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Leisnigs Bürgermeister bei Rechtsextremisten machtlos

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) hat sich am Montag erstmals selbst ein Bild von der Corona-Demo gemacht. Die Ansiedlung der Rechtsgesinnten bereitet ihm Sorgen.

Bei den Corona-Protesten auf dem Marktplatz in Leisnig kommen immer mehr Rechtsextremisten hinzu. Dem Bürgermeister bereitet das Sorgen.
Bei den Corona-Protesten auf dem Marktplatz in Leisnig kommen immer mehr Rechtsextremisten hinzu. Dem Bürgermeister bereitet das Sorgen. © Archiv/Erik-Holm Langhof

Leisnig. Erstmals seit dem Beginn der Anti-Corona-Versammlungen in Leisnig hat sich Rathauschef Tobias Goth (CDU) selbst ein Bild vom Geschehen gemacht. Wie Goth auf Anfrage von Sächsische.de mitteilt, habe er sich das Geschehen wenige Minuten am Anfang angeschaut.

„Die Musik und die Redebeiträge waren ohrenbetäubend laut. Ich bin nach wenigen Minuten wieder gegangen“, sagt er. Ihm zufolge sei die angemeldete Versammlung legitim und es bestünde das Recht auf Versammlungsfreiheit.

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Rechtsextremist Christian Fischer in Leisnig niedergelassen

Dennoch bereite ihm die Zunahme von Nazis und Neonazis bei dieser Veranstaltung große Sorge. „Ich denke, die Mehrzahl der Leisniger kennt den Hintergrund dieser Menschen vor Ort und steht nicht hinter den Forderungen“, so der Bürgermeister.

Insgesamt seien nach Angaben von Polizeisprecher Andrzej Rydzik 60 Personen auf dem Marktplatz zusammengekommen. Begleitet wurde die Versammlung wie gewohnt durch mehrere Polizeibeamte. "Anzeigen wurden keine aufgenommen", so Rydzik.

Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) wurde bekannt, dass sich rund um die Stadt auch weiterhin, meist aus Westdeutschland stammende, Rechtsextreme niederlassen. Darunter auch Christian Fischer, einer der Redner auf der Leisniger Corona-Demo.

Der aus Vechta in Niedersachsen stammende Mann war Kader der 2009 verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend und anschließend Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation Junge Nationalisten.

Nach Angaben der den Grünen nahestehenden Böll-Stiftung gehört Fischer zu einer Reihe von Neonazis, die sich vor drei Jahren in Dörfern rund um Leisnig niedergelassen haben.

"Erschreckende Entwicklung" bei Rechtsextremisten

Fischer hat demnach die Initiative „Zusammenrücken“ ins Leben gerufen. Deren Ziel sei es, „siedlungswillige Nationalisten aus dem Westen“ zum Umzug in bestimmte ostdeutsche Regionen zu bewegen. Dort sollen „Siedlungsräume frei von ausländischen Menschen“ entstehen.

Vor allem in „Mitteldeutschland“ könne die „deutsche Volkssubstanz“ bewahrt werden. Neben Fischer haben sich laut Böll-Stiftung auch der Betreiber eines völkischen Versandhandels aus Hessen sowie ein ehemaliger Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion aus Greifswald in der Region Leisnig niedergelassen.

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Rathsauschef Tobias Goth sieht die Ansiedlungen als „erschreckende Entwicklung“ für die Stadt, betont jedoch auch, dass er nicht dagegenwirken kann. „Diese Menschen kaufen sich private Häuser. Auch da gilt das Recht auf Privateigentum.“

Hinweis: Dieser Beitrag wurde am 9. Juni 2021 gegen 9.30 Uhr mit Angaben der Polizei zur Versammlung aktualisert

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