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Frühere Lockerungen für Corona-Geimpfte?

Ein Restaurant besuchen, in ein Konzert gehen oder ins Fußballstadion. Ob das bereits Geimpfte vor anderen dürfen, ist umstritten. Ein Pro und Kontra.

Die SZ-Redakteure Domokos Szabó und Annett Heyse haben unterschiedliche Ansichten zum Thema "Lockerungen für Corona-Geimpfte".
Die SZ-Redakteure Domokos Szabó und Annett Heyse haben unterschiedliche Ansichten zum Thema "Lockerungen für Corona-Geimpfte". © Montage: SZ-Bildstelle

Pro: Grundrechte nicht über Gebühr einschränken

Auch wenn wir uns daran einigermaßen gewöhnt haben, leben wir seit Monaten mit eingeschränkten Grundrechten. Es geht um Freizügigkeit, um allgemeine Handlungsfreiheit, um das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit und um die Versammlungsfreiheit. Dass in einer Pandemie nicht alles geht, liegt auf der Hand. Schließlich ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit ebenfalls im Grundgesetz verbrieft. Wenn sorgfältig abgewägt wird, ist es legitim, Grundrechte einzuschränken, wenn dadurch ein anderes Grundrecht geschützt wird, wie im Fall von Corona.

Aber bitte nur solange, wie es unbedingt nötig ist. Nehmen wir an, Geimpfte sind im Großen und Ganzen nicht nur gegen Covid-19 geschützt, sondern auch keine Gefahr mehr für andere, weil sie das Virus nur noch mit ganz kleiner Wahrscheinlichkeit weitergeben können. Sollte dafür der Beweis erbracht sein, gibt es keinen Grund mehr, Grundrechte der bereits Geimpften einzuschränken.

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Wo bleibt aber die Gleichheit vor dem Gesetz, was ebenfalls Verfassungsrang hat? Jedenfalls besteht kein Recht auf Gleichmacherei. Gleichheit bedeutet, dass für alle dieselben Gesetze gelten, gleich welches Vermögen, welche soziale Stellung oder Herkunft jemand hat. Vermeintliche Gleichbehandlung oder Solidarität mit (noch) nicht Geimpften mag gut gemeint sein. Ernsthaft begründen lässt sich das aber nicht. Vielmehr darf zum Beispiel einem Friseur oder einer Künstlerin kein Stein in den Weg gelegt werden, wenn er Haare schneiden oder sie auftreten will - von Geimpftem zu Geimpftem. Im Zweifel können sie ihr Recht einklagen. Man möchte ein Gericht sehen, das ihnen das verwehrt.

SZ-Redakteur Domokos Szabó

Kontra: Öffnung mit Augenmaß für alle

Die Pandemie hat in Deutschland für etliche Eingriffe in die Grundrechte der Menschen gesorgt. Ob es um die Ausübung mancher Berufe, um den Schulbesuch, Treffen in privatem Rahmen oder das Sporttreiben im Verein geht - seit Monaten leben wir alle mit Einschränkungen, über die wir vor einem Jahr noch den Kopf geschüttelt hätten. Auf behördliche Anordnung zu Hause bleiben statt Freunde besuchen? Das geht vielleicht in China, aber nicht bei uns. Dachten wir mal.

Es kam alles anders. Entsprechend strapaziert sind inzwischen die Nerven vieler. Tiefe Gräben ziehen sich durch die Gesellschaft. Diese würden noch tiefer werden, wenn Geimpften mehr Rechte und Privilegien zugestanden werden als Nichtgeimpften. Und wie soll das praktisch ablaufen? Muss man dann den Impfausweis an der Kinokasse bereithalten oder beim Einchecken ins Hotel vorlegen? Museumsbesuche, Vereinssport oder gar die Urlaubsreise nur für Geimpfte?

Aus Sicht der Menschen, die nun bereits geimpft sind, klingt das sicher logisch und verlockend. Im Augenblick sind das von 82 Millionen Menschen in Deutschland etwa 980.000 Menschen, die aufgrund der Prioritätenliste das Glück hätten, dazuzugehören. Die anderen haben Pech gehabt. Nach so vielen Monaten des Verzichts ganz vieler kann das nicht der Ansatz sein.

Vielmehr muss der Fortgang der Impfaktion dazu führen, dass jetzt schrittweise wieder geöffnet wird. Mit Vorsicht, mit Augenmaß, mit Hygienekonzepten - aber für alle und nicht nur für eine kleine, privilegierte Gruppe.

SZ-Redakteurin Annett Heyse

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