anderen Impfstoffen." Deshalb liege es nahe, dass Impfwillige verunsichert sind, ob dieser Stoff für sie geeignet ist.

"Die dann freien Termine für Impfungen werden am darauffolgenden Tag wieder in das Portal gestellt", erklärt Kranich. Damit falle kein Termin einfach aus und bleibe keine Dosis unverbraucht. Astrazeneca-Impfstoff könne auch zurück in die Kühlung. "Wir haben noch nichts weggeworfen", versichert der Sprecher.

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Ist das Portal zu unübersichtlich?

Immer wieder gibt es Probleme, einen Impftermin zu buchen. Vor allem über 70-Jährige finden häufig das Feld nicht, das sie anklicken müssen. "Das ist etwas versteckt, weil man mehrfach klicken muss", so Kranich.

Das DRK sei aber dabei, das Portal zu überarbeiten. Mit der Umstellung soll auch zu sehen sein, wie viele Termine es insgesamt gibt und wie viele frei sind. Dass bisher nur die freien Termine angezeigt werden, sei unbefriedigend.

Wie kommen Erzieherinnen an Termine?

Auch die Betreiber von Krippen und Kindergärten haben das Problem, dass sie keine Termine für ihre Erzieherinnen und Erzieher bekommen. Obwohl sie entsprechend der Priorisierung geimpft werden können, sind es die meisten noch nicht.

Deshalb macht die Outlaw Kinder- und Jugendhilfe Druck. Der für Sachsen zuständige Geschäftsführer Dirk Luther hat nun ein Pilotprojekt angestoßen. "Bei Chefärzten kommt doch auch niemand auf die Idee, ihnen zuzumuten, das Impfportal zu nutzen", sagt Luther. "Da kommen mobile Impfteams vorbei." Das will er auch für seine rund 300 Erzieherinnen und Erzieher - etwa 250 davon in Dresden.

Dafür hat er nun die Zusage vom DRK erhalten. An zwei Wochenenden sollen alle pädagogischen Fachkräfte geimpft werden. "Sie sollen gute Arbeit an den Kindern leisten und nicht die Arbeitszeit dafür nutzen, in dem Portal keinen freien Termin zu finden", sagt Luther. Er ist froh, dass das nun klappt.

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