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Maskenchaos in Dresdens Apotheken

Manche haben zu viele, andere zu wenige oder gar keine. Die kostenlosen FFP2-Masken sorgen bei Apothekern wie Kunden für Aufruhr. Wo die Probleme liegen.

Filialleiter Holger Kromnik mit Kisten voller FFP2-Masken in der Fetscher-Apotheke in Dresden.
Filialleiter Holger Kromnik mit Kisten voller FFP2-Masken in der Fetscher-Apotheke in Dresden. © Marion Doering

Dresden. Mit welcher Apotheke man an diesem Freitagvormittag auch spricht - hektisch ist es überall. Seit Dienstag haben über 60-Jährige und chronisch Erkrankte Anspruch auf drei kostenlose FFP2-Masken. Schon am Dienstagvormittag hatten sich vor den Apotheken deshalb lange Schlangen gebildet.

Ein Grund dafür: Die Masken sind zwischen den Apotheken ungleich verteilt. Bei den etwa 110 Apotheken in Dresden müsste jede durchschnittlich etwa 15.000 Masken abgeben, damit alle Berechtigten mit drei Masken versorgt sind, rechnet der Leiter der Fetscher-Apotheke Holger Kromnik vor. Seine Apotheke gebe aber derzeit viermal so viele ab.

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Die Gründe für die ungleiche Verteilung sind zweierlei: Einerseits berichten mehrere Apotheker über Lieferprobleme bei den Masken. Ein Lieferant der Schumann-Apotheke habe in einer Lieferstatusmeldung geschrieben, seine Mitarbeiter würden noch bis spät in die Nacht Pakete mit Masken packen, sagt Apothekeninhaber Andreas Kaiser.

Trotzdem kommen die Lieferungen nicht immer an wie gewünscht. Die Fetscher-Apotheke habe fast doppelt so viele Masken bekommen wie bestellt, sagt Kromnik. Andere Apotheken seien dagegen leer ausgegangen oder hätten nicht die bestellte Menge erhalten. "Vor Weihnachten sind die Lieferengpässe aber auch kein Wunder".

Nicht alle Apotheken beteiligen sich an Maskenverteilungen

Der andere Grund liegt darin, dass sich einzelne Apotheken an der Verteilaktion nicht beteiligen. Das legt ein Schreiben des Sächsischen Apothekerverbands und der Landesapothekerkammer nahe, in dem die Apotheken aufgefordert werden, "solidarisch und durchgängig ihren Anteil zu erbringen, im Rahmen der Verfügbarkeit und in den Grenzen ihrer individuellen Erstattungsfähigkeit". Die Apothekerkammer prüfe ansonsten die "Einleitung berufsrechtlicher Schritte".

Dazu kommt, dass manche Leute die kostenlose Maskenverteilung ausnutzen. "Einige Leute sind mehrfach gekommen und wollten weitere Masken haben", erzählt ein Mitarbeiter der Stadtapotheke auf der Prager Straße. "Die mussten wir abweisen." Auch das "Masken-Hopping", also das Ziehen von Apotheke zu Apotheke, um möglichst viele Masken abzubekommen, sei bei ihnen schon vorgekommen.

Masken nur noch an Apotheken-Kunden

Doch die Wurzeln des Problems liegen tiefer, nämlich in der Corona-Schutzmasken-Verordnung des Bundes vom 14. Dezember. Die sieht nämlich vor, dass Apotheken in der bis 6. Januar dauernden ersten Verteilphase nicht das Geld für die bestellten Masken erstattet bekommen, sondern stattdessen eine Pauschale. Diese richtet sich nach der Anzahl der zwischen Juli und September in der Apotheke verkauften verschreibungspflichtigen Medikamente.

Im Umkehrschluss heißt das, dass auch Apotheken, die sich der Maskenverteilung entziehen, die Pauschale erhalten könnten, meint Holger Kromnik von der Fetscher-Apotheke. Denn gemeldet werden müsse die Anzahl der abgegebenen Masken bislang nicht.

"Das System der Regierung funktioniert nur, wenn wirklich jede Apotheke mitmacht", sagt Kromnik, "es kommt völlig auf die Solidarität der anderen Apotheken an." Online-Apotheken wie DocMorris sind von der Bundesverordnung gänzlich ausgenommen.

