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Pirna: Stadtbibliothek verleiht bald Kameras

Sächsische.de sprach mit einer Bibliothekarin darüber, wie sie das Corona-Jahr erlebt hat. Trotz Schließzeiten gab es genug zu tun.

Viola Marzahn arbeitet seit 1999 in der Pirnaer Stadtbibliothek.
Viola Marzahn arbeitet seit 1999 in der Pirnaer Stadtbibliothek. © Norbert Millauer

Seit 1999 arbeitet Viola Marzahn in der Stadtbibliothek Pirna. Sie berät, verleiht Bücher gibt Schülern Tipps bei der Ausarbeitung von Referaten. Die Nutzer werden meistens fündig, denn der Bestand der Pirnaer Bücherei beläuft sich auf knapp 60.000 Medien. Wegen Corona musste die Bibliothek zweimal für mehrere Monate schließen. Seit dem 2. März ist die Bücherhalle wieder geöffnet. Darüber und über die Lesegewohnheiten der Pirnaer in der Pandemie sowie über neue Pläne der Bücherei sprach Sächsische.de mit Viola Marzahn.

Frau Marzahn, was lesen die Pirnaer in Corona-Zeiten?

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Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Also, ganz oft nachgefragt werden Kindermedien, Kinderbücher, Spiele für Kinder. Vom Klassiker Pippi Langstrumpf, über Kalle Blomquist sowie Harry Potter bis hin zu den neueren Büchern von Cornelia Funke, den Olchis von Erhard Dietl und die Reihe "Das magische Baumhaus" von Mary P. Osborne. Viele Gesellschaftsspiele und Tiptoi, ein audiodigitales Lernsystem für Kinder, werden ausgeliehen. Man merkt bis heute deutlich, dass die Eltern Angebote für ihre Kinder und Jugendliche benötigen.

Und was lesen die Erwachsenen bevorzugt in der Pandemie?

Krimis und Thriller werden stark nachgefragt. Aber auch historische Romane stehen hoch im Kurs, zum Beispiel die Familiensaga der Tuchvilla von Anne Jacobs oder die Familiengeschichte mit dem Titel "Die sieben Schwestern" von Lucinda Riley. Der nächste Band von Riley erscheint Ende Mai. Wir haben dafür bereits mehrere Vorbestellungen.

Fragen Corona-Skeptiker verstärkt nach Literatur, die in ihr Weltbild passen?

Also, wir haben Kunden, die wir hartnäckig und mehrfach auf die Einhaltung der Hygieneregeln hinweisen müssen, wie zum Beispiel auf die korrekten Abstände. Dass jetzt Corona-Skeptiker ganz gezielt Literatur angefordert hätten, ist mir nicht bekannt. Aber Bücher rund um das Thema Gesundheit werden stark nachgefragt. Einmal mehr in Corona-Zeiten.

Desinfizieren Sie die zurückgebrachten Medien?

Nein, wir haben uns dagegen entschieden. Es wäre ein zu hoher Aufwand. Die Medien bleiben über Nacht liegen und werden erst am nächsten Tag ins Regal zurückgestellt. Da kann nichts passieren.

Anfang März durfte die Bibliothek wieder öffnen. Gab es einen Ansturm auf die Einrichtung?

Ja, wir hatten sogar Schlangenbildung und tumultartige Szenen befürchtet. Aber glücklicherweise blieben solche unschönen Szenen aus. Man merkte jedoch ganz deutlich den Hunger auf Bücher, DVDs und andere Medien. Deshalb hatten wir die letzten drei Dienstage im Februar bereits die Möglichkeit eingeräumt, die Medien zurückzugeben.

Aber auch während der Schließzeiten wurden die Nutzer in der Bibliothek fündig ...

Stimmt. Viele riefen unsere Streaming-Angebote ab. Per Telefon oder per E-Mail konnten Medien bestellt und dann entweder im Erdgeschoss oder an unserem Seiteneingang abgeholt werden. Wir haben auch per Post zugestellt und manchmal selber Bücher für unsere Nachbarn mitgebracht.

Internetplätze und Tageszeitungen sind derzeit nicht nutzbar, auch zahlreiche Veranstaltungen müssen ausfallen. Was plant die Bibliothek, wenn die Inzidenzzahlen gesunken sind?

Auch während der Schließzeiten haben wir weiterhin unsere Vorlesestunden angeboten. Eine Kollegin hat aus einem Buch vorgelesen, was dann über unsere Internetseite abgerufen werden konnte. In den Winterferien haben wir einen virtuellen Bibliotheksrundgang erstellt, bei dem auch Fragen zu beantworten waren. Der Pirnaer Bob-Rekordweltmeister und Olympiasieger Francesco Friedrich zog schließlich die Gewinner unter den richtigen Zuschriften der Wissensrallye.

Und was ist für dieses Jahr geplant?

Spätestens nach den Sommerferien wollen wir wieder unsere Krimi-Nacht aufnehmen. Für diese Reihe konnten wir für den Oktober die Schauspielerin Ulrike Bliefert gewinnen, die aus ihrem Thriller "Die Samariterin" liest. Im November kommt Jürgen Kehrer nach Pirna, der die Handlungen für die ZDF-Krimireihe Wilsberg verfasst. Was ist für dieses Jahr noch geplant? Natürlich auch die beliebte Veranstaltungsreihe für Kinder "Bibolins Bücherparty" im Herbst. Aber wir hoffen, dass wir bereits vorher Ende Juli wieder zu unseren Mondscheinlesungen im Innenhof einladen können.

Ein Blick nach Dresden. Die dortigen städtische Bibliotheken bieten seit Montag einen besonderen Service unter dem Namen "Bibliothek der Dinge" an. Unter anderem werden Musikinstrumente und Werkzeug verliehen. Ist solch eine Erweiterung eventuell auch eine Option für die Pirnaer Bibliothek?

(schmunzelt) Tatsächlich haben wir die Vitrinen dafür bereits montiert. Wir wollen künftig beispielsweise Foliergeräte, E-Book-Reader und Digital-Kameras ausleihen. Wann wir damit starten, steht aber noch nicht fest. Die Idee, die dahinter steckt, ist gut. Indem sich mehrere Menschen ein Gerät teilen, werden Ressourcen geschont. Das ist gut für die Umwelt.

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