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Dresdens Hotels bereiten sich auf Öffnungen vor

Die Rechnung aus Dresden ist gemacht, die Tourismuszahlen für 2020 liegen vor. Was sie für die Branche bedeuten und warum es trotzdem Hoffnung gibt.

Wann wird Dresden wieder mit Touristen gefüllt sein? Die Landeshauptstadt hat das schwerste Tourismusjahr aller Zeiten hinter sich.
Wann wird Dresden wieder mit Touristen gefüllt sein? Die Landeshauptstadt hat das schwerste Tourismusjahr aller Zeiten hinter sich. © Sven Ellger (Symbolbild)

Dresden. Die Corona-Krise wirft Dresden ins Jahr 2002 zurück. Zumindest haben Dresdens Hotels und Pensionen im vergangenen Jahr genauso viele Touristen beherbergt wie zuletzt vor 18 Jahren.

Der Einbruch darf als dramatisch bezeichnet werden, immerhin hatten sich die Gästezahlen seither mehr als verdoppelt. "Corona hat eine Krise historischen Ausmaßes im Tourismus ausgelöst", sagte Dresdens Marketing-Chefin Corinne Miseer am Freitag.

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Sie hat erstmals Zahlen zum Krisenjahr auf den Tisch gelegt. Diese zeichnen ein Bild der Verzweiflung und zugleich eines der Hoffnung.

Wie viele Touristen hat Dresden genau verloren?

Von ganz oben nach ganz unten in nur zwölf Monaten: 2019 zählte Dresden noch 2,3 Millionen Übernachtungsgäste sowie 4,7 Millionen Übernachtungen - ein Rekord. Durch die Pandemie kamen im vergangenen Jahr aber nur noch 1,2 Millionen Touristen (minus 49 Prozent), die zusammen rund 2,6 Millionen Übernachtungen (minus 45 Prozent) buchten.

Die größten Einbrüche musste die Branche im April sowie im November und Dezember verkraften, also in jenen Monaten, in denen keine Urlauber beherbergt werden durften.

Besonders bitter: Mit dem Osterfest nimmt der Städtetourismus für gewöhnlich Fahrt auf. Der Dezember beschert den Hotels wegen den Weihnachtsmärkten sonst Traum-Auslastungen.

Zumindest etwas aufgefangen wurden die Verluste im Sommer. Insbesondere der August und September konnten fast an die Rekordwerte des vorherigen Jahres anknüpfen.

Kamen überhaupt noch Urlauber aus dem Ausland?

Nur sehr wenige. Fast jedes Land auf dieser Welt warnte wegen der Ansteckungsgefahr vor Reisen ins Ausland. Das erklärt einerseits den besonders großen Anteil deutscher Urlauber in Dresden, andererseits aber auch, dass lediglich 148.767 ausländische Touristen in Dresden eincheckten - Geschäftsreisende inbegriffen.

Üblicherweise sind es mehr als doppelt so viele. "Das ist ein historisches Tief", sagt Corinne Miseer.

So sank die Zahl der Übernachtungen von US-Amerikanern von rund 83.000 auf gut 20.000. Polen buchten gerade einmal 47.000 Übernachtungen (2019: rund 74.000).

Auch die Schweizer machten größtenteils lieber Urlaub im eigenen Land. Nur für knapp 32.000 Übernachtungen kamen sie nach Dresden (2019: rund 72.000).

In einer ähnlichen Größenordnung blieben die Russen weg. Die Nation, die Dresden wie keine andere mied, war allerdings Kanada. Nur 24 Kanadier besuchten die Stadt und blieben auch über Nacht. Dabei seien Fernmärkte wie die USA und China sonst Top-Märkte für Dresden, so Miseer weiter.

Müssen Hotels dauerhaft schließen?

In allererster Linie haben die Hoteliers kräftig an Umsatz verloren. Etwa die Hälfte von ihnen hat im Schnitt 50 Prozent an Einnahmen eingebüßt, wie aus einer Befragung der DMG hervorgeht.

Ein weiteres Viertel spricht von noch größeren Ausfällen. Die gesamte Tourismus-Branche in Dresden sowie dem benachbarten Elbland habe 2020 mindestens eine halbe Milliarde Euro an Umsätzen verloren, gemessen am Jahr davor.

Kaum Verständnis dafür hat Johannes Lohmeyer. Er ist der Vorsitzende des Dresdner Tourismusverbandes. Laut einer RKI-Studie sei das Infektionsrisiko in Hotels am niedrigsten.

Die pauschale Schließung aller Häuser trage daher nicht zur Pandemiebekämpfung bei, sagte er am Freitag. "Uns fehlt im Moment eine klare Perspektive." Dies und die Absage des Oster-Urlaubsgeschäftes durch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnet Lohmeyer als eine desaströse Kommunikation.

Verschärft werde die Lage durch bislang nicht ausgezahlte November-Hilfen. Rund 62 Prozent der sächsischen Antragsteller warteten noch immer auf das Geld, so Lohmeyer weiter.

"Viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und haben ihre Altersvorsorge aufgebraucht." Der Verbandschef ist sich sicher, dass auch Dresden von einer Insolvenzwelle überrollt wird, wenn ab dem 1. Juli wieder Insolvenzanträge gestellt werden müssen.

