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Ein Ende mit Neuanfang

Chris Seidler eröffnet in Löbau einen Salon - pünktlich zum Neustart der Friseure nach dem Lockdown. Damit zieht auch wieder mehr Leben in Löbaus Problemstraße ein.

Neustart nach dem Lockdown: Chris Seidler hat in Löbau in der Inneren Zittauer Straße einen Friseursalon eröffnet.
Neustart nach dem Lockdown: Chris Seidler hat in Löbau in der Inneren Zittauer Straße einen Friseursalon eröffnet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das nennt man wohl perfektes Timing: Pünktlich zum Ende des Friseur-Lockdowns hat Chris Seidler am 1. März seinen neuen Salon in Löbau eröffnet. Für den Friseur ist es keine Wieder- sondern sogar eine Neueröffnung gewesen.

In der Inneren Zittauer Straße 8 hat er seinen neuen Friseursalon jetzt eröffnet. Damit sorgt er auch dafür, dass der Laden nicht lange leer stand. Denn die Innere Zittauer ist so ein bisschen Löbaus Problemkind. Immer mehr Läden schlossen in den letzten Jahren, neue hielten sich oft nicht lange, weil die Laufkundschaft fehlte. Mit dem Friseurladen gibt es wieder einen kleinen Aufschwung. Bis zum letzten Sommer war in den Räumen das Wollestübchen. Das Geschäft schloss nach dem ersten Lockdown. Dadurch wurde Chris Seidler auf den Laden aufmerksam. Die Entscheidung für das kleine Lädchen in einem hübschen Altbau war schnell gefallen. Renoviert hat Chris Seidler den Salon zum großen Teil in Eigenleistung mithilfe von Familie und Freunden. Wände wurden neu verputzt und gestrichen, Laminat verlegt. Entstanden ist ein gemütlicher Salon in warmen Farben. Ein bisschen fühlt man sich wie bei Freunden im Wohnzimmer mit üppigem Polstersofa und antiker Kommode. Die haben Chris Seidlers Schwiegereltern daheim aussortiert und ihm für den neuen Salon überlassen. Als Couchtisch dient eine alte Truhe, die zuvor auf Chris Seidlers Dachboden einstaubte. Jetzt hat sie eine neue Bestimmung gefunden. "Man muss nicht immer alles neu kaufen", findet der Friseurmeister. Nicht nur mit der Einrichtung, sondern auch bei seiner Arbeit will er auf Nachhaltigkeit achten.

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Mit Shampoo Wälder retten

Das ist ein Aspekt seines Konzepts für den neuen Salon. "Ich bin kein Öko-Guru", sagt der 33-Jährige. "Aber wo es geht, will ich meinen Beitrag leisten zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein." So arbeitet er mit naturbelassenen Produkten. Das sind etwa Haarfarben auf Joghurtbasis. Er verwendet unter anderem Haarpflege, von deren Verkauf ein Anteil für die Wiederaufforstung von Wäldern auf der ganzen Welt gespendet wird. Zudem gibt es keinen unnötigen Papierkram. Die Kasse ist ein kleines, elektronisches Kästchen. Hier speichert Chris Seidler gleichzeitig die Termine, das Gerät sendet sie dem Kunden aufs Handy. Die kleinen Bestellzettelchen, die wohl jeder zuhauf in seiner Geldbörse mit sich herumträgt, werden dadurch unnötig.

Seit 2019 ist Chris Seidler, der ursprünglich aus dem Ruhrpott stammt, in der Stadt bisher als mobiler Friseur ansässig gewesen, hat seine Kunden in seiner eigenen Wohnung frisiert. Das sollte allerdings auch nur eine Übergangslösung sein. Denn Chris Seidler und sein Mann Steve haben in der Inneren Zittauer Straße das sogenannte Handtuchhaus gekauft, eines der schmalsten Häuser in der Innenstadt. Gemeinsam sanieren sie das historische Gebäude, das in keinem guten Zustand mehr war. Im Haus will das Paar später wohnen und Chris auch einen eigenen Salon einrichten. Die Bauarbeiten an dem alten Haus haben sich aber verzögert. Und der Friseurmeister wollte nicht länger mit der Übergangslösung in der Wohnung leben. "Ich wollte eine Trennung zwischen wohnen und arbeiten."

Handtuchhaus wird weiter saniert

Der Plan, mit dem Friseursalon irgendwann ins Handtuchhaus einzuziehen, steht noch immer. Momentan aber haben die Eigentümer keinen konkreten Zeitplan, wann die Sanierung abgeschlossen sein wird. Der Corona-Lockdown bedeutet schließlich auch finanzielle Einbußen. Chris Seidler will jedoch nicht klagen. "Wenn man sieht, wie es anderen Unternehmern geht, die Verantwortung für Mitarbeiter tragen, Kurzarbeitergeld beantragen müssen - da bin ich froh, dass ich alleine arbeite, ohne Angestellte."

Das soll vorerst auch so bleiben. Unter Corona-Auflagen wäre ohnehin kein Platz für einen zweiten Arbeitsplatz im Salon. "Das ist aber nicht aus der Corona-Not heraus geboren", erklärt der Friseur. Es gehört zu Chris Seidlers Konzept, allein für seine Kunden da zu sein. "Ich will mir Zeit nehmen für jeden Einzelnen, nicht zwischen mehreren Kunden hin und her springen." Deshalb hat er als Logo für seinen Salon eine Sanduhr gewählt, die unter anderem an der Eingangstür prangt. Wer hierher kommt, soll auch zur Ruhe kommen, eine Auszeit vom Alltag nehmen.

Große Nachfrage schon vor der Eröffnung

Kurz vor der Eröffnung geht es aber erst einmal hektisch zu im kleinen Friseurlädchen. Schon bevor offiziell geöffnet ist, rennen die Kunden dem jungen Friseur buchstäblich die Türe ein. Es klopft an der Schaufensterscheibe. "Sind sie der neue Friseur", fragt eine Dame mittleren Alters. "Kann ich da gleich einen Termin machen?" So geht das immer wieder, wenn Chris Seidler im Laden hantiert. Das hat er in den letzten Tagen oft getan, um dem neuen Salon noch den letzten Feinschliff zu verpassen. Auch das Telefon klingelt beinahe pausenlos. Die erste Woche in seinem neuen Salon ist schon ausgebucht. Gleich am Montag hat der Friseur von morgens an bis abends halb zehn Kunden bedient.

Chris Seidler freut sich sehr über die große Nachfrage. Und darüber, dass er endlich wieder Haare schneiden kann. Die Lockdown-Zwangspause hat er genutzt, um seinen Plan vom eigenen Salon umzusetzen. Ein Risiko sei das natürlich schon gewesen, sagt der Friseurmeister. Schließlich hat niemand wissen können, wann Friseure überhaupt wieder öffnen dürfen. Aber er sei zuversichtlich. "Der Staat muss sich darum kümmern, dass wir Selbstständigen leben können. Sonst können wir umgekehrt die Wirtschaft nicht mehr unterstützen."

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