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Ab in die Loipe!

Johannes Herzog sorgt im Oberland ehrenamtlich für beste Ski-Bedingungen. Dafür erntet er viel Lob. Warum es an der Loipe dennoch manchmal Ärger gibt.

Johannes Herzog spurt die Loipen um Neugersdorf und Leutersdorf.
Johannes Herzog spurt die Loipen um Neugersdorf und Leutersdorf. © Matthias Weber/photoweber.de

Was für ein herrliches Bild! Schnee soweit das Auge reicht, in der Ferne tauchen die schneebedeckten Gipfel des Zittauer Gebirges auf. Im Oberland, zum Beispiel auf dem Wacheberg bei Leutersdorf, bietet sich derzeit ein tolles Winterpanorama. Und zu diesem Panorama gehören dieser Tage auch unzählige Skilangläufer, die über die Wiesen und Felder ihre Runden ziehen. Endlich mal wieder richtig Schnee - da zieht es viele nach draußen. Und dann noch Corona mit den damit verbundenen Einschränkungen. "Da bleiben ja nicht viele andere Freizeitmöglichkeiten", sagt Johannes Herzog aus Neugersdorf. Er sorgt dafür, dass jetzt so viele den Wintersport ausüben können. Seit vielen Jahren engagiert sich der Neugersdorfer ehrenamtlich und spurt auf eigene Faust die Loipen mit seinem eigenen Loipenspurgerät. Auf dem Feld beim ehemaligen Neugersdorfer Ziegelei-Gelände, Richtung Heinrichshöhe, und am Wacheberg in Leutersdorf und im Neugersdorfer Stadtwald sorgt er mit seinem Fahrzeug für gute Wintersportbedingungen.

"Die Leute sind begeistert. Viele sprechen mich an und bedanken sich dafür, das ist mir schon fast unangenehm", sagt er bescheiden. Denn großes Aufsehen will er darum eigentlich gar nicht machen. "Ich mache es gern und freue mich, wenn die Leute Freude daran haben." Er staunt selbst, wie viele jetzt die Wintersportausrüstung auspacken. Er treffe auch Ältere, die seit zehn Jahren das erste Mal wieder auf den Skiern stehen. "Wenn wir schon mal so viel Schnee vor der Haustüre haben!" Der 72-Jährige ist selbst seit Jahrzehnten begeisterter Wintersportler. "Früher, bevor es auf dem Kottmar losging, war hier um Neugersdorf, Leutersdorf, Neuwalde herum eine Wintersportregion." Er erinnert sich noch gut an die Langlaufwettkämpfe, die hier stattfanden. Der Skisport begleitet ihn von Kindheit an.

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Beste Skibedingungen im Oberland:

Auch am Wacheberg bei Leutersdorf hat Johannes Herzog die Loipen gespurt.
Auch am Wacheberg bei Leutersdorf hat Johannes Herzog die Loipen gespurt. © Johannes Herzog/privat
So sonniges Winterwetter ist für Sonntag wieder angekündigt.
So sonniges Winterwetter ist für Sonntag wieder angekündigt. © Johannes Herzog
Im Neugersdorfer Stadtwald.
Im Neugersdorfer Stadtwald. © Johannes Herzog
An der Mühlenstraße bei Leutersdorf.
An der Mühlenstraße bei Leutersdorf. © Johannes Herzog

Ein eigenes Skidoo - das Fahrzeug zum Loipenspuren - hat sich der begeisterte Wintersport- und Alpenfan dann vor etlichen Jahren zugelegt. Das Loipenspurgerät ist "Marke Eigenbau". "So ein Anbau kostet normalerweise um die 2.500 Euro", erzählt der Neugersdorfer. Seine Eigenkonstruktion erfüllt den Zweck genauso. "Die Spur wird super." Der gebrauchte Motorschlitten hat allerdings schon etliche Jahre auf dem Buckel, stammt aus den 90er Jahren. Als Johannes Herzog Anfang dieser Wintersaison loslegen wollte, streikte das Fahrzeug doch glatt. "Es hat zwei Jahre gestanden, weil wir ja keinen Schnee hatten." Einiges musste er reparieren, etwa neue Zündkerzen einbauen. Jetzt läuft der Schlitten wieder.

Ärger an der Loipe

Bis zu zwölf Kilometer spurt Johannes Herzog damit - und das mehrmals in der Woche. Denn wenn es drauf geschneit hat, muss die Spur erneuert werden. Und auch durch das Langlaufen nutzt sie sich ab und muss aufgefrischt werden.

Die Strecke auf dem Feld zwischen dem ehemaligen Ziegelei-Gelände und dem Leutersdorfer Wacheberg ist dabei am beliebtesten. Da kämen viele auch nach Feierabend noch fix eine Runde laufen, hat der Neugersdorfer beobachtet. Wintersportler kommen nicht nur aus Neugersdorf und Leutersdorf, sondern auch aus anderen Orten angereist, um hier ihre Runden zu ziehen.

Ein Ärgernis ist aber immer wieder, dass die Loipen von Spaziergängern zertreten werden. Immer wieder weist Johannes Herzog darauf hin, dass man doch neben der Langlaufspur laufen solle - auch aus Sicherheitsgründen. Denn wird die Loipe zertreten, kann das für Skiläufer unangenehm werden. Die Spur wird uneben und wenn das dann vereist, entstehen Huckel, auf denen die Langläufer stürzen können. Meistens klappt das Nebeneinander von Wintersportlern und Spaziergängern gut, man nimmt Rücksicht aufeinander, sagt Johannes Herzog.

Es gibt aber auch Fälle, in denen die Loipen offenbar mutwillig zerstört werden. So einen unschönen Vorfall hat es erst vor Kurzem an den Langlaufspuren um Neugersdorf und Leutersdorf gegeben. Mit einem Landwirtschaftsfahrzeug ist jemand in Schlangenlinien kreuz und quer über die Loipen gefahren. Für Johannes Herzog und die vielen begeisterten Langläufer ist das völlig unverständlich. "Warum macht jemand so etwas?"

Schon neue Projekte für das Frühjahr

Die Kosten fürs Loipenspuren trägt Johannes Herzog selbst. Immerhin ist es nicht nur seine Zeit, die er investiert. Der Motorschlitten braucht Benzin und muss eben auch mal repariert werden, so wie vor Kurzem erst. Ein dankbarer Skifahrer hat ihm kürzlich einen 20-Liter-Kanister Benzin vor die Türe gestellt.

Auch wenn der Schnee wieder weg ist, wird Johannes Herzog nicht stillsitzen. In der Garage warten schon die nächsten Aufgaben. Als ehrenamtlicher Wegewart von Ebersbach-Neugersdorf kümmert er sich zum Beispiel darum, die Schilder im Wald wieder in Ordnung zu bringen. Als nächstes Projekt erneuert er die Beschilderung im Neugersdorfer Stadtwald. Die fertigt er aus Eichenbrettern und schnitzt den Schriftzug hinein, damit sie genau so aussehen, wie die alten.

Jetzt hat aber erst einmal das Loipenspuren Vorrang. Es soll Neuschnee geben. "Und am Sonntag soll richtig schönes Winterwetter werden. Dann werden wieder viele mit den Skiern unterwegs sein", sagt Johannes Herzog. Da will er vorher noch einmal mit dem Motorschlitten los.

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