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Mehrheit für Ende der Maskenpflicht in Schulen

Ein Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht ist wegen steigender Coronazahlen unwahrscheinlich. Einer Umfrage zufolge wollen das aber zwei Drittel der Sachsen.

Von Fabian Deicke
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Eigentlich sollte die Maskenpflicht im Unterricht ab dem 8. November wegfallen. Weil in Sachsen jedoch die Zahl der Coronapatienten einen kritischen Wert erreicht, dürfte es dazu nicht kommen.
Eigentlich sollte die Maskenpflicht im Unterricht ab dem 8. November wegfallen. Weil in Sachsen jedoch die Zahl der Coronapatienten einen kritischen Wert erreicht, dürfte es dazu nicht kommen. © dpa

Dresden. Der Plan, dass Schulkinder in Sachsen ab Klassenstufe 5 an weiterführenden Schulen im Unterricht keine Maske mehr tragen müssen, findet bei den Menschen im Freistaat großen Zuspruch. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Sächsische.de und den Meinungsforschern von Civey hervor.

Demnach sprechen sich fast zwei Drittel der Befragten (62 Prozent) dafür aus, dass die Maskenpflicht am Platz ab dem 8. November entfallen soll. 27 Prozent halten den Schritt im Moment für falsch, elf Prozent sind unschlüssig.

Unabhängig vom offensichtlichen Willen der Sachsen, dass Schulkinder von der Maskenpflicht im Unterricht befreit werden, dürfte es aufgrund der sich zuspitzenden Lage in den Krankenhäusern nicht dazu kommen. Denn laut Corona-Verordnung setzt die Masken-Lockerung aus, sobald die sogenannte Vorwarnstufe gilt.

Die Vorwarnstufe ist ein kritischer Grenzwert und kann als eine Art "Bettenbremse" verstanden werden, um ein tatsächliches Überlastungsszenario bestenfalls zu verhindern. Sie gilt ab dem übernächsten Tag, wenn in Sachsen an fünf aufeinander folgenden Tagen mindestens 650 Krankenhausbetten auf Normalstationen oder 180 Betten auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt sind.

Allein in den vergangenen zwei Wochen hat sich die Zahl der Intensivpatienten in Sachsen verdoppelt. Am Freitag wurde die 180er-Marke schließlich erreicht. Sollte die Zahl nicht wieder fallen, würde ab Donnerstag kommender Woche die Vorwarnstufe gelten.

Die Krankenhäuser in Sachsen rechnen inzwischen mit einer schweren Herbst/Winter-Welle. Tobias Lohmann, Medizinischer Direktor des Städtischen Klinikums Dresden, sagte gegenüber Sächsische.de, dass er schon jetzt in Bezug auf Schnelligkeit und Dynamik die heftigste aller bisherigen Coronawellen kommen sehe.

Das größte Problem für die Krankenhäuser seien laut Lohmann zudem die Ungeimpften. Diese machten den Großteil der intensiv zu behandelnden Patienten aus. Oft seien diese Patienten jünger und hätten deshalb längere Krankheitsverläufe. "Wir haben aktuell Erkrankte, die schon seit drei, vier Wochen auf der Intensivstation liegen."

Kliniken rechnen mit hartem Coronawinter

Genauso wie in Dresden stellt sich die Lage fast überall in Sachsen dar. Es droht die Überlastung der Intensivstationen. Laut Sächsischer Krankenhausgesellschaft (KGS) würden dann beim Erreichen der Kapazitätsgrenzen die beiden Universitätskliniken in Dresden und Leipzig genau wie das Städtische Klinikum in Chemnitz wieder in den Coronamodus schalten müssen und die Koordination übernehmen.

Für Sachsens Kliniken könnte der Winter wegen der angespannten Coronalage zum wirtschaftlichen Problem werden. Weil möglicherweise zugunsten der Einrichtung von Coronastationen andere geschlossen werden müssten, seien Einnahmeausfälle möglich. Eine Freihaltepauschale, so wie sie es im vergangenen Jahr zur Abfederung dieses Effektes gegeben hat, gebe es nicht mehr. "Das war ein Rettungsschirm des Bundes. Wir gehen davon aus, dass so etwas nicht noch einmal kommen wird", erklärte Friedrich München von der KGS kürzlich im CoronaCast bei Sächsische.de.

  • Friedrich München, stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, im Coronacast. Die Podcastfolge erschien am 21. Oktober.

Information zu Umfragen mit Civey

In diesem Artikel wurde eine Umfrage ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An der Umfrage wurde 1.678 Mal teilgenommen, aus 1.500 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen. Stichproben für Sachsen entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der Wahlbevölkerung im Land. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.