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Corona macht Laptops zu Mangelware

Schulen bestellen mobile Rechner in größerer Zahl - Digitalpakt und Coronageld sei Dank. Das bringt die Hersteller aber an Grenzen - für einige Geräte jedenfalls.

Die Ausstattung mit Laptops ist in Schulen durch die Coronakrise wichtiger geworden denn je.
Die Ausstattung mit Laptops ist in Schulen durch die Coronakrise wichtiger geworden denn je. © Sebastian Kahnert/dpa

"Der Markt ist tot - es gibt nichts mehr oder es ist ohne Ende teuer!" Wovon Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos) vor Kurzem in so alarmistischem Ton sprach, ist der Markt für Laptops und Tablets. Denn solche mobilen Rechner wollte die Gemeinde für ihre Grundschule erstehen. Der Digitalpakt Schule macht es finanziell möglich. Nur haben derzeit eben alle Gemeinden mit Schulen im Landkreis Görlitz diese Gelder in der Hand und suchen nach geeigneten Rechnern.

Dauert die Technik-Anschaffung nun also ewig lang und wird teurer als vermutet? Jan Siering, Vertriebsleiter beim Görlitzer Systemhaus und IT-Dienstleister Infotech kennt nicht nur die Gemeinde Schönau-Berzdorf als Kunde, sondern auch andere Schulträger: "Es gibt derzeit Lieferengpässe bei bestimmten Geräten", erklärt er und präzisiert: "Wenn man für Schüler handliche, mobile Geräte sucht, die dennoch robust und mit solider Leistung arbeiten, kommen am Ende nicht so viele Geräte infrage." Und da Gemeinden Anschaffungen in der Regel ausschreiben und dann den günstigsten Bieter nehmen müssen, spielt natürlich auch der Preis eine Rolle. "Bei den für Schulen beliebten Modellen liegen wir derzeit bei etwa acht Wochen Lieferzeit", sagt Siering.

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Bei einigen Modellen längere Wartezeiten

Acht Wochen - klingt nicht so viel - kann aber in einigen Fällen Schwierigkeiten machen. "Vor allem dann, wenn die Laptops oder Tablets über das sogenannte Coronageld finanziert werden sollen", erklärt Jan Siering. Denn diese Extra-Finanzspritze des Bundes, mit der mobile Geräte zum Ausleihen an sozial schwächere Schüler angeschafft werden können, muss bis Ende November abgerechnet sein. Und das wird bei langen Bestellzeiten knapp.

Dass es zu einem solchen Engpass durch den bereits länger geplanten Digitalpakt Schule ohnehin gekommen wäre, sieht der Infotech-Vertriebsleiter nicht unbedingt. Denn Corona selbst hat die Lieferprobleme in gewisser Weise geschürt: "Vor allem die Speicherhersteller haben aktuell ein Lieferproblem, denn die Werke in China waren durch den Lockdown dort ja lange Zeit geschlossen und wurden erst langsam wieder hochgefahren", skizziert er die weltweiten Auswirkungen.

Firmen und Familien rüsten auf

Hinzu kommt eine ohnehin gestiegene Nachfrage nach mobilen Rechnern, weil natürlich auch Firmen und Familien für die Homeoffice-Zeit ungeplant zusätzliche Geräte gekauft haben. "Zu Zeiten des Lockdowns gab es nahezu keine Notebooks mehr, das hat sich inzwischen aber wieder ausgeglichen", sagt Siering, hält aber auch fest: Nur bei den besonders für Schüler geeigneten Produkten, die oft auch zu Sonderkonditionen angeboten wurden - ist das noch immer etwas anders.

Und nun? Steht die Schönauer Grundschule bald ohne neue Rechner da? Nein, denn der Gemeinderat entschied, den Geräten einer anderen Firma den Zuschlag zu geben und wird für die 38 Laptops ein bisschen mehr bezahlen. "Wir sollten das machen, denn wenn die größeren Städte auch alle ihre Bestellungen abgeben, wird es nicht besser", argumentierte Bürgermeister Hänel und erntete Zustimmung.

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