merken
PLUS Dresden

Lockdown: Halten sich die Dresdner an die Regeln?

Fünf Tage geschlossene Gaststätten, Museen und Schwimmbäder: Was hat sich verändert? Die SZ hat Bewegungsdaten ausgewertet.

Die Prager Straße in Dresden darf sich auch im Lockdown Einkaufsmeile nennen. Denn die Geschäfte haben geöffnet. Trotzdem ist weniger los.
Die Prager Straße in Dresden darf sich auch im Lockdown Einkaufsmeile nennen. Denn die Geschäfte haben geöffnet. Trotzdem ist weniger los. © Rene Meinig (Archiv)

Dresden. Soziale Kontakte beschränken, Infektionszahlen senken – dieses Ziel wird mit dem vierwöchigen Lockdown im November verfolgt. Viele Dresdner Betriebe haben ihre Mitarbeiter zurück ins Homeoffice geschickt. Gaststätten sind ebenso geschlossen wie Museen, Schwimmbäder, Kinos, Theater und Fitnessstudios. Aber schränken die Dresdner ihre Bewegung nun tatsächlich herunter? Finden noch Treffen mit Freunden und Verwandten statt?

Autofahrer: Kaum Unterschiede zu letzter Woche

Einen Hinweis auf mehr Zurückhaltung könnten die Verkehrsdaten geben. Weniger Autos auf den Straßen, weniger Kontakte zwischen Menschen. So zumindest die These. Normalerweise brauchen die Dresdner an einem durchschnittlichen Montagmorgen Geduld. Sie sind fast 50 Prozent länger unterwegs als zu einer Zeit, in der die Straßen komplett frei sind.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

So dauert zum Beispiel eine Fahrt von 30 Minuten an einem Montagmorgen, gegen 7 Uhr, etwa eine Dreiviertelstunde. Zugrunde liegen die Verkehrsdaten aller Montage des vergangenen Jahres, die vom Navigationsdienstleister Tomtom über Smartphones und fest verbaute Navigationssysteme ausgewertet wurden.

Erst weniger Staus, dann mehr: Veränderung des Stau-Levels 2020 in Dresden, verglichen mit dem Stau-Level aller jeweiligen Wochentage 2019.
Erst weniger Staus, dann mehr: Veränderung des Stau-Levels 2020 in Dresden, verglichen mit dem Stau-Level aller jeweiligen Wochentage 2019. © Quelle: Tomtom Traffic Index, Foto: René Meinig

Regelrecht leergefegt waren die Straßen während des ersten Lockdowns im Frühjahr. So nahm die Staubelastung in den April-Wochen um die Hälfte ab, an manchen Tagen sogar bis zu etwa 80 Prozent. Der Effekt hielt bis Anfang Juni an. 

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Als hätte es nie eine Pandemie gegeben, zeigte sich der Autoverkehr von Ende August bis in den Oktober hinein. Hier registrierte Tomtom sogar deutlich längere Stauzeiten als letztes Jahr. 

Und diese Woche? Die Verkehrsbelastung in Dresden hat sich wieder dem Durchschnittsniveau angenähert. Trotzdem waren in den vergangenen Tagen so viele Autos unterwegs, dass Autofahrer immer noch länger an Kreuzungen warten mussten, als üblich.

Fazit 1: Ob Supermarkt-Verkäufer, Ärzte, Krankenpfleger oder Polizisten: Viele Dresdner können ihren Job einfach nicht von zu Hause erledigen und sind auf Auto, Rad, Bus oder Bahn angewiesen. Außerdem dürfen die Dresdner weiterhin grenzenlos shoppen – Pullover, Schuhe, Schränke oder Waschmaschinen. Das unterscheidet diesen Lockdown von jenem im April. Und: Wer ein Auto hat, wird dieses möglicherweise gerade jetzt bevorzugt nutzen, um Kontakte in Bussen und Bahnen zu vermeiden.

Fußgänger: Einbruch auf der Prager Straße

Einen zweiten Hinweis könnte die Fußgänger-Zählstelle auf der Prager Straße liefern. Zwar ist Einkaufen nicht verboten. Trotzdem appelliert die Landesregierung, Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. 

Tatsächlich schlendern deutlich weniger Passanten über die Einkaufsmeile. Zwischen Karstadt und Centrum-Galerie sind seit Montag etwa 10.000 Menschen weniger pro Tag gezählt worden als üblich. 

Üblich, das sind für diese Jahreszeit rund 32.000 Passanten an einem normalen Arbeitstag. Am Donnerstag waren es zum Beispiel nur 19.300, wie aus Daten der Plattform Hystreet.com hervorgeht. Das Unternehmen misst mit Hilfe von Laserscannern die Anzahl von Passanten in vielen deutschen Städten, auch in Dresden.

