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Wie Dresdens Messe die Krise überleben will

Ulrich Finger hat die Messe vor zwölf Jahren als Dresdens "Sorgenkind" übernommen. Wegen Corona steckt sie erneut in einer Krise. Doch es gibt Pläne.

Dresdens Messe-Chef Ulrich Finger hat einen Plan, das städtische Unternehmen aus der Krise zu führen.
Dresdens Messe-Chef Ulrich Finger hat einen Plan, das städtische Unternehmen aus der Krise zu führen. © Sven Ellger

Dresden. Die Messe Dresden ist tief in den roten Zahlen. Kein Wunder, denn das Kerngeschäft - Messen, Konzerte und Kongresse - fällt seit März 2020 aus. Der Schutz vor dem Coronavirus lässt solche Veranstaltungen nicht zu.

"Wir haben 2020 rund 1,5 Millionen Euro Verlust gemacht", nennt Dresdens Messe-Chef Ulrich Finger die nackten Zahlen. Der Umsatzeinbruch liegt deutlich höher, mit Gegenmaßnahmen wie Kurzarbeit für 35 Mitarbeiter und zusätzlichen Einnahmen, die erst Corona möglich machte, hat Finger bereits gegengesteuert. Unter dem Strich bleibt aber ein dickes Minus für die Messe, das es seit Jahren so nicht mehr gegeben hat.

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Dresdner Messe "im Frühjahr 2021 zahlungsunfähig"

"Ohne finanzielle Unterstützung ist die Messe Dresden laut aktuellen Prognosen im Frühjahr 2021 zahlungsunfähig" - dieser Satz in einer Vorlage von Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) klingt wie ein Weckruf.

In der Vorlage geht es darum, wie viel Geld die Stadt ihren Töchtern und Beteiligungen zusätzlich zuschießen muss, um sie wegen der Corona-Auswirkungen am Leben zu erhalten. Neben der Messe sind auch der Zoo, das Klinikum Dresden und der Flughafen betroffen.

"Einen Zuschuss haben wir schon viele Jahre nicht mehr benötigt", sagt Finger. Er sagt, damit sei die Messe Dresden wohl die einzige kommunale Ausstellungsgesellschaft, die ohne Zuschüsse auskam. Das war nicht immer so. Die Messe lief viele Jahre nicht ohne Zuschüsse. "Als ich die Messe übernommen habe, waren wir das Sorgenkind der Stadt", so Finger.

In den zwölf Jahren unter seiner Führung habe man sich einen "guten Ruf" aufgebaut und die Messe auf finanziell solide Füße gestellt.

Messe-Chef: "Wir werden überleben"

Doch mit dem Verbot von Massenveranstaltungen wurde Finger quasi die Geschäftsgrundlage entzogen. In Jahren ohne Corona macht die Messe Dresden zwischen sechs und sieben Millionen Euro Umsatz, vor allem durch Konzerte, Kongresse und eben Messen.

Bereits im April 2020 konnte Finger dann das Corona-Test-Drive-in der Stadt auf das Messegelände holen. Dieses war für rund 11.200 Personen vorgesehen, die in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen arbeiten. Das brachte zumindest Einnahmen in der Pandemie.

Im Dezember wurden dann Schnelltests für jedermann in der Messe angeboten. Derzeit ist das Corona-Impfzentrum von Dresden dort untergebracht. Das Impfzentrum bringt laut Finger rund fünf Prozent des sonst üblichen Jahresumsatzes, also etwa 300.000 Euro. "Wenn es länger bleibt, wird es etwas mehr", so der Messe-Chef. Aber es kompensiere niemals die Verluste komplett.

"Wir werden überleben", dessen ist sich Finger sicher. Dabei setze er neben den staatlichen Hilfen auf Kurzarbeit und die zusätzliche Hilfe der Stadt per Zuschuss. "Parallel stellen wir gerade alles auf den Prüfstand", erklärt Finger. "Es ist auch eine Chance, neue Wege zu gehen."

Messen für 2021 sind bereits geplant

Das bedeutet einerseits, Kosten zu sparen. Dafür hat Finger sich unlängst Kritik eingehandelt, weil er das Marketing ausgelagert und Mitarbeiter abgebaut hat. Zunächst gehe es darum, Kunden nicht komplett zu verlieren. "Unsere Hauptbeschäftigung ist gerade, Stornierungen und neue Termine für Veranstaltungen zu finden", sagt Finger. Und er plane weiterhin Veranstaltungen und Messen.

So soll die Bestatter-Fachmesse "Pieta" Ende Mai stattfinden und er hoffe auch, dass die Hochzeitsmesse "Ja-Wort", die im Januar ausfällt, im April oder Mai nachgeholt werden könne. "Wenn es die Corona-Situation zulässt und sicher anders als bisher", stellt Finger klar.

Er ist sich auch bewusst, dass eine Spielemesse wie die "Spielraum" in diesem Herbst nicht stattfinden kann - viele Kinder auf engem Raum ist aktuell kaum denkbar. Die beliebte "Dresdner Ostern" mit der Orchideen-Schau fällt 2020 aus. "Wir werden kleinere Brötchen backen", ordnet Finger ein.

Eheschließungen könnten auf Schloss Albrechtsberg eventuell ab Mai wieder möglich sein, dann eben mit wenig Gästen, inklusive der Feiern. Im Februar steht zudem ein Landesparteitag der AfD Sachsen in der Messe an.

Dresdner Messe hat nun schnelles Internet

Jetzt gelte es, dieses Jahr zu überstehen, Umsätze zu generieren, den Verlust möglichst gering zu halten und parallel im Werben um Veranstaltungen ab 2022 anzugreifen. "Durch die Umstrukturierung kümmern wir uns jetzt mehr um Eigenmessen und vor allem um die Akquise von Kongressen", erklärt Finger.

Zudem biete Corona und das Abstandsgebot auch in diesem Jahr die Möglichkeit auf zusätzliche Veranstaltungen. "Es gibt nichts, wofür sich die Messe Dresden nicht eignet, was Flächen braucht", stellt der Messe-Chef klar. Zudem habe er die maue Zeit genutzt, um zu investieren.

Die Messe hat nun Breitband und damit schnelles Internet, was sie für Nutzer attraktiver macht. "Wir sind auch nicht nur Vermieter, sondern bieten unseren Kunden ein komplettes Angebot, das ist ein Marktvorteil gegenüber anderen", so Finger.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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