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"Man freut sich über jede Kleinigkeit"

Um einsamen Heimbewohnern wie Dieter Kasper das Weihnachtsfest schöner zu machen, ruft ein Dresdner Pflegeheim zum Packen von Geschenken auf.

Einsam, und doch nicht allein: Dieter Kasper lebt seit zwölf Jahren in der Seniorenresidenz "Bürgerwiese" in Dresden.
Einsam, und doch nicht allein: Dieter Kasper lebt seit zwölf Jahren in der Seniorenresidenz "Bürgerwiese" in Dresden. © Marion Doering

Dresden. Wer in diesen Tagen seinen Vater oder seine Mutter nicht im Seniorenheim besuchen kann, der hat schnell Angst, sie könnten vereinsamen. Wie aber fühlen sich Bewohner, die sowieso nie jemand besucht? Mit oder ohne Corona-Pandemie. Die keine Frau mehr haben, keine Eltern, keine Kinder und keine Freunde. Menschen wie Dieter Kasper.

Seit zwölf Jahren hat der 62-Jährige seinen Lebensmittelpunkt in der Alloheim Senioren-Residenz "Bürgerwiese" in Dresden. Nach einem Schlaganfall musste er damals seine Wohnung im 15. Stock in Prohlis verlassen. Seine Frau starb viel zu früh vor über 20 Jahren. Auch sein letzter Kumpel, den er noch aus seiner alten Heimat in der Lausitz kannte, lebt nicht mehr. Einst arbeitete Kasper dort als Tagebau-Schlosser.

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Heute beschränken sich seine sozialen Kontakte auf die Menschen im Heim. Mit den meisten hier kommt er gut klar, aber ein Weihnachten wie früher in seiner Kindheit, so richtig mit Bescherung unterm Tannenbaum, hat er schon lange nicht mehr gefeiert.

Um auch Menschen wie ihm das Fest der Liebe und der Familie ein wenig zu versüßen, ruft das Seniorenheim nun zum Packen von Geschenken für einsame Bewohner auf. An der Aktion "Wichteln gegen die Einsamkeit" beteiligen sich Alloheim-Einrichtungen im ganzen Land. In diesem Jahr steht bereits die neunte Auflage an.

Dank der Wichtelaktion der Seniorenresidenz hat Dieter Kasper wieder einen Grund, sich auf Weihnachten zu freuen.
Dank der Wichtelaktion der Seniorenresidenz hat Dieter Kasper wieder einen Grund, sich auf Weihnachten zu freuen. © Marion Doering

Angesprochen sind alle Bürger, Unternehmen, Vereine, Kindergärten und Schulen. Die abgegebenen Pakete sollen zum Weihnachtsfest verteilt werden. Um den materiellen Wert geht es dabei nicht. "Es zählt, dass die Geschenke von Herzen kommen", sagt Thomas Mähler, Leiter der Einrichtung an der Bürgerwiese. "Ob ein Gutschein, ein Hörspiel, Selbstgebackenes oder Gebasteltes – jedes Geschenk wird seinen Empfänger oder seine Empfängerin finden und Weihnachtsfreude bereiten."

Dieter Kasper erinnert sich noch gern an das vergangene Jahr. Da bekam er von seinem unbekannten Wichtel ein Duschbad und Bodylotion geschenkt. "Da habe ich mich natürlich gefreut", sagt er. "Man freut sich ja über jede Kleinigkeit."

Gern würde er auch diesmal wieder ein Paket auspacken und wenn die Resonanz nur annähernd so gut ist, wie zuletzt, dann wird er das auch können. Fast 200 Geschenke wurden im Dezember 2019 abgegeben. Da das Heim nur 96 Bewohner hat, konnten die Mitarbeiter auch viele Pakete an einsame Menschen in der Nachbarschaft geben, die regelmäßig zum Essen in die Einrichtung kommen. "In unserem Haus können wir der Einsamkeit sehr gut entgegenwirken, allerdings sieht es in der häuslichen Umgebung bei alleinlebenden Senioren oft ganz anders aus", sagt Mähler. "Viele sind sehr isoliert und verbringen Weihnachten ganz allein."

"Wir möchten diesen Senioren zeigen, dass sie nicht allein sind"

Die Wichtelgeschenke können ab sofort persönlich abgegeben oder per Post an die Alloheim Seniorenresidenz Dresden "Bürgerwiese", Mary-Wigman-Straße 1a, verschickt werden. Geschenke, die sich besonders an Männer oder Frauen richten, sollten möglichst mit einem "M" für männlich, oder "W" für weiblich markiert werden.

Und wenn am Ende doch mal was nicht so passt, dann könne ja immer noch getauscht werden, sagt Dieter Kasper, der sich im Heim längst gut aufgehoben fühlt. Regelmäßig besucht er die Kochgruppe und wurde gerade als Vorsitzender des Heimbeirates wiedergewählt. Gern fährt er mit der Straßenbahn nach Prohlis, um dort seine Erledigungen zu machen. Er ist stolz darauf, noch immer ein eigenständiges Leben zu führen, auch wenn das manchmal ein bisschen einsam ist.

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"Wir möchten diesen Senioren gemeinsam mit allen Bürgern zeigen, dass sie nicht allein sind", sagt Mähler. "Es gibt Menschen, die an sie denken und ihnen von Herzen ein schönes Weihnachtsfest wünschen." Gerade in diesem Jahr sei das doch besonders wichtig.

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