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Michael Kretschmer hält an Oster-Ansage fest

Bei Sandra Maischberger bedauert Sachsens Regierungschef, Menschen die Hoffnung auf Osterurlaub genommen zu haben. Doch er steht weiter dazu.

Im Interview mit Sandra Maischberger bekräftigte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer seinen Vorstoß, dass es in den Osterferien keine Reisen geben werde.
Im Interview mit Sandra Maischberger bekräftigte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer seinen Vorstoß, dass es in den Osterferien keine Reisen geben werde. © Screenshot: SZ

Dresden. Es ist ein bisschen von beidem: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat seine schroffe Absage von Osterurlaub in Deutschland bedauert, sie im Kern aber zugleich verteidigt. „Es tut mir leid, wenn ich Menschen durch diese Äußerungen die Hoffnung genommen habe“, sagte Kretschmer am Mittwochabend in der ARD-Talkrunde „maischberger.die woche“.

Dabei wolle er doch das Gegenteil, versicherte Kretschmer. „Aber es geht mir auch darum, den Menschen klar zu machen, dass dieser Weg der Pandemie-Bekämpfung ein längerer sein wird“, sagte Kretschmer. „Aber er wird erfolgreich sein, wenn wir jetzt noch ein wenig durchhalten.“

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"Wollen wir das Erreichte preisgeben?"

Deutschland habe erfolgreich in den vergangenen Monaten die Zahl der Neuinfektionen gesenkt und den Inzidenzwert auf 60 gedrückt. Dies sei nur „mit einem wirklich sehr stringenten Maßnahmenkatalog“ möglich gewesen. „Doch das Virus hat sich nicht verändert, zumindest nicht im positiven Sinne“, so Kretschmer.

Die Mutationen seien im Gegenteil sogar wesentlich ansteckender. „Wollen wir jetzt wirklich das, was wir erreicht haben, so leichtfertig preisgeben?“, warnte Kretschmer.

Auf die Frage von Sandra Maischberger, ob er nicht leichtfertig die Hoffnung vieler Menschen aufs Spiel setze, in dem er ohne Absprache mit Ministerpräsidenten-Kollegen fast sechs Wochen vor Ostern jegliche Urlaubsmöglichkeit infrage stelle, erwiderte Kretschmer, dass es doch in einer Debatte noch möglich sein müsse, dass er seine Meinung sage. „Ist es nicht besser, die Dinge auszusprechen, wie sie sind?“, fragte Kretschmer.

Das Erfolgsrezept des Sommers wiederholen

"Wenn wir wollen, dass der Sommer 2021 genauso gut und genauso frei wird, dann müssen wir diese Pandemie austreten, dann darf sie nicht als Schwelfeuer bis zum nächsten Windstoß weiterlodern und dann wieder neu aufflammen.“ Es gebe jetzt die „Chance, das auszutreten oder in dieser Situation zu verharren“.

Dies sei die Frage, die sich alle zu Ostern stellen müssten. Maischberger gab zu Bedenken, dass Amtskollege Daniel Günther, Regierungschef in Schleswig-Holstein, durchaus Urlaub zu Ostern für möglich halte. Kretschmer konterte, da gebe es eben „unterschiedliche Wahrnehmungen und unterschiedliche Hoffnungen“.

Kretschmer forderte die Menschen dazu auf, das „Erfolgsrezept des vergangenen Sommers“ zu wiederholen. „Dann haben wir die Chance, den Juni, den Juli, den August und September mit großer Freude zu erleben. Und danach werden wir dann hoffentlich alle geimpft sein. Dann ist diese Pandemie viel ungefährlicher, als sie es jetzt ist.“

Keine harten Entscheidungen mehr

Welche Folgen Kretschmers „Osterurlaubs-Ansage“ unmittelbar für Hoteliers in Urlaubsregionen hatte, machte Maischberger durch einen kurzen Einspieler deutlich. Ein Hotelier schilderte, wie nach Kretschmers Satz, der bundesweit die Wochenend-Schlagzeilen prägte, sofort erste Stornierungen eingingen. Ob ihm das bewusst gewesen sei, welche Wirkung sein Satz haben könnte, fragte Maischberger.

Doch Kretschmer wehrte die Kritik energisch und hörbar verärgert ab. Ob seine Einschätzung denn falsch sei? Für die Existenz des Virus sei die Politik nicht verantwortlich. „Es ist da. Wir müssen damit umgehen. Und jetzt ist es natürlich so: Der Überbringer der schlechten Nachricht ist am Ende derjenige, der im Fokus steht. Das ist auch gerade das, was wir gesellschaftlich erleben – eine ganz gefährliche Entwicklung."

Es gebe eine Tendenz dazu, den Menschen nicht mehr die reine Wahrheit zu sagen, aus Angst vor der Reaktion darauf. Dies führe dazu, dass in Ländern wie Tschechien keine harten politischen Entscheidungen mehr getroffen werden könnten und man dort zwischen Schließungen und Öffnungen hin- und herschwanke. Sein Ziel sei es daher, konsequent auf eine Inzidenz von 35 zu kommen.

Psychische Gesundheit der Kinder

Die Infektionswerte an Ostern werden eine "große Auswirkung auf den Rest des Jahres haben“, sagte Kretschmer. Auf den Einwand hin, dass in Sachsen doch seit Montag bereits Grundschulen und Kindergärten geöffnet hätten, verteidigte Kretschmer diese Entscheidung erneut.

Dies sei geschehen, weil für ihn die psychische Gesundheit der Kinder sowie deren Bildung eine so große Bedeutung habe. „Wenn man diese Priorität setzt, dann muss man aber auch sagen, dann gehen andere Dinge nicht oder eben nur in einem kleineren Maße.“ Dies sei eine "Abwägungsentscheidung“ gewesen zwischen verschiedenen Schutzgütern.

"Die kann man nicht mehr erreichen"

Warum Sachsen im Herbst/Winter trotz steil steigender Infektionszahlen erst so spät reagiert habe, wollte Maischberger noch wissen. Sie zitierte dabei aus einem Interview der „Freien Presse“, in dem Kretschmer beklagt hatte, dass er "zu spät gewarnt worden" wäre. "Wir haben die Bedrohung in Sachsen nicht so erlebt wie beispielsweise in Bayern", sagte Kretschmer. Und überhaupt: Alle hätten ihn immer nur nach den nächsten Lockerungsschritten gefragt. Erst seine Besuche in Krankenhäusern hätten ihm die tatsächliche Lage klargemacht.

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Zum Schluss des Interviews wurde noch ein kurzer Ausschnitt gezeigt, als 30 Personen am Gartenzaun vor Kretschmers Privathaus in der Oberlausitz auftauchten, um mit ihm über Corona-Maßnahmen zu diskutieren. Ob er glaube, dass man mit denjenigen, die bis heute bestritten, dass auch nur ein Mensch an Corona gestorben sei, überhaupt noch reden könne und solle. "Ich glaube, die kann man nicht mehr erreichen“, sagte Kretschmer. "Aber man muss an einem solchen Punkt selber Haltung beziehen. Und es ist wichtig ist, dass man respektvoll miteinander umgeht."

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