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Lüften statt Luftfilter: So geht es an den Schulen weiter

Die Schulen im Kreis sollen im Herbst offen bleiben. Wie das gelingt, ist offen. Zumal kaum Geld für Investitionen da ist.

Alexander (l.) und Stefan Jakschik freuen sich: Ihr Unternehmen ULT hat einen Luftreiniger entwickelt. In Schulen ist der aber bislang nicht häufig zu finden.
Alexander (l.) und Stefan Jakschik freuen sich: Ihr Unternehmen ULT hat einen Luftreiniger entwickelt. In Schulen ist der aber bislang nicht häufig zu finden. © Matthias Weber

Für möglichst jede Klasse soll es einen Luftreiniger geben – in Bayern. Der Nachbar-Freistaat will 190 Millionen Euro dafür ausgeben. Um alle 72.000 Klassenzimmer auszustatten, wird das nicht reichen, die Kommunen sollen die Hälfte der Kosten tragen. Wie weiter im Herbst? Konsens ist, dass die Schulen offen bleiben sollen, bestätigt Susann Meerheim vom sächsischen Kultusministerium. Aber wie?

„Natürlich wird der Regelbetrieb von Infektionsschutzmaßnahmen, etwa regelmäßigen Testungen und dem Tragen von Masken, begleitet sein“, sagt Susann Meerheim. „Das gilt vor allem für die ersten zwei Wochen nach den Sommerferien.“ Klar ist auch, dass sich die Maßnahmen – ob Maskenpflicht gilt, wie oft Tests stattfinden, wann in festen Gruppen unterrichtet wird – wieder an den Inzidenzwerten orientieren sollen. So sei ab einer Inzidenz von 100 auch Wechselunterricht wieder Thema. „Auch mit der Beobachtung des Infektionsgeschehens an jeder einzelnen Schule, und das an jedem Tag, haben wir gute Erfahrungen gesammelt.“ Es helfe, schnell einschreiten und flächendeckende Schließungen verhindern zu können.

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Ein großer Vorteil im Vergleich zu vorigem Herbst: Die Testmöglichkeiten sind besser, so Susann Meerheim. Viele Erwachsene haben den Impfschutz und mittlerweile gebe es die gestärkte wissenschaftliche Position, dass die Schüler keine Pandemietreiber sind, sie bei einer möglichen Infektion auch weniger gefährdet seien als Erwachsene. „Nach derzeitigem Stand wissenschaftlicher Studien können sich Kinder und Jugendliche zwar mit der Delta-Variante infizieren, werden aber nur in ganz seltenen Fällen schwer krank.“
Allerdings, im Kreis Görlitz steht derzeit ob der hereinbrechenden Impfmüdigkeit in Zweifel, wie viele Erwachsene im Herbst geimpft sein werden. Für Kinder unter zwölf Jahren ist auch noch kein Impfstoff zugelassen. Mit Blick darauf kommentierte kürzlich das Magazin Spiegel: Noch immer werde derselbe Fehler gemacht: Erst mal abwarten, wird schon gut gehen. Dadurch setze man aber den einzigen Teil der Bevölkerung, für den es noch keinen Impfstoff gibt, mehr Risiken aus als nötig.
„Wir können die Schulen sicherer machen und das tun wir auch“, hält das Kultusministerium dagegen, „aber wir können sie in keinen Hochsicherheitstrakt verwandeln, der komplett virenfrei ist.“

Dass es etwa bei den Luftfiltern keine bundeseinheitliche Regelung und Empfehlung gibt, habe auch seine Gründe, so Susann Meerheim. So läuft derzeit noch ein Pilotprojekt mit Luftreinigern im Erzgebirgskreis. Nach aktuellem Stand aber wären sie nur ein Mosaikstein, eine Ergänzung im Schutzsystem, können etwa das regelmäßige Lüften nicht ersetzen. Und wahrscheinlich im Fall der Fälle Homeschooling nicht verhindern. Gegen einen flächendeckenden Einsatz solcher Anlagen spreche dann auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dresden zum Beispiel habe sich gegen den flächendeckenden Einsatz entschieden. Es gibt Fördermöglichkeiten, aber bislang sind in Sachsen für die Kosten der Schulausstattung die Träger, also meist die Kommunen, zuständig. In einem Merkur-Interview schätzte der Physiker und Professor für Strömungsmechanik Christian Kähler, es würde rund 1,5 Milliarden Euro kosten, die Schulen bundesweit mit Filtern auszustatten.

Er und auch andere Wissenschaftler plädieren dafür: Haben sie genug Leistung, lasse sich die Virenlast in Klassenräumen effektiv mindern. Zumal das Lüften seine physikalischen Grenzen habe. Es gibt aber auch Kritik an den Filtern: In Räumen, die sich durch kleine Fenster schwer lüften lassen, seien sie sinnvoll, ansonsten sei die Wirkung aber begrenzt, so eine Studie der Universität Stuttgart. Für die Lüfter haben sich dagegen die Löbauer ausgesprochen: Dort wird erstmals ein Bürgerhaushalt aufgestellt – viel Zustimmung erhielt die Idee, die Löbauer Klassenzimmer mit Luftreinigern des Kittlitzer Unternehmens ULT auszustatten.

Im Kreistag wurde jetzt auch Landrat Bernd Lange gefragt, ob er es nicht gut fände, die Luftreiniger von ULT aufzustellen. Klar, äußerte er, aber wer solle das bezahlen. Im Landkreis Görlitz gibt es 886 Schulklassen, teilt das Lasub mit und insgesamt 2.960 Klassenräume. Legt man den bayerischen Finanzansatz zugrunde, würde das knapp 16 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die nicht zur Verfügung steht.

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Aber es gibt eben nicht nur finanzielle Gründe, die es unwahrscheinlich machen, dass nach den Schulferien in jedem Klassenraum ein Luftreiniger steht. Das Landesamt sagt beispielsweise: Luftfilter können eine Unterstützung sein, aber kein Allheilmittel. Tests, Maskenpflicht und Lüftungskonzepte: „Diese Maßnahmen sind wirkungsvolle und auch tatsächlich im Herbst an allen Schulen einsetzbare Mittel“, so Sprecher Vincent Richter.
Der Landkreis Görlitz hat selbst getestet: „Die Luftreiniger sind sicher eine gute Idee“, sagt Kreissprecherin Julia Bjar. „Es erfolgt aber nur eine Reinigung der Luft in dem Raum.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass spätestens nach zehn bis 15 Minuten eine Frischluftversorgung, also Fensteröffnung nötig ist, „weil der CO²-Gehalt der Raumluft zu hoch ist und die Lüftungsampel anspringt“, erklärt Julia Bjar. „Die Luftreiniger können daher das Fensterlüften nicht ersetzen.“ Für den Landkreis sind die Luftreiniger deshalb nicht die Lösung.

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