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Manufakturen verlassen die Komfortzone

Die Manufakturen in der Sächsischen Schweiz leben von den Kunden, die in ihr Geschäft kommen. Corona hat auch da vieles verändert.

Susanne Engler, die Chefin von Adoratio Schokoladenkunst, verpackt die online bestellten Waren.
Susanne Engler, die Chefin von Adoratio Schokoladenkunst, verpackt die online bestellten Waren. © Steffen Unger

Wer schaut nicht gern zu, wenn köstliche Schokolade gezaubert wird oder unter geschickten Händen glamouröse Blumensträuße entstehen. Wer schaut nicht gern zu, wie leckeres Brot gebacken wird oder köstliche Öle aus einer Mühle tropfen. Doch mit dem zweiten Lockdown mussten auch die Manufakturen schließen, in denen sich noch im Sommer Hunderte von Touristen tummeln durften.

Wie kommen die Manufakturen in der Sächsischen Schweiz nun durch den Lockdown? Die Reaktionen sind verschieden. Sächsische.de hat sich umgehört und vier unterschiedliche Beispiele gefunden.

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Adoratio Thürmsdorf: Weihnachten kurz mal ausverkauft

Verführerische Düfte dringen aus der Schokoladenmanufaktur Adoratio unterhalb von Schloss Thürmsdorf. Das Team um Susanne Engler hat alle Hände voll zu tun. Zwar dürfen sie das Café und die Geschäfte am Pirnaer Markt und im Firmensitz in Thürmsdorf nicht öffnen, auch darf ihnen niemand über die Schulter schauen. Doch der Online-Handel laufe richtig gut. Kurz nach Weihnachten habe man diesen sogar mal kurzzeitig schließen müssen, weil erst neue Ware produziert werden musste, so Susanne Engler. Damit hätte sie nicht gerechnet. Doch ihre Unternehmensphilosophie habe sich bestätigt, auf mehrere Standbeine zu setzen.

Sie sehe sich mit ihrer Manufaktur mitten im zweiten Lockdown in einer Ausnahmesituation. "Es ist schwer einzuschätzen, was ist falsch und was ist richtig. Und ich glaube, das geht jedem Unternehmer so. Wir müssen ganz einfach raus aus unserer Komfortzone", sagt sie. Flexibel sein, sich schnell auf neue Gegebenheiten umstellen können, das habe Corona gelehrt. Und deshalb ist sie froh, schon seit Längerem ihr Online-Geschäft immer schrittweise weiter ausgebaut zu haben. Der Online-Handel floriere, weil sie darüber auch ihre vielen Kunden im Ausland erreiche.

Porschendorfer Mühle: Hofladen darf öffnen

Mittwochs, freitags und sonnabends kann Carola Reichel-Lissel ihren Hofladen in der Porschendorfer Mühle öffnen, da sie dort neben Ölen verschiedene andere Produkte verkauft, die zum täglichen Bedarf gehören. Das sei für sie die Rettung. Ansonsten trifft auch sie Corona hart. Einen Großteil ihrer Produkte hat die Familie ausschließlich auf Märkten verkauft, dazu kommen Abnehmer in der Hotellerie und Gastronomie.

Carola Reichel-Lissel hat aus Corona gelernt: Die Porschendorfer Mühle braucht für ihren Ölverkauf auch einen Online-Handel.
Carola Reichel-Lissel hat aus Corona gelernt: Die Porschendorfer Mühle braucht für ihren Ölverkauf auch einen Online-Handel. © SZ

Corona hat die junge Mühlenbesitzerin nachdenklich gemacht. "Wir brauchen neue Vertriebswege. Deshalb sind wir jetzt dabei, unseren Online-Shop aufzubauen", sagt sie. Noch gibt es den nicht. Aber bis März soll alles soweit fertig sein, damit ihre Kunden auch online bei ihr bestellen können. Damit will sie vor allem auch den Touristen entgegenkommen, die auf einem ihrer Märkte schon Produkte gekauft haben und diese nun leichter nachbestellen können.

Bislang geht das zwar auch, aber nur per E-Mail. "Und das ist für viele Leute vermutlich zu umständlich. Deshalb brauchen wir den Online-Shop", sagt sie. Ihr sei durch die coronabedingten Einschränkungen bewusst geworden, wie wichtig der Online-Handel auch für sie ist. Und nicht zuletzt bekomme man dann eine viele größere Reichweite.

Pasta Lucia Wehlen: Längst in Handelsketten gelistet

In der Nudelmanufaktur Pasta Lucia in Stadt Wehlen laufen die Geräte ununterbrochen. Zwar ist auch hier das Geschäft mit Kundennähe derzeit nicht zu machen. Aber von Anfang an setzt das Unternehmen auf Online-Handel und andere Aktionen. "Ich bin mir sicher, der Online-Handel wird wachsen, das sieht man auch bei anderen Firmen", sagt Mario Lucia. Wer bei ihm bestellt, hat spätestens in zwei Tagen die Produkte zu Hause. Rezepttipps gibt es ebenfalls gleich online mit dazu.

Maria Lucia in ihrem Reich in der Nudelmanufaktur Pasta Lucia in Stadt Wehlen. Die Produkte werden online und im Handel weiter verkauft.
Maria Lucia in ihrem Reich in der Nudelmanufaktur Pasta Lucia in Stadt Wehlen. Die Produkte werden online und im Handel weiter verkauft. © Steffen Unger

Die Manufaktur hat es aber geschafft, auch bei größeren Einzelhandelsketten gelistet zu sein. Ein Umstand, der Mario Lucia jetzt zugute kommt. Insgesamt vier Einzelhandelsketten sowie viele kleinere Ladenbesitzer haben seine Produkte ins Angebot genommen. Der täglich wachsende Qualitätsanspruch der Verbraucher öffne einen schier unersättlichen Markt. Und Nudeln gehen bekanntlich immer. Doch auch er weiß, kreative Ideen sind gefragt. Eine ist die grüne Wehlmuschel mit dem Schriftzug "Sachsenhaft lecker."

Seidenblumenmanufaktur Sebnitz: Produktion steht still

Im Haus der Deutschen Kunstblume in Sebnitz herrscht Stille. Noch im Frühjahrslockdown wurde der Internet-Handel beworben. Jetzt ist die Website nicht mehr erreichbar. Was ist da los? "Der Onlineshop der Deutschen Kunstblume ist vorübergehend inaktiv. Aufgrund der behördlich angeordneten Schließung der Schaumanufaktur befinden sich alle Mitarbeiterinnen aktuell in Kurzarbeit", sagte Tina Meinert vom Stadtmarketing. Das heißt, die Produktion stehe komplett still und der Versand ebenfalls.

Die einzige Ausnahme sei der Vertrieb über den DDV-Onlineshop gewesen. Die dort angebotenen 50 Sandsteinunikate waren allesamt vorproduziert.

In der Seidenblumenmanufaktur in Sebnitz hat man sich entschieden, die Produktion vorerst komplett einzustellen.
In der Seidenblumenmanufaktur in Sebnitz hat man sich entschieden, die Produktion vorerst komplett einzustellen. © Stadtmarketing Sebnitz

"Es handelte sich dabei um den ausdrücklichen Wunsch, eine exklusive und einmalige Sonderedition für den DDV herzustellen, woraus wir das bekannte Projekt entwickelt haben", sagt sie. Sobald die Bestände verkauft seien, werde auch dieser Vertriebsweg vorübergehend eingestellt, bis die Schaumanufaktur den Betrieb und die Mitarbeiterinnen die Produktion wieder aufnehmen können.

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