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Angela Merkel: "Fehlerlos" durch die Corona-Krise?

Angela Merkel sagt, eigentlich sei nichts schiefgelaufen. Das ist in der Sache falsch, kommentiert Peter Heimann.

Die Kanzlerin sagt, vor allem seitens der EU seien kaum Fehler gemacht worden. Das stimmt nicht. Doch warum behauptet sie es?
Die Kanzlerin sagt, vor allem seitens der EU seien kaum Fehler gemacht worden. Das stimmt nicht. Doch warum behauptet sie es? © Bernd von Jutrczenka/dpa

Es stimmt ja: Bei der nächsten Pandemie wird wahrscheinlich manches besser gelingen. Und hinterher ist fast jeder schlauer. Warum? Weil man wie im sonstigen Leben auch Fehler erkannt und benannt hat, um sie künftig so gut es geht zu vermeiden. Die Frage etwa, ob es die klügste Idee war, bei der Beschaffung des Impfstoffs zögerlich auf günstigere Preise zu setzen – und wer dafür warum wirklich verantwortlich war –, kann man später mal in allen Details beantworten.

Eines ist aber schon heute klar. Alles kann nicht richtig gelaufen sein. Selbst im Großen und Ganzen nicht. Dazu reicht ein simpler Blick auf die Wirklichkeit. Wer die Corona-Seuche zur größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg ausruft, muss halt auch danach handeln. Angela Merkels Satz, eigentlich sei nichts schiefgelaufen, ist also in der Sache falsch. Sie selbst hat es unbestritten in einer vertraulichen Runde bestätigt: „Uns ist das Ding entglitten.“

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Merkel hat Schönrederei nicht nötig

Nun ist auch die Kanzlerin nicht fehlerfrei – was eher für Angela Merkel spricht und nur ihre allerinnigsten Fans überraschen wird. Irrtümer einzuräumen, sorgt – im Großen und Ganzen – eher für mehr Ansehen als umgekehrt. Das eigentlich Fatale an Merkels Satz ist dessen kommunikative Wirkung. Viele Menschen merken ja tagtäglich, dass es ruckelt in der Impfkampagne. Wer ihnen nun vom Pferd erzählt, verliert das Wichtigste, was Politik in diesen Zeiten braucht: Vertrauen in das Krisenmanagement. Und das sinkt stetig: von fast 80 Prozent in der ersten Welle über etwa 60 Prozent zu Weihnachten auf nun unter die Hälfte. Da ist offenbar doch was schiefgelaufen – im Großen und Ganzen.

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Dabei hat es Merkel gar nicht nötig, so billig schönzureden, was nicht so toll war. Ihre Beliebtheitswerte blieben hoch, auch wenn sie vom Leben nicht nur einmal korrigiert wurde. Weder als sie Masken als Virenschleudern ablehnte noch bei ihren Behauptungen im Frühjahr und im Herbst, die beschlossenen Maßnahmen seien geeignet, erforderlich und verhältnismäßig, die Pandemie einzudämmen. Jetzt hilft dabei vielleicht der russische Impfstoff, der gerade noch arrogant belächelt wurde.

Mail an Peter Heimann.

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