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"Oben ohne" ist schon wieder ganz normal

Über die Hälfte der Sachsen will beim Einkauf freiwillig weiter Maske tragen. Hält der Vorsatz? Die SZ hat in Ebersbach-Neugersdorf, Löbau und Zittau gezählt.

Dieter Lehmann aus Zittau gehört zu denen, die beim Einkauf im Kaufland in Zittau-Ost die Maske freiwillig aufsetzen.
Dieter Lehmann aus Zittau gehört zu denen, die beim Einkauf im Kaufland in Zittau-Ost die Maske freiwillig aufsetzen. © Matthias Weber/photoweber.de

Dieter Lehmann setzt die Maske auf, wenn er einkaufen geht. Der Zittauer fühlt sich nicht nur bei Kaufland mit dem Schutz gegen das Corona-Virus sicherer, sondern generell in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen. Und er wird das auch noch lange so handhaben. Solange, bis die Gefahr vorüber ist. Freiwillig. Trotz Impfung.

Eine Pflicht zum Tragen der Masken beim Einkaufen gibt es nicht mehr. Seit 16. Juli dürfen Läden und Supermärkte wieder ohne den sogenannten Mund-Nasen-Schutz betreten werden. Weil die Corona-Pandemie aber derzeit vermutlich nur eine Sommer-Pause macht, wollten viele Menschen die Maske beim Einkaufen trotzdem weiter tragen. Jedenfalls sagte das bei einer repräsentativen Umfrage Ende Juli mehr als die Hälfte der Sachsen.

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Und heute, keine drei Wochen danach? Hält der Vorsatz? Die SZ hat die - nicht repräsentative - Stichprobe gemacht. Fünf Redakteure haben sich am Mittwoch von 17 bis 18 Uhr in den Eingangsbereich der Kaufland-Filialen in Ebersbach-Neugersdorf, in Löbau, in Zittau-Ost und -West sowie bei Rewe in Zittau gesetzt und gezählt. Das Ergebnis: Zwischen Vorsatz und Wirklichkeit klafft eine riesige Lücke.

Insgesamt haben in dieser Zeit 976 Kunden die fünf großen Märkte besucht. Nur 113 von ihnen hatten eine Maske auf. Das sind knapp 12 Prozent - und damit weit, weit weniger als die Hälfte. Dabei hatten in der Tendenz eher junge Menschen den Schutz vor Nase und Mund als ältere, eher Frauen als Männer. Wenn zwei oder mehr Personen gemeinsam einkauften, waren entweder alle mit Maske oder keiner. In Einzelfällen schützten sich Jugendliche, manchmal sogar im Gegensatz zu ihren Eltern. Viele Tschechen tragen die Maske. "Bei uns in Tschechien ist das immer noch Pflicht", sagt ein Mann auf Nachfrage. "Wir haben uns daran gewöhnt, haben kein Problem damit und denken, dass das auch besser so ist."

Die Zahlen im Einzelnen:

Kaufland Zittau-Ost: 194 Kunden, davon 35 mit Maske

Kaufland Zittau-West: 228 Kunden, davon 24 mit Maske

Kaufland Löbau: 143 Kunden, davon 15 mit Maske

Kaufland Ebersbach-Neugersdorf: 127 Kunden, davon 17 mit Maske

Rewe Zittau: 284 Kunden, davon 22 mit Maske

insgesamt: 976 Kunden, davon 113 mit Maske

Die Maskenträger eint die Sorge um die eigene Gesundheit und die anderer. "Im Moment wissen wir doch alle nicht, wie sich das alles entwickelt", sagt zum Beispiel Ines Dömel (43) aus Seifhennersdorf, die am Mittwoch mit ihrer Tochter Aimee-Joelina (16) an der Freudenhöhe in Zittau einkaufte und nicht geimpft ist. "Es wird doch kaum die Mindestabstandsregel eingehalten. Wir haben es die ganze Zeit geschafft, nicht Corona zu bekommen. Das soll auch so bleiben." Ähnlich argumentiert Martina Noack (38) aus Zittau: "Ich trage die Maske, weil ich mich damit beim Einkaufen einfach sicherer fühle." Auch Rosemarie Hiller (73) aus Zittau denkt an die Gesundheit: "Ich trage immer eine Maske beim Einkaufen. Das macht mir nichts aus. Sie schützt doch auch andere."

Kaufland und Rewe wäre es offenbar lieber, wenn es mehr Menschen wären, die sich und andere freiwillig schützen. Die Handelsriesen sprechen die Einkäufer gezielt mit Plakaten oder anderen Werbemitteln an. Vor allem der Discounter Aldi fiel zuerst damit auf, dass er ganz konkret eine Maskenpflicht für seine Märkte ausruft. Andere Handelsketten versuchen es mit Bitten: "Wir bitten unsere Kunden eine Maske zu tragen, um sie, sollte der Mindestabstand einmal nicht eingehalten werden können, zu schützen", teilt Alisa Götzinger aus der Kaufland-Zentrale in Neckarsulm auf SZ-Anfrage mit. Auch Rewe wünscht sich von seinen Kunden Rücksicht: "Unter anderem durch Marktradio-Spots appellieren wir an unsere Kundschaft, sich im Markt besonnen zu verhalten und mit dem gebührenden Abstand einzukaufen", so Stephanie Behrens von der Rewe-Zweigniederlassung Ost in Teltow. "Angesichts der weiterhin bestehenden Pandemielage ist ein respekt- und rücksichtsvoller Umgang miteinander unerlässlich." (SZ/rok/ju/hg/mva/tm)

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