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Lockdown: So reagiert die Region Döbeln

Die Betroffenen empfinden Unverständnis, Wut und Hoffnung. Wer kann, der sucht nach alternativen Angeboten.

Die Tische im griechischen Restaurant „Olympia“ von Kostas Tsarmantidis in Döbeln bleiben vorerst leer.
Die Tische im griechischen Restaurant „Olympia“ von Kostas Tsarmantidis in Döbeln bleiben vorerst leer. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Das öffentliche Leben, es wird am Montag auch im Altkreis Döbeln wieder weitestgehend lahmgelegt. Kein Kino, kein Theater, keine Gaststätte. Auch Sport wird zunächst für einige Wochen nicht mehr möglich sein. Viele Betroffene waren am Donnerstag geschockt, aber auch verärgert über die Pläne der Bundesregierung.

Kinobetreiber: „Aus keinem Kino ist bisher ein Fall bekannt.“

Noch bis Sonntagabend flimmern die Leinwände im Cinema in Döbeln (CiD). Dann gehen für einen Monat die Lichter wieder aus. „Was soll ich sagen?“, meinte am Donnerstag Kino-Leiter Niklas Spitzer. Das Kino sei ein sicherer Ort, es sei viel in das Hygienekonzept investiert worden, bisher kein Fall aus einem Kino bekannt. UmDie Betroffenen empfinden Unverständnis, Wut und Hoffnung. Wer kann, der sucht nach alternativen Angeboten.so unverständlicher ist für ihn die Schließung, um die er jedoch nicht herumkomme. 

Seit dem letzten Lockdown sei das Kino, vor allem jetzt während der Herbstferien gut angenommen worden. „Es fehlt nur am guten Abendfilm“, sagte Spitzer. Während der Schließzeit will er sich um finanzielle Unterstützung durch die Regierung bemühen. Spitzer ist jedoch unabhängig davon zuversichtlich, dass das Kino die Krise überstehen wird. „Uns wird es auch weiterhin geben.“

Restaurantbetreiber: „Bei uns rechnet sich das Abholangebot nicht.“

Kostas Tsarmantidis vom Griechischen Restaurant „ Olympia“ in Döbeln war am Donnerstag dabei zu erforschen, wie konkret die finanzielle Unterstützung für ihn aussieht. Wenn sie kommt, sei das gut. „Aber wie werden die 75 Prozent berechnet?“, fragte sich der Gastronom, dessen Lokal nach dem Lockdown im Frühjahr wieder gut besucht war. Geholfen habe ihm damals der Kredit über 50.000 Euro. Doch das Geld müsse bis Sommer 2021 zurückgezahlt sein. 

Ob er, wie im Frühjahr, einen Abholservice anbietet, wusste er noch nicht. Gerechnet habe sich dies im Frühjahr nicht. Dafür sei die Konkurrenz durch die Imbisse zu groß. Andere Gastronomen wollen es trotzdem versuchen, wie sie im Lauf des Donnerstags bekanntgaben. So informierten unter anderem der Bürgergarten in Döbeln sowie das Bistro Pfanntastisch aus Waldheim über ihren Abhol- beziehungsweise auch Lieferservice.

Stadtwerbering: „Wir halten anunseren Aktionen fest.“

Grit Neumann, Chefin des Döbelner Stadtwerberings und Inhaberin eines Friseurgeschäfts in der Stadt, hat noch am Mittwochabend versucht, den Mitgliedern in einem Schreiben Mut zu machen. Neumann kritisiert, dass mit den Plänen der Regierung Branchen unter Generalverdacht gestellt werden. „Zudem ist eine Gleichbehandlung nicht gegeben. Warum sonst dürfen Friseurgeschäfte öffnen, Kosmetikstudios aber nicht.“ 

Sie hofft, dass die Einschränkungen für den Einzelhandel nicht zu einem dramatischen Einbruch führen. Zwar dürfen die Geschäfte öffnen, aber ob die Kunden das Angebot auch annehmen, sei fraglich. Mit Stand Donnerstag wollte Neumann an den geplanten Aktionen des Stadtwerberinges am 7. November festhalten. An dem langen Einkaufssamstag soll der Verkauf der Döbelner Adventskalenders beginnen. Im vierten Jahr gebe 4.000 Exemplare, so Neumann.

Einzelhändler: „Ein Kunde pro 10m²ist für uns kein Problem.“

Trotz der Regelung haben in den Geschäften von Jens Jung in Döbeln und Waldheim noch genügend Kunden Platz, um sich Schuhe anzuschauen. Er denkt, dass trotz der allgemeinen Einschränkungen auch weiterhin Kunden zu ihm in die Geschäfte kommen werden. „Wir verkaufen nicht nur Mode- , sondern auch Funktionsschuhe“, begründet er.

