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Wer sind die Corona-Toten in SOE?

Über 900 Fälle sind seit Beginn der Pandemie zu beklagen. Nach starkem Anstieg im Dezember gehen nun die Todeszahlen merklich zurück.

Dieser Sarg bei einem Bestatter in Pirna wurde gesondert beschriftet.
Dieser Sarg bei einem Bestatter in Pirna wurde gesondert beschriftet. © Daniel Schäfer

Vor reichlich einem Jahr forderte die Pandemie das erste Todesopfer im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Eine Frau, über 80 Jahre alt, verlor ihr Leben. An die einzelnen Schicksale wurde am Sonntag an zahlreichen Orten gedacht. Derweil steigt die Zahl der Corona-Toten im Landkreis weiter.

Vier neue Sterbefälle hat das Gesundheitsamt am Dienstag publik gemacht. Damit wird der Tod von insgesamt 912 Menschen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückgeführt. Im Klartext heißt das: Rund fünf Prozent aller 17.905 nachweislich Infizierten im Landkreis sind gestorben.

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Die erste Welle zwischen März und Mai 2020 forderte vier Opfer. Zwischen September und Februar starben mehr als 800 Menschen, besonders viele um Weihnachten herum. Die zweite Welle markiert damit den bisherigen, traurigen Höhepunkt der Corona-Pandemie. Seit März – in der dritten Welle, wenn man so will – verloren weitere knapp 100 Menschen ihr Leben. Was wir über die Verstorbenen wissen.

In welchem Alter waren die Verstorbenen?

Die meisten Verstorbenen waren hochbetagt. 681 gehörten laut Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) der Altersgruppe „80 plus“ an. Das sind genau drei Viertel aller Corona-Toten. 202 Personen waren zwischen 60 und 79 Jahre alt. Das ist nicht verwunderlich, denn mit steigendem Alter nimmt das Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu, da das Immunsystem schwächer wird und sich Vorerkrankungen wie Diabetes und Gefäßerkrankungen häufen.

Doch es trifft nicht nur die Älteren. 16 Opfer hatten noch nicht einmal das Rentenalter erreicht – sie waren zwischen 35 und 59 Jahre jung. Jüngere Verstorbene gibt es im Landkreis nicht. Folglich waren rund 98,2 Prozent der Corona-Toten älter als 60 Jahre.

Starben mehr Männer als Frauen?

Bei den unter 80-Jährigen ist das tatsächlich der Fall. In der Gruppe der 60- bis 79-Jährigen ist die Zahl der Männer, die ihr Leben wegen Corona verloren, um ein Drittel höher als die der Frauen. Und das, obwohl es weniger Männer in dieser Altersklasse gibt als Frauen. Bei den 16 Jüngeren waren es zwölf Männer und nur vier Frauen. Bei den über 80-Jährigen sind die Frauen jedoch häufiger vertreten. Das hängt aber auch damit zusammen, dass es aufgrund der allgemeinen Lebenserwartung weniger hochbetagte Männer gibt.

Wie sicher ist es, dass die Betroffenen an Corona starben?

Bei den inzwischen mehr als 900 Corona-Toten handelt es sich um Menschen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Infektion starben. Somit stellt sich die Frage, ob das Virus für das Ableben ausschlaggebend war oder eine andere Erkrankung zum Tod führte, während der Patient möglicherweise infiziert war, allerdings keine oder nur leichte Symptome entwickelte. Die Frage wird in der politischen Diskussion gern instrumentalisiert, um das potenzielle Gesundheitsrisiko bei einer Ansteckung zu marginalisieren. Ausschlaggebend ist erst mal der Hinweis auf dem Totenschein.

Sind auch Obduktionen durchgeführt worden?

Nur in Einzelfällen wird eine Leichenschau von Seiten der Behörden veranlasst. Theoretisch dürfen auch Angehörige auf eine Obduktion bestehen. Diese kostet allerdings zwischen 1.000 und 1.500 Euro, sollte man kein besonderes öffentliches Interesse daran nachweisen. Wie oft ein solcher Wunsch tatsächlich an Ärzte oder Krankenhäuser herangetragen wurde, ist nicht bekannt.

Um herauszufinden, ob Menschen an oder nur mit dem Coronavirus starben, wurden am Institut für Pathologie des Dresdner Universitätsklinikums 65 Todesopfer genauer untersucht, bei denen Covid 19 auf dem Totenschein angegeben war. Die Klinik kooperiert in einem bundesweiten Obduktionsnetzwerk aus Pathologen und Rechtsmedizinern. Die Dresdner Befunde stützten andere Autopsie-Studien, wonach mehr als 80 Prozent der Verstorbenen tatsächlich an einer Covid-19-Erkrankung starben.

Ist es möglich, dass Corona-Tote nicht erfasst werden?

Dem gingen Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) nach. Denn eines ist sehr auffällig: Mit Beginn der zweiten Corona-Welle im Herbst baute sich eine Übersterblichkeit auf. Das heißt: Zwischen September und Dezember starben deutlich mehr Menschen im Landkreis als in denselben Monaten der vorherigen Jahre. Diese Übersterblichkeit hat sich im Januar und Februar dieses Jahres fortgesetzt und sank erst im März wieder auf ein übliches Niveau.

Corona könnte eine Ursache für diese Übersterblichkeit sein. Doch die Zahl der „zusätzlichen“ Todesfälle in Sachsen liegt um einiges höher als die Zahl der gemeldeten Corona-Toten. Die Forscher regten eine genauere Untersuchung an, ob und warum im Freistaat eine extreme nicht-Covid-19 bedingte Übersterblichkeit besteht oder ob diese durch fehlende Post-mortem Tests, falsch ausgestellte Todesursachen, reine Datenfehler oder anderweitig begründet werden kann", heißt es in dem Bericht, der Anfang Januar erschienen ist.

Mögliche Ursachen für eine erhöhte Sterblichkeit können auch andere Krankheiten sein. Mediziner warnten bereits im vergangenen Jahr davor, Patienten könnten aus Angst vor einer Ansteckung den Arztbesuch vermeiden, wodurch Herzinfarkte und Tumoren zu spät diagnostiziert würden. Klar ist aber, dass die Grippewelle in diesem Jahr ausgeblieben ist und als Ursache ausscheidet. In ganz Deutschland wurden in dieser Grippe-Saison nicht mal 500 Fälle nachgewiesen, bei denen Menschen mit dem Influenzavirus infiziert waren.

Welche Entwicklung gab es in den vergangenen Wochen?

Der Anstieg der Zahl der Corona-Toten hat sich erheblich verlangsamt. Waren es im Dezember und Januar noch mehr als 300 im Landkreis, wurden im Februar 107 Opfer beklagt und im März nur noch 56, also weniger als im November (76), als der Lockdown verfügt wurde.

Im April waren im Landkreis bislang 31 Menschen in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Obwohl deutschlandweit die dritte Corona-Welle bereits eingesetzt hat, erhöht sich die Zahl der Corona-Sterbefälle aktuell nicht signifikant.

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Optimistisch gedacht, machen sich die Impfungen in den höheren Altersgruppen positiv bemerkbar, die vor schweren Covid-19-Verläufen schützen sollen. Laut Landratsamt haben inzwischen alle impfwilligen und impffähigen Heimbewohner ihre Impfung erhalten. Allerdings muss bedacht werden, dass zwischen einer Infektion, einer Einweisung ins Krankenhaus und dem Tod oft mehrere Wochen vergehen. Das heißt, der Beginn der dritten Welle könnte sich erst noch in den Leichenhäusern bemerkbar machen.

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