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Lockdown: So reagiert die Region Döbeln

Die Corona-Maßnahmen wurden verlängert. Einrichtungen sind zu, Kreativität ist gefragt. Doch das geht nicht überall.

Auch das Kosmetikstudio von Gina Wendler an der St.-Georgen-Straße in Döbeln bleibt weiter geschlossen. Nur für den Verkauf von Produkten sowie eine Hautberatung, mit Abstand, kann sie für die Kunden noch ihre Tür öffnen.
Auch das Kosmetikstudio von Gina Wendler an der St.-Georgen-Straße in Döbeln bleibt weiter geschlossen. Nur für den Verkauf von Produkten sowie eine Hautberatung, mit Abstand, kann sie für die Kunden noch ihre Tür öffnen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Es war eigentlich abzusehen. Da sind sich die meisten Inhaber von Gaststätten, Kosmetik- und Fitnessstudios, aber auch der Kinobetreiber und die Hotelleiterin einig. Doch wie mit dem verlängerten Lockdown umgehen? Sächsische.de hat erneut in der Region Döbeln nachgefragt. Und manche alternative Strategie erfahren.

Kosmetikerin: "Ich hoffe auf den Verkauf von Produkten"

Obwohl Gina Wendler mit ihrem Team im Kosmetikstudio Butterfly auch Fußpflege anbietet: Die Tür des Studios an der St.-Georgen-Straße in Döbeln muss geschlossen bleiben. „Da wir ein Kosmetikstudio sind und keine Podologie“, sagt Wendler. Ihre drei Mitarbeiter sowie ihren Auszubildenden musste die Inhaberin des Studios in Kurzarbeit schicken. Aber untätig sind sie nicht. „Wir bilden uns mit Online-Seminaren weiter“, sagt Wendler.

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Zudem habe sie ihr Studio trotz allem weihnachtlich dekoriert. Ob das Kunden überhaupt wahrnehmen werden, weiß sie noch nicht. Aber zumindest für den Verkauf von Körperpflegeprodukten kann die Döbelnerin nach Voranmeldung ihr Studio öffnen. Auch Hautberatungen, mit entsprechendem Abstand, kann sie durchführen.

Vielleicht, so hofft Wendler, kann sie damit wenigstens etwas Weihnachtsumsatz machen. Bis Ende des Jahres war das Studio eigentlich ausgebucht gewesen. Sie hofft, dass nach dem Lockdown alle Kunden wiederkommen. „Ich bin guter Dinge. Will den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt sie.

Die Novemberhilfe werde ihr Steuerberater für sie beantragen. Aber ob das Geld am Ende reicht, um alle Mitarbeiter zu halten? „Ich hoffe es, aber zu 100 Prozent sicher bin ich mir nicht.“

Kinobetreiber: "Sanierung geht erst im nächsten Jahr“

Das Foyer des Döbelner Kinos hat Betreiber Niklas Spitzer erst umgestaltet. Nun sollten die Toiletten folgen. Der Zeitpunkt für Bauarbeiten wäre jetzt eigentlich optimal. Denn auch das Kino bleibt mindestens bis zum 20. Dezember geschlossen. Doch so einfach ist es nicht. „So kurzfristig sind keine Handwerker zu finden, die die Arbeiten jetzt durchführen“, erklärt Spitzer. Doch es gebe auch keinen Druck. Die sanitären Anlagen seien alle in Ordnung, es gebe keine Defekte. Es sei lediglich eine Modernisierung geplant.

Obwohl auch Spitzer nun das Vorweihnachtsgeschäft entgeht, sieht er das Kino in Döbeln weiterhin auf sicheren Füßen. Auch er werde versuchen, die Novemberhilfe zu bekommen. „Alles, was der Bund an Hilfen zugesichert hat, kam bisher auch irgendwie an.“ Seine Mitarbeiter seien weiter in Kurzarbeit, Kündigungen kein Thema. „Wir hoffen, dass es mit den Zahlen runter geht und 2021 besser wird.“

Kino CID in Döbeln.
Kino CID in Döbeln. © Archiv/Dietmar Thomas

Inhaber des Döbelner WelWel: „Uns trifft es gleich doppelt“

Fitnessstudio zu, Gastronomie mit Bowlingbahn geschlossen. Beide Geschäfte am Döbelner Sport- und Freizeitzentrum WelWel liegen derzeit auf Eis. „Aber es nützt ja nichts. Bei den Zahlen, war es abzusehen, dass es so bleibt“, sagt Thorsten Hartwig, einer der beiden Geschäftsführer. Er plädiert für eine konsequente Linie, anstatt zwischen dem Öffnen und Schließen zu pendeln. Wirtschaftlich sei der Schaden schon „irgendwie wieder auszugleichen“, sagt Hartwig. Obwohl er und Partner Lutz Iwan bisher keine finanzielle Unterstützung erhalten hätten. „Dafür sind wir zu groß.“