Zurzeit ist diese Pflicht ausgesetzt. "Wir wissen nicht genau wer nach der Krise wieder öffnet." Von einer einstelligen Anzahl an Hoteliers habe Lohmeyer allerdings schon gehört, dass sie ihre Häuser dauerhaft geschlossen halten werden.

Zweifel hegt er auch daran, dass alle geplanten Hotel-Neubauten nach der Krise tatsächlich als Hotels genutzt werden.

Wollen die Menschen überhaupt nach Dresden reisen?

Klar, alles hängt davon ab, ob und wann die Hotels, Gaststätten, aber auch die Museen wieder öffnen dürfen. Deshalb richtete Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) am Freitag einen Appell an die sächsische Landesregierung. Es brauche jetzt eine klare Ansage, wie es ab April weitergehen kann.

Der Tourismus brauche einen zeitlichen Vorlauf. Strenge Hygienekonzepte und technische Nachrüstungen mit Lüftungsanlagen würden eine Wiedereröffnung ab Ostern ermöglichen.

Klepsch erhoffe sich einen entsprechenden Beschluss auf der Bund-Länder-Konferenz nächste Woche. "Wir sind in den Startlöchern."

Das ist aber nur eine Frage, die geklärt werden muss. Die andere ist: Haben die Deutschen überhaupt Lust und Geld zu verreisen, speziell nach Dresden? Um das herauszufinden, hat die DMG mehrere Hotels in der Stadt befragt, woher die meisten Anfragen potenzieller Urlauber derzeit kommen.

Kaum eine Überraschung: 96 Prozent kommen aus Deutschland, allen voran aus Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg. Im Ausland sind es besonders die Österreicher, Niederländer und Schweizer, die Fernweh haben und sich für einen Urlaub an der Elbe interessieren.

"Wir sind optimistisch", sagt Corinne Miseer. Denn der vergangene Sommer habe gezeigt, wie stark Städtereisen im Inland gefragt waren. Trotzdem rechnet die Tourismuschefin mit einem unübersichtlichen Jahr, das von kurzfristigen Buchungen geprägt sein wird.

"Die Zeiten ohne Lockdown werden kurz sein." Deutlich höhere Zimmerauslastungen seien nicht vor dem dritten Quartal zu erwarten. Frühestens 2024 könnte Dresden wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht haben.

"Ein langer Weg liegt vor uns." Am schwersten werde es die Event- und Kongressbranche haben, schätzt Miseer ein.

Wie sieht die Strategie für Dresden aus, um den Tourismus anzukurbeln?

Sollte nächste Woche das Go für die Tourismusbranche kommen, so gibt es bereits konkrete Pläne, wie das Geschäft unter Sicherheitsvorkehrungen wieder angekurbelt werden kann.

Plan Nummer 1 - Dresdner Kultursommer: Die Landeshauptstadt will insbesondere Open-Air-Festivals und Feste mit 200.000 Euro unterstützen, um die Innenstadt wiederzubeleben.

Weitere 100.000 Euro sollen in eine Art Wiederauflage der Kulturinseln fließen, die es bereits im vergangenen Sommer überall im Zentrum gab. Unter dem Titel "Schaufenster Kultur und Kunst" sei die Bespielung der Innenstadt, aber auch von Ladenflächen durch Künstler geplant, kündigt Klepsch an.

Und mit zusätzlichen 45.000 Euro wolle man Kleinprojekte unterstützen. Der Stadtrat muss dem Sommer-Kulturprogramm jedoch noch zustimmen.

Plan Nummer 2 - sicheres Reisen: Bis alle impfwilligen Menschen in Deutschland ihre Spritze bekommen haben, wird es mindestens bis zum Ende des Sommers dauern. Daher will Dresden Vertrauen durch besondere Sicherheitsvorkehrungen beim Reisen schaffen und somit die Reiselust wecken.

Alle Einrichtungen hätten Hygienekonzepte entwickelt beziehungsweise seien dabei, sie zu aktualisieren, so Klepsch. Darüber hinaus beschäftige sich die Stadt derzeit mit einem einheitlichen System zur Kontaktnachverfolgung in Hotels, aber auch in den Kultureinrichtungen.

Mit diesen fahrenden Plakaten will Dresden in großen deutschen Innenstädten für sich werben.
Mit diesen fahrenden Plakaten will Dresden in großen deutschen Innenstädten für sich werben. © DMG

Plan Nummer 3 - Werbung in allen Ecken der Republik: Fahrräder sollen mit Plakaten durch die deutschen Großstädte touren. Darauf zu sehen sein wird - natürlich - Dresden.

Darüber hinaus sind Plakat- und Social-Media-Kampagnen geplant. Außerdem soll eine neue Wetter-Webcam Livebilder aus Dresdens Altstadt ins Fernsehen und Internet übertragen.

Plan Nummer 4 - eine Tourismusstrategie für Dresden: Ein richtiges Konzept fürs Reisegeschäft in der Stadt gibt es bislang nicht. "Wir werden die Zäsur durch die Krise nutzen, um für Dresden eine Tourismusstrategie zu entwickeln", kündigte Klepsch am Freitag an. Die Erfahrungen der vergangenen zwölf Monate sollen darin einfließen. Nachhaltigkeit und Mobilität seien zwei zentrale Elemente der Strategie.

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