Fitnesstrainer: "Kunden leiden unter dem Lockdown." 

Ob Key Leupold sein Gesundheitsstudio „healthybodies “ in Döbeln komplett schließen wird, stand am Donnerstag noch nicht fest. Schließlich gehöre auch Rehasport zu seinen Angeboten. Dass auch seine Einrichtung wieder betroffen ist, stößt bei ihm auf Unverständnis. „Während des Lockdown von März bis Mai hat sich bei vielen meiner Kunden der Gesundheitszustand verschlechtert“, meint der Inhaber, der auch viele Kunden mit Krebs, Diabetes oder Bluthochdruck betreue.

Zudem habe er viel Geld in die Hygienemaßnahmen investiert. Trotzdem seien vor allem die älteren Kunden nach wie vor ausgeblieben. Zu knapp 85 Prozent sei die Einrichtung in den vergangenen Monaten aber wieder ausgelastet gewesen.

Sportvereinschef: „Die ersten Mitglieder sind aus dem Verein ausgetreten.“

Gleich doppelt gestraft sind Sportler des SV Leisnig 90, wie Vereinsvorsitzende Rainer Künstler berichtet. Seine Karate-Gruppe hätte ab Montag wieder in die Turnhalle nutzen können, die nach einem Umbau geschlossen war. Seit März konnten die Sportler aufgrund des ersten Lockdown und den Bauarbeiten kaum trainieren. „Einige treten deshalb schon aus dem Verein aus“, sagt Künstler. Auch eine Frauensportgruppe mit älteren Mitgliedern habe sich inzwischen aufgelöst. „Sie haben gesagt: Das bringt doch nichts mehr. Das wird sich noch Wochen hinziehen.“ Knapp 400 Mitglieder hat der Sportverein, rund 45 davon gehören zur Karate-Gruppe.

Doch nicht nur der Sport steht auf der Kippe. Auch die Vorstandswahl, die eigentlich im Frühjahr durchgeführt werden sollte, ist ungeklärt. Eine Briefwahl ist eine immense organisatorische Herausforderung für den Verein.

Stadtbadbetreiber: „Die Anlage wird möglichst sparsam unterhalten.“

Das Döbelner Stadtbad einschließlich Sauna wird geschlossen. „Wir werden für die Mitarbeiter wieder die Möglichkeit von Kurzarbeit nutzen“, sagte Stadtwerkechef Gunnar Fehnle. Dadurch und die Möglichkeit, 75 Prozent des Umsatzes als Finanzhilfe zu bekommen, würden sich die finanziellen Einbußen in Grenzen halten. „Wir können außerdem durch das Reduzieren der Temperatur 15 Prozent Energiekosten einsparen“, so Fehnle. Ohnehin seien die Gäste sehr verhalten ins Bad gekommen. In der Sauna wurden etwa ein Drittel der üblichen Zahl erreicht, in der Schwimmhalle die Hälfte. Gut gelaufen seien Gesundheitskurse und auch der zweiwöchige Crashkurs für Schwimmanfänger in den Ferien.

Nach einem zurückhaltenden Start im September habe sich der Betrieb im Roßweiner Stadtbad in den vergangenen Wochen langsam wieder aufgebaut. Vor allem mit dem Kursbetrieb war Badchef Jens Göhler sehr zufrieden. „Das hat sich wieder richtig gut etabliert“, meinte er. Dass das Bad ab Montag schließe, müsse er akzeptieren. Die Anlagen sollten möglich sparsam weiter betrieben werden. „Wir sind guter Hoffnung, im Dezember wieder öffnen zu können“, so Göhler. (mit DA/jh)

Theaterintendant: „Im Theater finden weiterhin Proben statt.“

Noch vier Veranstaltungen in Döbeln und Freiberg wird es am Mittelsächsischen Theater geben, bevor ab Montag die Zuschauer draußen bleiben müssen. Die angekündigten Premieren des Stücks „Lauter Verrückte!“ von Johann Simon Mayrs fallen aus. Das Ensemble des Theaters will trotzdem weiter proben, informierte Intendant Ralf-Peter Schulze. Es wird davon ausgegangen, dass der Betrieb am 4. Dezember fortgeführt werden kann. 

Die bisherigen Angebote des Theaters seien mit Begeisterung von den Zuschauern aufgenommen worden. Das Theater sei einer der sichersten Orte während der Krise geworden, weil hier Kommunikation, Begegnung und soziale Kontakte unter sorgsamen Hygienebedingungen stattfinden konnten, so Schulze weiter. Derzeit würde der Spielplan für Dezember überarbeitet.

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