Fazit 2: Auf Dresdens Einkaufsmeile Nummer eins ist weniger los. Dass könnte daran liegen, dass Dresdner bewusst große Einkaufszentren meiden. Wahrscheinlicher sind es aber die fehlenden Touristen, die für die niedrigere Passantenzahl verantwortlich sind. Denn die Hoteliers im Freistaat Sachsen dürfen mindestens bis Ende November keine Urlauber beherbergen. Dafür spricht, dass während des ersten Lockdowns, als die meisten Läden schließen mussten, weniger als 5.000 Menschen über die Prager Straße schlenderten - nicht an irgendeinem Wochentag, sondern einem Samstag.

Handydaten: Dresdner sind noch recht agil

Einen dritten Hinweis geben Mobilfunkdaten. Forscher der Berliner Humboldt-Universität werten diese anonymisiert aus, um mehr über die Mobilität der Deutschen in der Corona-Krise herauszufinden. Als Bewegung wird gezählt, wenn ein Handy eine Funkzelle verlässt und später für mindestens 15 Minuten die neue Position nicht mehr ändert. Ob man zu Fuß, mit dem Auto oder der Straßenbahn unterwegs ist, spielt keine Rolle.

Was lässt sich für Dresden ablesen? Die Mobilfunkdaten zeigen zunächst einmal, dass in den Sommerferien deutlich weniger Menschen unterwegs waren, als im letzten Sommer. Diese Mini-Delle verschwand Ende August wieder und bis Mitte Oktober gab so gut wie keine Unterschiede mehr zur Mobilität im vergangenen Jahr.

Im Gegenteil: Überall in der Stadt waren die Dresdner sogar etwas mehr unterwegs. Damit decken sich diese Zahlen mit den Stau-Informationen. Nun, mit Beginn des zweiten Lockdowns, verlassen aber wieder zählbar weniger Menschen die Wohnung. 

Am Montag sind auf der Neustädter Elbseite zwischen Pillnitz und der Neustadt zum Beispiel 14 Prozent weniger Bewegungen registriert worden als an einem durchschnittlichen November-Montag im vergangenen Jahr. Am Dienstag waren es 21 Prozent und am Mittwoch 10 Prozent weniger. Etwas agiler ist man weiterhin im Rest von Dresden. 

Fazit 3: Die Mobilfunkdaten verraten, dass die Dresdner etwas weniger unterwegs sind als in den vergangenen Wochen. Der erste Lockdown hatte allerdings eine deutlich größere Wirkung:  Damals unternahmen die Dresdner bis zu 75 Prozent weniger "Ausflüge".

Fazit: Mehr Bewegung als im Frühjahr

Ja, die Dresdner sind seit Wochenbeginn etwas weniger unterwegs. Im Vergleich zum April kann man aber fast von Alltag sprechen. Sicherlich wird auf Hygieneschutzmaßnahmen an Arbeitsplätzen, in Bussen und Bahnen sowie in Geschäften geachtet. 

Die Mehrheit der Dresdner befolgt laut Polizei und Ordnungsamt auch die Maskenpflicht. Dennoch deuten die Daten darauf hin, dass weiterhin viele Kontakte stattfinden. 

Zwar appelliert die Landesregierung gleich in Paragraph 1 der Corona-Schutzverordnung:  „Jeder wird anlässlich der Corona-Pandemie angehalten, die physisch-sozialen Kontakte zu anderen Menschen außer den Angehörigen des eigenen Hausstandes auf das absolut nötige Minimum zu reduzieren.“ Doch dabei handelt es sich lediglich um eine Empfehlung.

Meistgelesen zum Coronavirus:

Verboten sind Treffen von Familienmitgliedern und Freunden oder ausgedehnte Shopping-Touren nicht. Solche Kontakte werden durch die Schutzverordnung weiterhin ermöglicht, auch um die Wirtschaft, das gesellschaftliche Leben und die Versorgung nicht völlig zusammenbrechen zu lassen. Die größten Einschränkungen gelten diesmal  im Freizeitbereich, eben durch geschlossene Museen, Schwimmbäder und Kneipen. Vermutlich wird man deshalb insbesondere an den Wochenenden weniger Trubel in Dresden haben.

Wenn schon raus in die Einkaufsstraßen, dann bitte mit Mundschutz. Dresden wirbt auf Plakaten für das Tragen. Pflicht ist ein Mund-Nasen-Schutz im Freien nur an Haltestellen und in Fußgängerzonen wie der Prager Straße.
Wenn schon raus in die Einkaufsstraßen, dann bitte mit Mundschutz. Dresden wirbt auf Plakaten für das Tragen. Pflicht ist ein Mund-Nasen-Schutz im Freien nur an Haltestellen und in Fußgängerzonen wie der Prager Straße. © Stadtverwaltung Dresden

Darüber hinaus haben diesmal weder die Landesregierung noch die Stadtverwaltung die Bewegung eingeschränkt. Jeder darf spazieren, wo er will. Im Frühjahr mussten die Dresdner damit rechnen, von der Polizei gestoppt zu werden, wenn sie einen Ausflug in die Sächsische Schweiz oder nach Moritzburg machen wollten. 

Ob die Maßnahmen reichen, um die zweite Corona-Welle zu brechen, wird sich frühestens in zwei bis drei Wochen zeigen. So lange kann es dauern von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden