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Corona-Angst in Liberec und Bogatynia

Tschechien meldet steigende Zahlen, der Gesundheitsminister ist am Montag zurückgetreten. Auch in Polen verschärft sich die Lage. Erste Schulen geschlossen.

Symbolbild
Symbolbild © Robert Michael/dpa (Symbolbild)

Die Zahlen steigen drastisch. In den letzten Tagen gab es in Tschechien zuletzt über 3.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Prag. Inzwischen gilt landesweit wieder eine Maskenpflicht in allen Innenräumen, also auch in Museen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Deutsche dürfen nach wie vor problemlos einreisen. Allerdings wird über eine neue Grenzschließung immer wieder spekuliert. 

Am Montagmorgen trat Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) zurück. Er leitete das Ministerium etwa drei Jahre. Durch seinen Rücktritt wolle er Raum für die Lösung der Coronavirus-Epidemie schaffen, die in den letzten Tagen ernster geworden sei, so der scheidende Minister. Er habe das maximal Mögliche für die Bewältigung der Epidemie der Covid-19-Erkrankung getan und müsse sich nicht schämen, erklärte Vojtěch.

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Auch in der Region Liberec (Reichenberg) gibt es laut Behörden zunehmend mehr Infizierte. Im Bezirk Liberec selbst sind es über 190 pro 100.000 Einwohner; in Jablonec 110 pro 100.000. Die Gesundheitsämter meldeten in der Region während der letzten Woche bis zu 151 neue Covid-Fälle pro Tag. Es handele sich um einen Rekordzuwachs. Bei den meisten nehme die Erkrankung aber einen leichten Verlauf, eine intensive Pflege brauchten Mitte September vier Patienten. Am Sonntag gab es über 1.400 bestätigte Fälle. Die Krankenhäuser und Altenheime in der tschechischen Grenzregion verboten wieder alle Besuche. "Wir schaffen es derzeit noch, alle Kontakte der Infizierten zu ermitteln", sagt Vladimír Valenta, Direktor der Hygienischen Station in Liberec. Damit seien rund 50 Mitarbeiter sowie sechs Studenten als Aushilfen beschäftigt. Hinzu kommen zehn Freiwillige aus dem Kreisamt. 

Zweit Dutzend Schulen betroffen

Neue Fälle tauchen in Zusammenhang mit Kultur- und Sportveranstaltungen auf. Betroffen seien auch rund zwei Dutzend Schulen, wo nun ganze Klassen in Quarantäne sind. Ganz geschlossen ist eine Grundschule in Jablonec nad Nisou (Gablonz). „Die Kinder sollten immer zwei Masken in ihrer Tasche haben“, sagt Iveta Rejnartová, Direktorin der Liberecer Schule an der Straße 5. května. Sie müssen diese aber nur an der Garderobe sowie auf den Fluren tragen. Im Unterricht können sie die Bedeckung abnehmen. Für jüngere Schüler sei es schwierig, die Regeln einzuhalten. Beim Spielen haben sie oft die Köpfe dicht beisammen, bestätigen Lehrer.

Im Landesvergleich ist die Region Liberec, laut Experten, besser dran als andere Gebiete. Nur zwei Bezirke hatten zuletzt weniger Infektionsfälle, als der Kraj. Zudem haben die meisten positiv Getesteten einen leichten Krankheitsverlauf. Landesweit werden über 500 Patienten in Kliniken behandelt, knapp 100 seien schwer betroffen. Gemessen am Anstieg der Infektionsfälle gilt Tschechien in Europa als einer der am stärksten betroffenen Staaten. Laut aktuellen Daten liegt das Land mit um die 450 Neuinfizierten je 100.000 Einwohner auf dem dritten Platz in der EU, nach Spanien und Frankreich.

21.000 Menschen getestet

Seit Anfang der Corona-Krise im März hat das Virus in Tschechien 49.290 Menschen erfasst, 503 Menschen starben daran. Am Sonntag sank nach sechs Tagen dauerndem Zuwachses zum ersten Mal die Zahl unter 1.000 Fälle. Im Liberecký kraj wurden seit Beginn der Epidemie rund 21.000 Menschen getestet. Allein in der zweiten Septemberwoche seien es 1.841 Personen gewesen. Ein Zuwachs von 41 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. 

Wegen all der Fälle öffneten in Semily (Semil) und Jilemnice (Starkenbach) sowie im Staatlichen Gesundheitsinstitut in Vratislavice (Meffersdorf) neue Testzentren. In Jablonec sind zwei mobile Teams unterwegs. "Täglich können wir bis zu 750 Tests durchführen", sagt Kraj-Hauptmann Martin Půta.  Bildeten sich bislang lange Schlangen vor den Zentren, können Betroffene künftig Ort und Zeit frei wählen.

Verschärfte Regelungen

Die Regierung hat in verschiedenen Bereichen die Regelungen verschärft. Zum Beispiel für Tanzstunden. "Die Stücke sind nun kürzer, wir müssen auch beim Tanzen Maske tragen. Die Jungen dürfen dafür ohne Jacke tanzen, damit sie nicht so schwitzen", erzählte ein Kursteilnehmer im Eurocentrum in Jablonec. Im öffentlichen Verkehr sind die Masken seit Anfang September Pflicht. "Mit der steigenden Zahl von Infizierten werden die Fahrgäste immer disziplinierter", bestätigt Martina Poršová, Sprecherin eines Verkehrsunternehmens.

Auch in Polen steigen die Corona-Fälle. In Bogatynia (Reichenau) könnte sich ein Hot-Spot entwickeln. Seit Montag fällt der Präsenzunterricht in der 1. Grundschule aus. Offenbar sind Beschäftigte des pädagogischen Personals positiv auf das Virus getestet worden, sodass eine Gefahr der Ausbreitung der Pandemie nicht ausgeschlossen werden könne, teilt die Stadt- und Gemeindeverwaltung mit. Da sich die Betreffenden in Quarantäne befinden, werden die Schüler nun außerhalb der Einrichtung unterrichtet.  Erst vorige Woche hat die Verwaltung Kitas und Schulen geschlossen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die Situation werde laufend beobachtet, notfalls würden weitere Maßnahmen zur Sicherheit der Einwohner eingeleitet, heißt es.

Kaum deutsche Besucher

Ohne Maske beim Experimentieren im Liberecer Wissenszentrum iQLandia – die Zeiten sind erst einmal vorbei. In Tschechien gilt wieder Mundschutzpflicht. Für die Einrichtung sind die Zeiten hart.
Ohne Maske beim Experimentieren im Liberecer Wissenszentrum iQLandia – die Zeiten sind erst einmal vorbei. In Tschechien gilt wieder Mundschutzpflicht. Für die Einrichtung sind die Zeiten hart. © archiv Parliamo

Das Liberecer Wissenszentrum "iQLandia" kämpft mit der Krise. Die Einrichtung musste mehr als ein Drittel der Mitarbeiter entlassen und die Öffnungszeiten reduzieren. Zum ersten Mal nahm der Park einen Kredit auf, um zu überleben. "Die Besucherzahl liegt bei 40.000 Menschen, das ist ein Viertel weniger als letztes Jahr. Es kommen zwar mehr tschechische Gäste als früher, aber die Deutschen und Polen fehlen fast komplett", sagt Direktor Pavel Coufal. "Täglich steuern uns aus der Grenzregion nur ein bis zwei Autos an."

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Das "iQLandia" versucht nun, Schulklassen anzulocken. Doch das zuständige Ministerium gab zum Unterrichtsbeginn die Empfehlung heraus, dass sich Schulen solche Aktivitäten gut überlegen sollten. Angst vor Wirtschaftsproblemen haben auch viele Bühnen, wo Schulklassen das Stammpublikum bilden. Das Marionettentheater in Liberec hat sein Programm vor allem auf Kinder ausgerichtet. Falls die Schulklassen ausbleiben, macht sich Direktor Stanislav Doubrava ernste Sorgen um die Zukunft.

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