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Das bedeutet der Lockdown für den Sport

Turn- und Schwimmhallen, Tanzschulen sowie Fitnessstudios schließen ++ Landessportbund fordert: Verbot umgehen ++ Ski-Weltcup in Dresden soll stattfinden

Wegen Corona gesperrt! Auch das Bild geschlossener Sportplätze wird jetzt wieder öfter zu sehen sein.
Wegen Corona gesperrt! Auch das Bild geschlossener Sportplätze wird jetzt wieder öfter zu sehen sein. © dpa/Frank Molter

Dresden. Die Situation ist einigermaßen skurril. Soeben haben Bundesregierung und Ministerpräsidenten einen Lockdown beschlossen, der auch in weiten Teilen den Sport betrifft und von dem keiner genau weiß, wann er tatsächlich endet. Der Ski-Weltcup in Dresden startet indes an diesem Freitag mit dem Ticketverkauf für die bei den Sportlern überaus beliebte, in der Stadt aber genauso umstrittene Veranstaltung am Elbufer.

Am 19. und 20. Dezember sollen die Rennen wie geplant stattfinden – mit vielen Stars, reichlich Kunstschnee und maximal 500 Zuschauern täglich. „Wir werden einen in allen Bereichen sicheren Weltcup auf die Beine stellen. Ich freue mich auf dieses Highlight: die besten Skilangläufer der Welt in einer der schönsten Städte der Erde“, sagt Chef-Organisator und MDR-Moderator René Kindermann mit dem Lächeln, das man aus dem Fernsehen kennt.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Sich die Laune nicht komplett vermiesen zu lassen, ist nicht ganz einfach in diesen Pandemie-Tagen. Doch zumindest Kindermann hat für seine Zuversicht gute Gründe. Zum einen sind Sicherheits- und Hygienekonzept sowohl TÜV-geprüft und zudem auch offiziell genehmigt. Vor allem aber handelt es sich beim Ski-Weltcup um Profisport. Und der ist von den neuen, vorerst allein für November geltenden Corona-Maßnahmen nur insofern betroffen, dass keine Zuschauer dabei sein dürfen.

Auch der Elite-Lauf steht nicht zur Debatte

Beim Ski-Weltcup würden sie vermutlich notfalls sogar damit klarkommen, genauso wie in der Fußball-Bundesliga, wo allein TV-Gelder die alles entscheidende Größe sind. Auch der für den 8. November in Dresden geplante Elite-Lauf im Marathon, Halbmarathon und über 10 Kilometer, bei dem Top-Athleten eine Normzeit für ihren Kaderstatus und die Olympia-Qualifikation erreichen können, steht bislang nicht zur Diskussion. Für die Volleyballerinnen vom Dresdner SC aber ist der erneute Lockdown „ein herber Rückschlag, der weitere Auswirkungen auf unsere sowieso angespannte Gesamtsituation hat“, wie Geschäftsführerin Sandra Zimmermann sagt.

Denn ohne Einnahmen aus dem Ticketverkauf, und damit ist der Volleyball nicht allein, funktioniert dieses Geschäftsmodell Profisport schlicht nicht mehr. Abgesehen von König Fußball, wobei man inzwischen längst auch bei Drittligist Dynamo Dresden den Sparkurs eingeleitet hat, stehen alle Mannschaftssportarten vor ungewissen Zeiten. „Die Sorgen werden nun nicht weniger“, meint Zimmermann de facto stellvertretend für Handballer, Eishockeyspieler, Basketballer …

Am härtesten treffen die Beschlüsse aus Berlin, die von den jeweiligen Landesregierungen jetzt in Corona-Schutzverordnungen überführt werden, jedoch auch diesmal die Basis – und damit Millionen Menschen. Wenn nun also Amateur- und Breitensport für einen Monat wieder nicht mehr stattfinden dürfen, wenn Turn- und Schwimmhallen, Freizeitbäder sowie auch Fitnessstudios und Tanzschulen schließen müssen, geht es um Prinzipielles. „Das ist ein fatales Zeichen. Nicht zuletzt wird damit auch das Thema Gesundheitsvorsorge mit Füßen getreten“, sagt Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen (LSB) auf SZ-Nachfrage und spricht von einer „maßlosen Schließung“. Er verweist dabei auf die präventive Wirkung des Sports, aber auch auf die mentale Komponente insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Senioren. Dem organisierten Sport werde jetzt erneut die Grundlage entzogen. „Der harte Einschnitt ist aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbar. Denn als Corona-Hotspot ist der sächsische Breiten- und Freizeitsport nicht aufgefallen“, betont Dahms.

Verbände und Vereine arbeiten seit Monaten diszipliniert – auch mit der Kontakterfassung.
Verbände und Vereine arbeiten seit Monaten diszipliniert – auch mit der Kontakterfassung. © dpa/Frank Molter

Ähnlich argumentieren am Tag nach der einigermaßen unerwarteten Lockdown-Entscheidung alle, die mit Sport zu tun haben: angefangen von der Bundestags-Sportausschuss-Vorsitzenden Dagmar Freitag, der keine Superspreader-Sportveranstaltungen in den vergangenen Wochen bekannt seien, bis hin zu Hermann Winkler. Der Chef des Sächsischen Fußball-Verbandes formuliert seine Kritik jedoch umso drastischer. „Ich bin entsetzt über die Ignoranz und Geringschätzung gegenüber dem Sport und den Vereinen“, sagt Winkler.

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Dahms wiederum betont, dass in den Vereinen und Verbänden seit Monaten diszipliniert mit Hygienekonzepten, Abstandsregeln und Kontakterfassung gearbeitet werde. Diese Maßnahmen seien schnell eingeführt worden und hätten sich bewährt. Er fordert deshalb von der Landesregierung, die an diesem Freitag die neue Corona-Schutzverordnung für Sachsen bekanntgibt, die Durchführung des Vereinssports weiter zu ermöglichen. „Riskieren Sie nicht die jahrelange Arbeit von zahlreichen Haupt- und vor allem Ehrenamtlichen! Eine erneute Schließung wäre eine Katastrophe für den sächsischen Vereinssport“, so Dahms. Die Sonderrolle des Profisports stelle die Solidarität der Vereinsmitglieder im Breitensport zudem ohnehin vor eine unnötige Zerreißprobe.

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