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"Die neuen Schnelltests machen uns Sorgen"

Maik Riße vom Gesundheitsamt Meißen sieht ein Durcheinander bei der Auswertung. Bis vor Kurzem liefen die Corona-Meldungen sogar noch per Fax ein.

Maik Riße ist im Gesundheitsamt Meißen verantwortlich für die Erfassung von Daten. In normalen Zeiten hat die Infektionsschutzabteilung vier Mitarbeiter, in der Hochzeit der Pandemie waren es 370.
Maik Riße ist im Gesundheitsamt Meißen verantwortlich für die Erfassung von Daten. In normalen Zeiten hat die Infektionsschutzabteilung vier Mitarbeiter, in der Hochzeit der Pandemie waren es 370. © Claudia Hübschmann

Updates zur Corona-Lage, aktuelle Informationen und spannende Gespräche mit Experten, Politikern und Menschen, die in der Pandemie Besonderes leisten: Das ist der CoronaCast von Sächsische.de. Im aktuellen Teil spricht Maik Riße, Verfahrensbetreuer im Gesundheitsamt Meißen, zur Übermittlung und Erfassung von neuen Corona-Fällen.

Die Corona-Zahlen fallen wieder, dennoch geht die Pandemie weiter. Wo drückt gerade der Schuh im Gesundheitsamt Meißen?

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Im Moment sind es die neuen Schnelltests, die jetzt eingeführt werden. Sie machen uns Sorgen. Das Mittel an sich ist die richtige Wahl, um Infektionsketten aufzudecken und zu unterbrechen. Aber die Auswertung der Ergebnisse ist nicht zu Ende gedacht.

Inwiefern?

Noch bis Ende vorigen Jahres wurden die Laborergebnisse mit einer 40 Jahre alten Technik an das Gesundheitsamt übermittelt: mit dem Faxgerät. Zum Glück hat sich das geändert. Jetzt übermitteln die Labore ihre Daten elektronisch über eine Schnittstelle. Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt müssen keine Faxe oder PDFs mehr abtippen. Die Gefahr, dass sich Zahlendreher einschleichen, ist damit verschwunden. Seit Ende November 2020 wird die Schnittstelle bei uns im Landkreis Meißen aktiv verwendet, und wir sind sehr froh darüber. Der Datenabgleich geht damit auch schneller. Das Problem mit den neuen Schnelltests ist, dass kein festgelegtes Verfahren existiert, wie die Ergebnisse der Schnelltests an die Gesundheitsämter übermittelt werden.

Sie befürchten ein Durcheinander?

So ist es. Die einen teilen uns ihre Ergebnisse mit einer Excel-Tabelle mit, die anderen mit einer Mail oder einem Anruf. Es gibt keine Norm zur Übermittlung der Testergebnisse von Antigen-Tests an die Gesundheitsämter. Der große Vorteil der neuen Schnittstelle ist damit wieder obsolet. Außerdem: Während die Labore verpflichtet sind, positive Corona-Testergebnisse den Gesundheitsämtern mitzuteilen, gilt diese Verpflichtung für einen häuslichen Schnelltest nicht. Das muss noch verbessert werden.

Sie haben eine neue Software, Sormas, die es Ihnen ermöglichen könnte, auch Fälle landkreisübergreifend zu bearbeiten und zuzuordnen. Funktioniert das schon?

Wir haben, wie alle anderen sächsischen Gesundheitsämter, Sormas nicht in Betrieb. Der Vorteil von Sormas gegenüber unserem aktuellen Programm OctowareTN ist die Möglichkeit, eine zuständigkeitsübergreifende Erfassung und Übermittlung von Fällen in den Gesundheitsämtern vorzunehmen. Da es aber keine Schnittstelle zu unserem Programm gibt, müssten wir eine Doppelerfassung von Fällen betreiben. Das ist weder effizient, noch sinnvoll. Auch verfügt Sormas noch nicht über die Schnittstelle zur elektronischen Übermittlung von Labormeldungen. Zudem lassen sich Vorschuluntersuchungen oder die Trinkwasserüberwachung nicht mit Sormas bearbeiten. Aus unserer Sicht sollte deshalb das Ziel sein, statt einer Installation von Sormas eine Schnittstelle einzuführen, welche die unterschiedlichen Softwarelösungen landkreisübergreifend miteinander kommunizieren lässt.

Unterstützen Sie auch das Impfen mit Ihrer neuen Software?

Prinzipiell wäre das möglich. Die Zuständigkeit liegt aber bei den Ländern. Unsere Aufgabe beschränkt sich auf die Weitergabe der Impfquoten von positiv getesteten Personen an das Robert-Koch-Institut.

Was sind die kritischen Bereiche für Corona-Infektionen?

Bisher haben wir vor allem Infektionsherde in den Einrichtungen wie Altenheimen, Schulen, Kitas oder Horten sehr gut im Blick. Doch wichtig wäre es auch, das auf andere Bereiche unseres Lebens auszudehnen.

Sie arbeiten im Gesundheitsamt Meißen seit vielen Monaten am Limit. Wie wurde Ihnen geholfen?

Sehr gut. Wir sind sehr dankbar für die große Unterstützung aus der Bundeswehr und anderen Bereichen der Verwaltung. Eigentlich sind wir nur vier Mitarbeiter beim Infektionsschutz, auf dem Höhepunkt der Pandemie im Januar waren wir 370 Mitarbeiter.

Bis Ende letzten Jahres erhielt das Gesundheitsamt Meißen Laborergebnisse mit dem Faxgerät. Mittlerweile geschieht das elektronisch.
Bis Ende letzten Jahres erhielt das Gesundheitsamt Meißen Laborergebnisse mit dem Faxgerät. Mittlerweile geschieht das elektronisch. © Claudia Hübschmann

Kommt die dritte Welle?

Wir können nicht in die Glaskugel sehen. Das Ausmaß der zweiten Welle ist vorab von vielen unterschätzt worden. Deshalb sollten wir vorsichtig sein. Meine persönliche Meinung ist, die Mutationen werden den bisher vorherrschenden Virus ablösen.

War das Gesundheitsamt selbst von Corona-Fällen betroffen?

Ja, aber zum Glück nicht in einem erheblichen Ausmaß.

Wie lange werden die Daten bei Ihnen gespeichert?

Medizinische Daten müssen wir zehn Jahre aufheben. Die Meldungen der positiven Fälle an die Landesuntersuchungsanstalt und zum Robert-Koch-Institut werden aber anonym übermittelt, ohne Namen und Adresse oder Telefonnummer.

Warum gab es die Änderungen in der Dauer der Quarantäne: Erst 14 Tage, dann 10 und dann wieder 14?

Die Dauer der Quarantäne beruht auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und Vorgaben des sächsischen Gesundheitsministeriums. Aber sicherlich hängt das mit den Mutationen zusammen. Man will hier auf Nummer sicher gehen, was nachvollziehbar ist. Natürlich bedeutet Quarantäne aber auch eine Einschränkung der persönlichen Freiheit und ist für den Betroffenen nicht ganz so leicht zu überstehen.

Wie werden die Daten aus den Krankenhäusern erfasst?

Noch recht altmodisch. Wir erhalten per Mail eine Excel-Tabelle. Hier haben wir noch keine moderne Schnittstellen-Lösung. Die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern funktioniert aber sehr gut.

Arbeiten Sie im Homeoffice?

Ja. Die Möglichkeit dazu wurde mir gewährt. Ermittlungen sind grundsätzlich aus dem Homeoffice möglich.

Wie lange wird uns das Thema Corona noch beschäftigen?

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