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Massentest für Altenberger Gymnasiasten

Vierhundert Schüler an einem Tag - diese Form des Coronatests im Altenberger Europark war für alle Beteiligten eine Premiere.

Gesundheitsamts-Mitarbeiter Steffen Willmuth nahm die Tests in Altenberg vor.
Gesundheitsamts-Mitarbeiter Steffen Willmuth nahm die Tests in Altenberg vor. © Egbert Kamprath

Es ist kurz vor zwölf, und die Kaffeebecher stehen noch unberührt neben der Thermoskanne. Gunter Kaden, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Altenberg und damit Hausherr im Europark, hat sie dort schon vor Stunden für die vier Abgesandten des Pirnaer Gesundheitsamtes hingestellt. Doch mal eben an einem Kaffee aufwärmen ist für sie gar nicht drin: Die Autoschlange auf dem Parkplatz des Europarks reicht hinauf bis zur B170, und in jedem Auto sitzt mindestens ein Kind, das getestet werden muss. Auf Corona. 

Nachdem dort im Laufe einer Woche erst eine Schülerin an Covid-19 erkrankte, dann eine Lehrerin und schließlich noch neun weitere Schüler des Altenberger Glückauf-Gymnasiums positiv auf Corona getestet wurden,  ließ das Gesundheitsamt des Landratsamtes Pirna am Mittwoch die Schule schließen. Gleichzeitig veranlasste es einen Massentest für alle vierhundert Schüler des Gymnasiums. "Die Info stand am Mittwoch im Vertretungsplan", sagt ein Junge, der mit seinem Freund per Mofa herkam. "Wir haben eine Mail bekommen", sagt der Freund. Der Test sei Pflicht, habe es darin geheißen.  

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Die Ordnungspolizei der Stadt Altenberg erfuhr ebenfalls am Mittwoch von ihrem Einsatz am Donnerstag. Zu dritt dirigieren die Ordner nun alle ankommenden Autos in eine A- und B-Reihe und lotsen die Fahrzeuge in einem Einbahnstraßen-System über den großen Parkplatz hinter dem ehemaligen Zentralschacht.  An zwei Kleinbussen winken je  zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes  das nächste Auto zu sich heran, halten ein langes Wattestäbchen bereit und gleichen den Namen mit ihren Listen ab. Dann schieben sie das Stäbchen in Rachen- und Mundraum. "War gar nicht so schlimm", sagt ein Mädchen, die mit zwei Klassenkameradinnen anstand - mit Maske und bei vorbildlicher Wahrung aller Sicherheitsabstände. 

Entspannte Wartende und Ärger über langes Anstehen

Klassenweise und in eine A- und B-Reihe sortiert lief der Massentest sehr geordnet ab. Nur die lange Wartezeit verärgerte manche Eltern.
Klassenweise und in eine A- und B-Reihe sortiert lief der Massentest sehr geordnet ab. Nur die lange Wartezeit verärgerte manche Eltern. © Egbert Kamprath

Seit 9.30 Uhr steht Test-Abnehmer Steffen Willmuth auf dem Parkplatz. Drei Stunden später ist er durchgefroren und bittet die Ordner, die Autos seiner Schlange für eine kurze Pause zu stoppen. Schutzanzug aus, Maske und Schutzbrille ab - dann kann er sich endlich einen Kaffee eingießen: "Tests nehme ich schon seit März ab", sagt er. "Aber so eine große Aktion wie hier hatten wir noch nicht." Und sie wird sich wiederholen: Für den 15. Oktober ist die nächste Testung angesetzt: "Unsere Erkenntnisse sind aktuell die, dass Corona sich häufig erst 12, 13 Tage nach einer Infektion nachweisen lässt", sagt er. 

Inzwischen spielen ein paar Jungs, die allein gekommen sind und in der Schlange stehen, Schnick-Schnack-Schnuck - das perfekt kontaktlose Wartespiel. Mädchen winken sich zu. Nicht alle Gesichter der Eltern und Großeltern in den Autos sind ebenfalls so entspannt: "Wir sollten uns zwischen 12 und 12.30 Uhr einfinden", sagt ein älterer Herr grimmig: "Jetzt stehen wir immer noch. Es nervt!" 

"Ich bin dankbar, dass sie den Test hier machen", sagt die Mutter, die als nächstes in der Autoschlange steht: "Da müssen wir nicht zum Gesundheitsamt nach Pirna fahren." Auch Gunter Kaden meint: "Es ist sinnvoller, alle Schüler gleich in Altenberg zu testen, als 400 Schüler, die potentiell infiziert sein könnten, quer durch den Landkreis zu schicken."   

Erster Unterrichtsstoff bereits auf Lernsax

Es ist 12.45 Uhr, Steffen Willmuth hat seine Fünf-Minuten-Kaffeepause beendet, zieht sich einen neuen Einweganzug an, stülpt sich Schutzbrille und Maske über, zupft die Handschuhe zurecht und ruft dem nächsten Jugendlichen im Auto ein herzliches "Hallo!" entgegen: "Hast Du sowas schon mal gemacht? Nee? Dann erklär ich's Dir."

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"Wir haben schon gestern den ersten Unterrichtsstoff im Lernsax gehabt", sagt eine Schülerin der 9. Klasse in der Schlange. Lernsax ist die Lernplattform des Freistaates Sachsen, auf der sich jede Schule ein eigenes Depot für Unterrichtsmaterialien anlegen kann. "Das funktioniert jetzt schon besser als im März beim ersten Lockdown", sagt die Schülerin: "Da ist wenigstens alles zentral abgelegt und kommt nicht aus drei verschiedenen Kanälen." Geschichte, Deutsch und Ethik-Aufgaben haben sie am zweiten unterrichtsfreien Tag bekommen: "Am schwierigsten wird es wieder sein, sich selbst zu motivieren", meint eine andere Schülerin: "und sich mit einem Zeitplan eine Struktur zu schaffen." Eigentlich sollte es nach den Sommerferien auch noch eine Einführung in die Lernsax-Plattform geben. Das hat nicht mehr geklappt: "Aber da werden wir uns schon einarbeiten."

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