Das Team, bestehend aus 15 Mitarbeitern, sei in Kurzarbeit, würde sich aber, speziell im Bereich Fitness, weiterbilden. „Aber die Situation zerrt an den Nerven.“Auch er weist, wie seine Kollegen in der Branche, darauf hin, dass sich die Mehrheit seiner Kunden aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig auf den Weg ins Fitnessstudio gemacht hat. „Wir haben auch viele Reha-Sportler.“ Die Verträge mit den Kunden haben die Betreiber für zwei Monate unterbrochen. Sie können anschließend um die Zeit verlängert werden, erklärt Hartwig.

Auf dem Kanal YouTube gibt es einige Videos mit Workouts, die die Sportler hochgeladen haben. Zudem könnten die Kunden in einem Online-Trainingsplan ihre Aktivität eintragen. Aber: „Das alles ersetzt nicht das Training im Studio. Zu dem gehören einfach auch die sozialen Kontakte und die fachliche Anleitung.“ Eine Alternative in der Gastronomie gab es für Hartwig und Lutz Iwan nicht. „Das würde sich nicht rechnen. Die Versorgung mit Essen To-Go überlassen wir den Spezialisten.“

Hotel-Chefin: „Ich finde es schade für Auszubildende“

Nur aus dringenden beruflichen oder privaten Gründen ist es derzeit erlaubt, in einem Hotel zu übernachten. Dadurch bleiben die Zimmer im Hotel „Döbelner Hof“ an der Bäckerstraße zurzeit vor allem eins: leer. Vereinzelt nutzten Geschäftsreisende das Hotel, gelegentlich auch Privatpersonen, die aufgrund eines Arzttermins oder einer Trauerfeier in der Stadt sind, sagt Hotel-Chefin Petra Kempe. Als Alternative zum HomeOffice habe sich bisher noch niemand für ein Hotelzimmer interessiert. Die Möglichkeit jedoch bestünde, sagt Kempe.

Kulinarisch versorgen müssen sich die Gäste dabei selbst. Nur Frühstück gibt es derzeit im Hotel. Zum Abendessen sind die Gäste auf das Angebot in der Stadt und den Supermärkten angewiesen. Ein To-Go-Angebot würde sich für die Hotel-Gastronomie nicht rechnen. Da sei die Konkurrenz in der Bäckerstraße zu groß.

Zum Essen auf dem Zimmer griffen die meisten zudem eher zu einem Imbiss oder belegten Broten. Ihrem Koch-Azubi bleibt daher im Moment keine Chance, sich in der Küche auszuprobieren. „Das ist wirklich schade für das Mädchen. Sie ist jetzt im zweiten Lehrjahr. Ihr bleibt im Moment nur noch die Berufsschule.“ Eine weitere Auszubildende im Beruf Hotelfachfrau kann zurzeit noch arbeiten. „Sie ist auf der Etage und im Frühstücksservice tätig.“ Wirtschaftlich sei die Betreibergesellschaft, zu der das Hotel gehört, noch in der Lage, die Situation auszugleichen.

Gastronom: "Es gibt kein klares 'Ja' oder 'Nein'"

Mit einem Gänse-Taxi, einem Lieferservice für Speisen aus dem Bürgergarten sowie einem Imbissangebot versucht sich Lars Lemke über Wasser zu halten. Fast alle Mitarbeiter seien in die alternativen Verkaufsprojekte involviert, daher nicht jeder in Kurzarbeit, sagt der Inhaber des Gastroservice Lemke. Die Resonanz auf den Lieferservice sei vor allem am Wochenende sehr gut, in der Woche aber eher verhalten. Für das Gänse-Taxi, das zwar schon jetzt relativ gut angenommen werde, erhofft sich Lemke Weihnachten noch einen Aufschwung.

„Wir wollen das Beste aus der Situation machen. Das ist besser, als alles zu schließen.“ Belastend sei für ihn allerdings, dass er als Gastronom nicht so richtig wisse, woran er ist. „Es gibt kein klares ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ dazu, ob wir nach dem 20. Dezember öffnen können oder nicht. Das ist sehr schlecht.“

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