Für Kromnik stellt sich das Problem: Wenn Kunden aus Mickten oder Freital zu ihm kommen, kann er bald seine eigenen Kunden nicht mehr mit Masken versorgen. Deshalb hat er sich entschlossen, nur noch Masken an Kunden seiner eigenen Apotheke abzugeben. Nur wer in diesem Jahr Kunde seiner Apotheke war oder eine Kundenkarte hat, bekommt die drei kostenlosen Masken - zumindest während der ersten Phase der Maskenverteilung bis zum 6. Januar. Je mehr kostenlose Masken er an Fremdkunden verteilt, umso höher der Verlust für ihn - denn den höheren Kostenaufwand durch die zusätzlichen Masken kriegt er nicht erstattet.

Eine FFP2-Maske (Symbolbild)
Eine FFP2-Maske (Symbolbild) © dpa

Problematisch ist das für Kunden wie Johannes Meusel: "Nach meiner Kenntnis ist kein Bürger verpflichtet, eine Kundenkarte für Apotheken oder andere Fachgeschäfte zu erwerben, denn er hat in der freien Marktwirtschaft die Wahlmöglichkeit, dort einzukaufen, wo Medikamente oder andere Produkte zum Beispiel am preisgünstigsten sind", schreibt Meusel an die SZ, nachdem er bei der Fetscher-Apotheke abgewiesen worden sei.

Rolf Leonhardt von der Kronen-Apotheke an der Bautzner Straße erkennt das Problem: "Es gibt über 60-Jährige, die keine Stammapotheke haben, weil sie nie Medikamente gebraucht haben." Bei ihm werde niemand weggeschickt. Aber er würde sich schon freuen, wenn die Kunden auch nach dem 6. Januar noch die Masken bei ihm holen würden - dann soll auch die Kostenrückerstattung besser geregelt sein.

Tatsächlich brauchen berechtigte Bürger laut Verordnung nur den Personalausweis vorzuzeigen und gegebenenfalls eine Eigenauskunft über die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe auszufüllen. "Ich bin mir ganz sicher, dass alle Leute ihre Masken kriegen", sagt auch Kromnik. In seiner Fetscher-Apotheke seien die Mitarbeiter ebenfalls großzügig, "allerdings gehen wir da immer ein finanzielles Risiko ein".

Überschüssige Masken bekommen andere Apotheken in Dresden

Am Freitagmorgen tat sich in der Fetscher-Apotheke plötzlich ein ganz neues Problem auf: Eine Lieferung von 40.000 irrtümlich ausgelieferten Masken war eingetroffen. Kromnik saß plötzlich auf insgesamt 100.000 Masken, das sind fast doppelt so viele Masken, wie er bestellt hatte. Für so viele Masken hatte er keine Lagerkapazitäten.

Doch dann stellte er fest: In dem neuen Problem könnte die Lösung liegen. Über die Landesapothekenkammer teilte er den anderen Dresdner Apotheken seinen Maskenüberschuss mit. Daraufhin meldeten sich 25 Apotheken bei ihm, die keine oder zu wenige Masken hatten, darunter beispielswiese Helmholtz-, Rathaus- und Kreuzapotheke. Apotheker kamen mit ihren Privatautos, um Kisten voller Masken bei der Fetscher-Apotheke abzuholen, Kromnik verbrachte den Tag mit dem Schreiben von Rechnungen. Am frühen Nachmittag hatte er 37.000 Masken in ganz Dresden verteilt.

Wolfgang Sachs, Inhaber der Canaletto-Apotheke in Cotta freute sich über das Angebot. "Wir mussten nicht mehr darauf achten, dass die Qualitätsstandards eingehalten werden, denn das hatte die Fetscher-Apotheke bereits für uns gemacht." Auch die Schumann-Apotheke nutzte das Angebot und holte 1.000 Masken, um eine kurzfristige Versorgungslücke vor der nächsten Anlieferung zu füllen. Inhaber Andreas Kaiser stellte sogar in Aussicht, die Masken mit der nächsten Lieferung wieder zurückzuerstatten.

Rolf Leonhardt von der Kronen-Apotheke findet: "Die ganze Aktion kurz vor Weihnachten soll die Leute schützen." Wichtiger als die ganzen wirtschaftlichen Aspekte sei, dass die Leute ihre Maske richtig über Mund und Nase tragen.

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