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Logistiker sind für Impfstoffverteilung gerüstet

Frankfurter Flughafen wird zum Hotspot der weltweiten Impfstoff-Transporte. Aber auch kleinere Firmen mischen mit.

DB Schenker und Lufthansa Cargo haben im Frühjahr Atemschutzmasken von Schanghai nach Frankfurt geliefert. Um die 6.000 Kartons unterzubekommen, wurden auch die Sitzreihen bepackt.
DB Schenker und Lufthansa Cargo haben im Frühjahr Atemschutzmasken von Schanghai nach Frankfurt geliefert. Um die 6.000 Kartons unterzubekommen, wurden auch die Sitzreihen bepackt. © dpa

Am größten deutschen Flughafen wird schon bald wieder mehr los sein als in den vergangenen tristen Corona-Wochen. Nicht etwa, weil wieder Tausende von Passagieren die Terminals bevölkern. Es werden vielmehr Millionen von kleinen Fläschchen sein, die für Betrieb und viel Arbeit sorgen: Der wohl demnächst bereitstehende, zu großen Teilen auch in Deutschland produzierte Corona-Impfstoff muss auch weltweit verteilt werden. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, die Lufthansa, die Deutsche Post-Tochter DHL und kleinere deutsche Unternehmen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Eine Studie von DHL hat bereits im September die gewaltigen Anforderungen für die weltweite Verteilung der Corona-Vakzine umrissen. Danach werden dazu 2021 und 2022 rund 15.000 Flüge notwendig sein, um 200.000 Paletten mit etwa 10 Milliarden Impfdosen in 15 Millionen Kühlboxen zu transportieren. Für die Verteilung muss Personal geschult werden.

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Der Studie zufolge besitzen nur etwa 25 Länder schon heute die für die Verteilung notwendigen logistischen Strukturen. Zurzeit fehlten sie in großen Teilen Afrikas, Südasiens und Lateinamerikas. Selbst wenn das verbessert werde, hätten nur etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung und etwa fünf Milliarden Menschen in rund 60 Ländern guten Zugang zu einem Corona-Impfstoff.

Von Frankfurt aus will man einen wichtigen Beitrag zur Verteilung der Impfstoffe leisten. Am größten deutschen Flughafen ist man vorbereitet, sagt Fraport-Sprecher Dieter Hulick. Dort stehen 13.500 Quadratmeter Hallenfläche zur Verfügung, in denen die Temperatur exakt von plus 25 bis minus 20 Grad, zum Teil auch bis minus 80 Grad geregelt werden kann.

Passagiermaschinen als Frachtflieger

Derzeit wird das Areal um 500 Quadratmeter erweitert. Frankfurt gilt als eines der größten Pharma-Frachtzentren weltweit. „2019 wurden hier 120.000 Tonnen Impfstoffe, Medikamente und andere Pharmaprodukte umgeschlagen“, sagt Hulick. Für die Verladung der Impfstoffe in die Jets stehen 20 moderne Transportfahrzeuge bereit. Alle Beschäftigten seien für diese Aufgaben geschult, schließlich biete Fraport schon seit Jahren den Pharma-Service an. „Gleichwohl laufen die Vorbereitungen im Austausch mit den Frachtunternehmen auf Hochtouren.“

Das gilt in Frankfurt vor allem für die Lufthansa und ihre Frachttochter Lufthansa Cargo. Sie betreibt in Frankfurt den sogenannten Pharma Hub, Europas größtes Umschlagzentrum dieser Art. Zusätzlich verfügt Lufthansa weltweit über etliche Flughafenstationen, an denen temperaturabhängige Güter abgefertigt werden könnten, so Unternehmenssprecherin Jacqueline Casini. Die Frachtsparte der Lufthansa ist seit Beginn der Pandemie ohnehin stark gefordert beim weltweiten Transport von Masken, Handschuhen, Beatmungsgeräten und anderen Produkten zur Corona-Bekämpfung.

Für die bevorstehende Impfwelle gegen Corona braucht es viel Vorbereitung.
Für die bevorstehende Impfwelle gegen Corona braucht es viel Vorbereitung. © Fredrik von Erichsen / dpa (Symbolbild)

Momentan fliegt Lufthansa mit neun Frachtmaschinen vom Typ Boeing 777F und weiteren vier, die von einem Unternehmen betrieben werden. Sechs Flugzeuge vom Typ MD 11F sollten eigentlich zum Jahresende ausgemustert werden. Drei werden jetzt nach Angaben von Casini zumindest im nächsten Jahr weiter geflogen. „Wir können flexibel reagieren und gegebenenfalls in Passagiermaschinen nochmals Kapazität ergänzen.“ In der Regel transportiert Lufthansa Cargo die Hälfte der Fracht in Passagierjets. Von denen stehen derzeit aber Hunderte am Boden. Zum Teil hat Lufthansa im Frühjahr Sitze aus Passagiermaschinen ausgebaut, um sie etwa für den Transport von Masken nutzen zu können.

In den Frachtmaschinen kann Lufthansa Casini zufolge Umgebungstemperaturen von bis zu minus 20 Grad bieten. „Wir decken alle Bedarfe ab und führen auch immer wieder Transporte im Ultratiefkühlbereich von bis zu minus 80 Grad durch.“ Für die Organisation der anstehenden Impfstoff-Transportwelle hat die Lufthansa bereits im Juni eine Task Force eingerichtet.

Spezialcontainer stehen bereit

Nicht nur in Fachkreisen und in der Pharmabranche, sondern auch an der Börse mit der dort gelisteten Aktie hat sich mittlerweile die Würzburger Spezial-Firma Va-Q-Tec einen Namen gemacht. Das Unternehmen produziert Transportbehälter, die selbst bei hohen Außentemperaturen und ohne zusätzliche Energie die notwendigen Minus-Grade für den Transport von Impfstoffen für bis zu 120 Stunden garantieren können, wie Vorstandschef Joachim Kuhn betont.

Schon jetzt würden bereits vorproduzierte Corona-Vakzine mit Behältern des Unternehmens transportiert. Seit Monaten bereite sich Va-Q-Tec auf die Flut von Impfstoff-Transporten vor und produziere zusätzliche Transportboxen, sagt Kuhn. Mittlerweile betreibt das Würzburger Unternehmen weltweit 40 Stationen mit mehreren 1.000 Miet-Containern.

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Weniger bekannt ist der Mittelständler Binder aus dem baden-württembergischen Tuttlingen. Aber für die Logistik und die Verteilung des Impfstoffs sind die Produkte des 1983 gegründeten Familienunternehmens von zentraler Bedeutung. Bei Binder werden unter anderem Ultratiefkühlschränke gebaut. Sie garantieren Temperaturen von minus 40 bis bis zu minus 90 Grad – eine wichtige Voraussetzung für die Lagerung des Impfstoffs, wenn er an seinem Ziel angekommen und dort verteilt werden muss.

DHL etwa will dem Vernehmen nach Hunderte solcher Ultratiefkühlschränke kaufen, möglicherweise auch bei Binder. Dort haben 400 Beschäftigte 2019 rund 22.000 Geräte gebaut und über Vertriebszentren in zwölf Länder weltweit verkauft.

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