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Mehr Tempo bei Booster-Impfungen gefordert

Die Corona-Zahlen steigen, die Rufe nach einer Kampagne für Drittimpfungen werden lauter. Haus- und Kassenärzte sehen sich gegenseitig verantwortlich.

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In Deutschland haben nach Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Freitag bisher 1,6 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung bekommen
In Deutschland haben nach Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Freitag bisher 1,6 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung bekommen ©  Robert Michael/dpa (Symbolbild)

Angesichts steigender Infektionszahlen in der Corona-Pandemie haben sich Experten und Politiker für deutlich mehr Tempo bei den Auffrischimpfungen für ältere Menschen und Risikogruppen ausgesprochen.

Die Drittimpfungen würden für diese vulnerablen Gruppen dringend gebraucht, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, beklagte einen „schleppenden Verlauf“ beim Boostern. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte eine neue Impfkampagne zu den Auffrischimpfungen.

Hintergrund ist ein Anstieg der Sieben-Tages-Inzidenz in Deutschland. Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) war sie am Wochenende erstmals wieder dreistellig und stieg zu Wochenbeginn auf 110,1 Neuansteckungen je 100.000 Einwohner.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben bislang 1,6 Millionen Menschen in Deutschland eine Auffrischungsimpfung erhalten (Stand Montag). Vollständig geimpft sind aktuell 55,1 Millionen Personen oder 66,2 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Heinrich sagte, leider seien die Drittimpfungen nicht bundesweit einheitlich geregelt, sodass es mancherorts zu Verzögerungen komme. In der Pflicht stehe insbesondere der Hausärzteverband.

"Er hat schon ganz früh die Schließung der Impfzentren gefordert, weil diese angeblich nicht gebraucht würden. Das war ein Fehler“, sagte Heinrich. „Daher muss der Verband jetzt flächendeckende Boosterimpfungen, auch in Pflegeheimen, durch die Hausärzte sicherstellen und mobile Impfteams dorthin schicken.“

Brysch sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Kassenärztlichen Vereinigungen trügen die Verantwortung dafür, dass nach gut drei Monaten gerade mal zwölf Prozent der über 70-Jährigen ein drittes Impfangebot erhalten hätten. „Jetzt rächt es sich, dass gerade auf Druck der Kassenarztfunktionäre die Impfzentren und mobilen Teams größtenteils abgeschafft wurden“, erklärte er.

Lauterbach fordert mehr Drittimpfungen für Risikogruppen

Auch Lauterbach forderte eine deutliche Ausweitung der Auffrischungsimpfungen bei Risikogruppen. „In Anbetracht der steigenden Fallzahlen auch bei Älteren ist eine neue Impfkampagne zur Nutzung der Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe jetzt unbedingt nötig“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ähnlich äußerte sich die Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow. Drittimpfungen müssten jetzt so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden, die aktuellen Corona-Zahlen seien „erschreckend“, sagte sie den Zeitungen. Für die dritte Impfung müsse genauso geworben werden wie weiterhin auch für die erste und zweite.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, hob die Bedeutung von Auffrischungsimpfungen im Kampf gegen das Coronavirus hervor. Er messe „der Booster-Impfung einen sehr wichtigen Part in der Bekämpfung der Pandemie bei“, sagte Marx den Funke-Zeitungen. Das gelte für Patientinnen und Patienten wie für das Krankenhauspersonal. (epd)