merken
PLUS Meißen

Maskenfrei nur mit gesicherter Diagnose

Bisher ist der Ärztekammer von gefälschten Attesten nichts bekannt. Dennoch weist sie auf die besondere Sorgfalt bei der Maskenbefreiung hin.

Ein Hinweiszettel «Mundschutz-Verkauf» klebt an einem Modegeschäft in der Meißner Altstadt. Das Tragen einer Maske ist vielerorts Pflicht.
Ein Hinweiszettel «Mundschutz-Verkauf» klebt an einem Modegeschäft in der Meißner Altstadt. Das Tragen einer Maske ist vielerorts Pflicht. © dpa-Zentralbild

Von Beate Erler

Offenbar gibt es immer mehr Menschen, die sich ein falsches Attest für die Befreiung von der Maskenpflicht besorgen. Bei der Demonstration der Bewegung Querdenken 351 in Dresden vor einigen Tagen waren laut Polizei Hunderte Menschen ohne Maske, aber dafür mit Attest anwesend. Auf solchen Veranstaltungen ist eine tiefere Prüfung schwierig: „Inwieweit alle diese Bescheidungen authentisch sind, konnte die Polizei vor Ort nicht abschließend klären“, heißt es aus der Polizeidirektion Dresden. In einzelnen Verdachtsfällen leiteten die Beamten eine Anzeige wegen des Verdachts der Urkundenfälschung ein. Auf eine Anfrage der Sächsischen Zeitung zum Thema hat die Bewegung Querdenken 351 nicht reagiert.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Bisher hat die Kreisärztekammer Meißen keine Hinweise auf Ärzte, die Atteste leichtfertig oder sogar aus Gefälligkeit ausstellen: „Davon ist uns derzeit nichts bekannt. Um diese Angaben prüfen zu können, benötigen wir die entsprechenden Atteste sowie Name und Anschrift der Beteiligten“, sagt der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Sächsischen Landesärztekammer, Knut Köhler.

Bereits vor Monaten tauchten Blanko-Atteste mit Unterschrift zum Download im Internet auf. Zum Beispiel von einem Arzt in Hessen. Auch in anderen Bundesländern müssen sich die Ärztekammern mit Ärzten, die Corona leugnen, auseinandersetzen: „Die persönliche Meinung hat im Krankenhaus und in der Praxis nichts zu suchen. Ärztliches Handeln muss auf wissenschaftliche Erfahrung gestützt sein“, sagt zum Beispiel der Präsident der Landesärztekammer Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Henrik Herrmann.

Die Kreisärztekammer Meißen mit dem Vorsitz im Elblandklinikum, gehört zum Direktionsbezirk Dresden. Zu ihm gehören noch Bautzen, Dresden, Görlitz und die Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Aus aktuellem Anlass hat sich die Ärztekammer erst diese Woche mit inhaltlichen Vorgaben an ein ärztliches Attest an ihre Ärzte gewendet. Darin heißt es: „Um zum Beispiel eine sachgerechte Entscheidung über die Befreiung von der so genannten Maskenpflicht aus medizinischen Gründen zu ermöglichen, muss das ärztliche Attest gewissen Mindestanforderungen genügen.“ 

Eine Befreiung vom Mund-Nasen-Schutz ist demnach nur mit ärztlicher Diagnose zulässig: „Anlass für das Ausstellen eines solchen Attestes, ist nur eine gesicherte Diagnose, wie eine Phobie, eine, zu schwerer Atemnot führende Lungenerkrankung oder schwere Herzschwäche", sagt Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Auch bei Patienten mit Demenz, bei denen das Tragen einer Maske zu Stress führen kann, oder bei Panikattacken, ist eine Befreiung möglich.

Laut Ärztekammer ist das Ausstellen eines solchen Attests eine gutachterliche Tätigkeit des Arztes, die besonderer Sorgfaltspflicht bedarf: Dazu gehören zum Beispiel, die ausführliche Vorgeschichte der Krankheit, die Diagnostik und die Heilanzeige, so Knut Köhler von der Sächsischen Landesärztekammer. Stellen Ärzte ein Attest zur Mund-Nasen-Schutz-Befreiung ohne Diagnose oder sogar aus Gefälligkeit aus, ist das ein Verstoß gegen § 25 der Berufsordnung, und sie machen sich unter Umständen strafbar.

Einigen Medizinern scheint das aber egal zu sein. Die Initiative Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD) aus Passau hat auf ihrer Website eine lange Liste mit Therapeuten veröffentlicht, an die man sich bei Fragen bezüglich Maskenatteste wenden könne. Darunter sind auch fünf Mediziner aus Dresden: Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Allgemeinmediziner, eine Physiotherapeutin und eine Hausärztin. Bei Verstößen gegen die Berufsordnung, wird eine berufsrechtliche Prüfung durch die Landesärztekammer eingeleitet: „Sie können mit Rügen, Bußgeldern und gegebenenfalls Verfahren vor dem Berufsgericht geahndet werden“, sagt Knut Köhler.

Weiterführende Artikel

Jeder sechste Corona-Tote wird aus Sachsen gemeldet

Jeder sechste Corona-Tote wird aus Sachsen gemeldet

RKI: deutchlandweit 483 Todesfälle, in Sachsen 82 Tote und 2.291 Neuinfektionen, "Querdenken"-Demo in Bremen bleibt verboten - unser Newsblog.

Corona: Masken sind kein Gesundheitsrisiko

Corona: Masken sind kein Gesundheitsrisiko

Manche Menschen fürchten gesundheitliche Risiken durch das Tragen einer Alltagsmaske. Dabei ist eher das Gegenteil richtig, sagen Mediziner.

Bautzen: Ordnungsamt kontrolliert Maskengegner

Bautzen: Ordnungsamt kontrolliert Maskengegner

Einige Läden in der Stadt haben Kunden auch ohne Mund-Nasen-Bedeckung willkommen geheißen. Das hat nun Konsequenzen.

Die Maske als Symbol der Unterdrückung?

Die Maske als Symbol der Unterdrückung?

Der Psychologe Professor Hendrik Berth von der TU Dresden spricht von rauerem Ton im Streit mit Coronaleugnern. Er hat aber eine Empfehlung dafür.

Diese Ärzte seien aber die Ausnahme. Die meisten weisen vor der Praxis oder auf ihrer Website auf die Maskenpflicht hin. So zum Beispiel die Praxis der Radebeuler Lungenärzte: „In unserer Praxis besteht Maskenpflicht, auch wenn Sie eine Befreiung oder ein Attest haben“, steht auf der Website. 

Mehr zum Thema Meißen