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Ministerin stimmt Görlitzer Kritik an Impfstrategie zu

Landrat Bernd Lange will, dass der Impfstoff nicht nur nach Einwohnern, sondern auch nach Alter an die Kreise verteilt wird. Doch der Bund lehnte das ab.

Eine Kontroverse ist zwischen dem Görlitzer Landrat und der sächsischen Sozialministerin über das Impfen ausgebrochen.
Eine Kontroverse ist zwischen dem Görlitzer Landrat und der sächsischen Sozialministerin über das Impfen ausgebrochen. © Robert Michael/dpa

Harsch war die Kritik vom Görlitzer Landrat Bernd Lange am Donnerstag am Sächsischen Sozialministerium. Er sieht einen Verstoß gegen die Impfstrategie darin, dass die Impfdosen im Verhältnis zur Einwohnerzahl verteilt werden und nicht nach der Bedürftigkeit. Wenn es nach der Zahl der über 80-Jährigen ginge, die jetzt prioritär geimpft werden sollen, dann müsste der Kreis Görlitz mehr Impfdosen erhalten.

Das Sozialministerium räumt ein, dass die Kritik von Lange berechtigt ist. "Ja, man hätte von Beginn an darauf drängen müssen, den Impfstoff nicht nur nach der Einwohnerzahl, sondern auch nach anderen Kriterien wie Alter zu verteilen", erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums in Dresden. Dies habe Sozialministerin Petra Köpping (SPD) auch gegenüber dem Bund geäußert, der aber den Vorstoß abgelehnt habe. "So muss man festhalten, dass im laufenden Prozess eine Änderung hier nicht mehr möglich ist", heißt es weiter aus dem Dresdner Ministerium.

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Allerdings findet am Montag ein Impfgipfel statt. Dabei geht es auch darum, welche Auswirkungen die Zulassung des Impfstoffs von Astra-Zeneca auf die Impfreihenfolge hat und wie der Impfstoff künftig verteilt wird. Weil es über die Wirksamkeit zu wenige Daten von Menschen über 70 Jahren gibt, empfiehlt die Ständige Impfkommission den Impfstoff von Astra-Zeneca nur für Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren zuzulassen. Am Freitag sollte Sachsen die ersten Impfdosen des britisch-schwedischen Konzerns erhalten.

Im Moment haben Alten- und Pflegeheime die absolute Priorität beim Impfen. "Das wird auch noch einige Wochen so bleiben", erklärt der Sprecher des Sozialministeriums. Im Landkreis Görlitz sind die Bewohner von vier Heimen ein zweites Mal geimpft worden, in weiteren Heimen haben die mobilen Impfteams die erste Impfung verabreicht.

Sollte mehr und auch anderer Impfstoff zur Verfügung stehen, könnte nach Ansicht des Sozialministeriums über "eine Anpassung der Strategie in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Bundes nachgedacht werden".

Grundsätzlich sieht die sächsische Landesregierung im Moment die Impfung von Senioren über 80 Jahren in den Heimen für besonders wichtig an, da hier das Risiko für eine Ansteckung und einen schweren Krankheitsverlauf hoch ist.

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Allerdings leben nur rund 3.700 der 25.000 Menschen über 80 Jahre im Landkreis Görlitz in einem Altenheim. Die Mehrheit wohnt hingegen zu Hause. Für sie gibt es im Moment kaum Impftermine im Impfzentrum in Löbau, weil zu wenig Impfstoff zur Verfügung steht und Sachsen darauf achtet, dass genügend Impfstoff für die zweite Impfung nach drei Wochen zurückgehalten wird, um den geimpften Senioren den vollen Impfschutz zu geben.

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