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Mediziner lösen das Rätsel um Covid-19

Ein Enzym macht Blutgefäße zur Zielscheibe für Coronaviren. Was das fürs Impfen bedeutet.

Das Coronavirus nutze ein körpereigenes Enzym – ACE2 genannt –, um in den Organismus einzudringen.
Das Coronavirus nutze ein körpereigenes Enzym – ACE2 genannt –, um in den Organismus einzudringen. © CDC/dpa

Zu Beginn der Pandemie wurde Covid-19 vor allem als eine Erkrankung der Atemwege wahrgenommen. „Doch heute wissen wir, dass eine Hauptursache für die schweren Krankheitssymptome und die Langzeitfolgen eine Schädigung der Blutgefäße ist“, sagte Dr. Farzin Adili, Gefäßmediziner aus Darmstadt, am Mittwoch zum Auftakt der Jahrestagung der Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin in Mannheim.

Das Coronavirus nutze ein körpereigenes Enzym – ACE2 genannt –, um in den Organismus einzudringen. Die Innenwand der Blutgefäße bilde besonders viel davon und mache sie damit zum direkten Ziel der Coronaviren. „Das führt zu einer Entzündung der Blutgefäße, in der Folge zu Venenthrombosen und Lungenembolien“, so Adili. Die Häufigkeit dieser Gefäßverschlüsse mit 20 bis 25 Prozent bei den stationär behandelten Covid-19-Patienten sei überdurchschnittlich hoch. Nun kenne man die Ursache dafür.

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Besonders Gefäßkranke sollten sich impfen lassen

Viele dieser Lungenembolien hätten ihren Ausgangspunkt direkt in den Lungengefäßen und seien nicht durch das Wegschwemmen eines Thrombus zum Beispiel aus den Beinvenen entstanden. Der Gefäßmediziner appellierte besonders an Gefäßkranke, sich gegen Corona impfen zu lassen. „Denn Menschen mit Thromboseneigung sind besonders gefährdet, wenn sie an Corona erkranken.“

Gleichzeitig veröffentlichte das Paul-Ehrlich-Institut zwei sogenannte Rote-Hand-Briefe für die Coronaimpfstoffe von Astrazeneca und Janssen. Darin informieren die Hersteller über mögliche Komplikationen. Der Impfstoff von Janssen erhöht demnach das Risiko für Blutungen und für Gefäßverschlüsse – wenn auch in sehr geringem Maße.

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Bei Astrazeneca sei eher die Blutungsneigung erhöht, was mit einer stark verringerten Zahl an Blutplättchen (Thrombozyten) einherging. Farzin Adili warnte aber davor, aus Angst vor Gefäßerkrankungen auf eine Coronaimpfung zu verzichten. Denn die Gefahr für die Gefäße infolge einer Coronainfektion sei ungleich höher als durch eine Impfung.

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