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Meißen: Dritte Impfung startet - und keiner weiß es

Das Gesundheitsministerium nennt den September als Starttermin für einen Corona-Booster. Doch DRK, Ärzte und Ämter im Kreis Meißen wissen von nichts.

Da sieht man mal, welche Impfstoffe beliebt sind und welche nicht. Die Spritzen mit Corona-Vakzinen liegen im Impfzentrum in Nierenschalen auf einem Tisch. Bald soll es für alle vollständig Geimpften noch eine dritte Booster-Impfung geben.
Da sieht man mal, welche Impfstoffe beliebt sind und welche nicht. Die Spritzen mit Corona-Vakzinen liegen im Impfzentrum in Nierenschalen auf einem Tisch. Bald soll es für alle vollständig Geimpften noch eine dritte Booster-Impfung geben. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Meißen. Rentnerin Thea R. aus Meißen macht sich Sorgen. Sie ist schon Anfang Februar das zweite Mal gegen Corona geimpft worden. Der Hersteller des Vakzins Biontech/Pfizer empfiehlt - vor allem den vulnerablen Gruppen - nach einem halben Jahr eine Nachimpfung. Das halbe Jahr ist gleich vorbei, aber Frau R. erhält keine Informationen. Niemand weiß etwas über die nötige Auffrischungsimpfung, weder das Pflegeheim noch der Hausarzt. Ihre Tochter, so Frau R., habe gelesen, dass der Impfschutz bei Älteren nach einem halben Jahr stark zurückgeht.

Da man an dem Thema Auffrischungsimpfung dran sein, bestätigte das Bundesministerium für Gesundheit der Sächsischen Zeitung/sächsische.de. Die Ständige Impfkommission, so Doris Berve-Schucht vom Ministerium, habe zur Bearbeitung dieses Themas eine eigene Arbeitsgruppe gegründet und "wird als unabhängige wissenschaftliche Kommission bei entsprechender Datenlage eine Empfehlung dazu aussprechen". Zur Dauer des Immunschutzes und der Auffrischungsimpfung führen derzeit diverse Institutionen, Universitäten und Public Health-Institute, aber auch mehrere Hersteller eigene Studien durch. Bei den Herstellerstudien kommen sogar Booster-Impfstoffe gegen Varianten zur Anwendung, die möglicherweise erst in der Zukunft neu auftreten. Also Impfstoffe, die speziell gegen eine neue Virusvariante oder direkt gegen mehrere Virusvarianten gerichtet sind.

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Aktuell liegen aber noch keine validen Daten zu der Frage vor, wie lange der Schutz der verschiedenen Covid-19-Impfstoffe nach einer vollständig durchgeführten Impfserie anhält. Von mindestens sechs Monaten kann ausgegangen werden, so das Ministerium. Dr. Patricia Klein von der Landesärztekammer geht von mindestens sechs bis acht Monaten aus. Sie hält vermutlich jährliche Auffrischungsimpfungen für sehr wahrscheinlich. Zur vorsorglichen Planung rechnet das Bundesministerium für Gesundheit damit, dass rechtzeitig vor dem Herbst und Winter für pflegebedürftige und immungeschwächte Personen eine Auffrischimpfung empfohlen wird. Die Auffrischimpfungen für die genannten Personengruppen sollen sogar schon im September beginnen. Um in den Pflegeeinrichtungen zu impfen, sind - wie zu Jahresanfang - mobile Impfteams besonders wichtig.

Hausärzte endlich mal rechtzeitig einbeziehen

Doch allzu weit scheinen die Vorbereitungen, zumindest in der Region Meißen und Dresdner Umland, noch nicht gediehen zu sein. Das DRK als Betreiber der großen Impfzentren und auch für viele mobile Impfteams zuständig, weiß von gar nichts. Landessprecher Kai Kranich: "Aktuell liegen uns zu diesem Sachverhalt keine belastbaren Erkenntnisse vor." Impfexperte Dr. Klaus Lorenzen vom Sächsischen Hausärzteverband hat ebenfalls keinerlei Informationen erhalten. Weder von der Kassenärztlichen Vereinigung noch von der Sächsischen Landesärztekammer oder der Ständigen Impfkommission. Er hoffe, dass diesmal die Hausärzte "endlich mal rechtzeitig einbezogen" werden.

Die Meißner Elblandkliniken haben zwar auch noch keine Informationen, fühlen sich aber fit. Wie Sprecherin Sylvia Dirscherl mitteilte, hätten die Elblandkliniken in der Vergangenheit gezeigt, dass eine konzentrierte Impfaktion für Beschäftigte gut organisierbar ist. "Da die dafür erforderlichen Strukturen einmal aufgebaut sind, können wir davon ausgehen, dass wir bei eventuell erforderlichen neuerlichen Impfungen für unser Personal auch wieder ein Impfangebot machen werden – vorausgesetzt, wir würden Impfstoff bekommen", so Frau Dirscherl.

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Kann Rentnerin Thea R. jetzt beruhigt ihrer dritten Impfung entgegensehen? Vermutlich nicht. Zwar hat das Ministerium in Berlin den Starttermin September bekannt gegeben, aber die ausführenden Behörden wissen alle von nichts. Dazu gehört auch das Landratsamt Meißen. Seinem Rettungsamt liegen keine Erkenntnisse vor. Aber vielleicht dem Gesundheitsamt? Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch: "Auch unser Gesundheitsamt hat derzeit leider keine Informationen zur geplanten Umsetzung."

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