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Mit 2G-plus ins Restaurant: Das sagen Döbelner Gastronomen

Die neuen Corona-Regeln beinhalten etwas Negatives, aber auch etwas Positives. Und die Gastwirte haben eine Hoffnung.

Von Cathrin Reichelt
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Maggie Messner bedient im Restaurant Bürgergarten die Gäste – künftig auch unter 2G-plus-Bedingungen.
Maggie Messner bedient im Restaurant Bürgergarten die Gäste – künftig auch unter 2G-plus-Bedingungen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Am Mittwoch will das sächsische Kabinett die neue Corona-Schutz-Verordnung beschließen. Danach könnten ab Freitag die Gaststätten wieder bis 22 Uhr öffnen. Restaurantbesucher, die noch keine Auffrischungsimpfung haben und Genesene, müssten sich aber zusätzlich testen. Das besagt die 2G-plus-Regel. Personen, die weder geimpft noch genesen sind, bleibt der Zutritt zu gastronomischen Einrichtungen weiterhin verwehrt.

Die Neuerungen werden als Lockerung der Corona-Regeln bezeichnet. Rocco Werner von der FDP Döbeln spricht in einer Pressemitteilung dagegen von einem „Todesstoß für viele Gastronomiebetriebe in Döbeln“.

Er kritisiert, dass die geplanten Maßnahmen mittlerweile als langfristige Einschränkungen mit konkreten und zum Teil fatalen wirtschaftlichen Folgen für viele Unternehmer in Döbeln und Umgebung wirken.

„Insofern ist auch der Einschätzung der Industrie- und Handelskammer aus Leipzig recht zu geben, dass diese getroffene Entscheidung einer 2G-plus-Regelung einem faktischen und damit echten Lockdown entsprechen“, so Werner. Und wie sehen die Gastronomen die neuen Regeln?

Schwierige Situation für das Personal

„Glücklich bin ich darüber nicht“, meint Lars Lemke, Chef des Döbelner Restaurants Bürgergarten. Allerdings habe er festgestellt, dass viele seiner Gäste bereits geboostert seien. Zudem sei er froh, dass die Gaststätten wieder bis 22 Uhr öffnen dürfen. „Ich hoffe, das bringt etwas“, sagt er. Januar und Februar seien in der Gastronomie schon immer eine tote Zeit, aber die Einschränkungen durch die Pandemie hätten es noch schlimmer gemacht.

Lemke bemängelt, dass nach wie vor klare Regelungen für Personenzahlen in Gaststätten fehlen. „Und mit uns redet keiner von den Offiziellen. Wir müssen uns alles erlesen oder erfahren Änderungen aus den Medien“, so der Gastwirt.

Auch für das Personal sei die Situation unbefriedigend. Noch halte es zur Stange. „Aber wie lange macht es jemand mit, wenn der Dienstplan durch coronabedingte Absagen von Gästen immer wieder geändert wird und der Mitarbeiter statt zu arbeiten plötzlich Zuhause bleiben soll?“, fragt Lemke.

Er wünscht sich einfach nur wieder Normalität. „Irgendwann bangen wir um unsere Existenz“, meint der Bürgergartenchef. Es sei problematisch, dass das im Sommer schwer verdiente Geld „jetzt drauf geht“ und kein Ende absehbar sei.

„Die Leute wollen für Hochzeiten und andere Feiern reservieren“, so Lemke, der für den schönsten Tag des Lebens ein Komplettpaket, unter anderem mit Fahrzeug, Fotograf, DJ und Tischdeko anbietet. Ja, eine Reservierung sei natürlich möglich. Aber kann dann auch gefeiert werden oder muss alles wieder abbestellt werden?

Hoffen auf die wärmere Jahreszeit

Trotz allem ist Lars Lemke vorsichtig optimistisch: „Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels, wenn es wärmer wird und wir den Biergarten wieder öffnen können.“ So, wie im vergangenen Jahr.

„Gar nicht gut“ findet Jörg Heinzmann, Inhaber der Gaststätte „Zur alten Bäckerei“ in Polditz 2G-plus. „Es wäre angenehmer , wenn 2G geblieben wäre. Jetzt dürfen diejenigen, die sich für die Impfung entschieden haben, immer noch nicht problemlos in die Gaststätte“, so Heinzmann.

Es sei stets eine Frage der Zeit, bis sich die Menschen an eine neue Situation gewöhnt haben. „Aber ich weiß nicht, ob uns Michael Kretschmer einen Gefallen getan hat, indem er bei 2G-plus mitmacht. Ich halte das für keine gute Variante“, meint Heinzmann. Denn die Einschränkungen werden immer mehr, erst 3G, dann 2G und jetzt 2G-plus.

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Positiv vermerkt auch Heinzmann die längere Öffnungszeit bis 22 Uhr. „Denn die Leute wollen länger sitzenbleiben“. Gleichzeitig biete er weiter eine Abhol- und Lieferkarte an, um den Stress für die Kunden zu minimieren. Außerdem soll auch Räucherware mit angeboten werden. Denn den Gästen müsse immer wieder etwas Neues präsentiert werden, damit sie auch unter den schwierigen Bedingungen wiederkommen.

Mehr als 60 Prozent Umsatz eingebüßt

2G-plus sei keine gute Lösung, aber die Öffnungszeit bis 22 Uhr viel Wert, erklärt Florian Firley, Juniorchef der Margarethenmühle in Naußlitz. Positiv sei außerdem, dass der Waldgasthof wieder Touristen beherbergen kann, wenn auch nur mit 2G-plus. Das spontane Essengehen werde durch den nötigen Test für viele Menschen aus der Region aber schwieriger.

Da der Gasthof etwas abseits gelegen ist, „überlegen wir, selbst Tests anzubieten“, so Firley. Auch, wenn das einen zusätzlichen Personalaufwand bedeute. „Ich habe bei den Maltesern bereits einen entsprechenden Lehrgang absolviert“, sagt der Juniorchef.

2G-plus sei kein wirklicher Schritt in Richtung Lockerung. Durch die strengen Regeln habe die Margarethenmühle allein im Dezember einen Umsatzrückgang von 65 Prozent im Vergleich zum Dezember 2019 verzeichnet. Und nun kommen die ohnehin umsatzschwächsten Monate des Jahres.

Wie Lars Lemke hofft auch Florian Firley auf die wärmere Jahreszeit, obwohl der Waldgasthof mit Luftfiltern, Hygienekonzept und Kontrollen per Cov-Pass-App auch für einen problemlosen Restaurantbesuch vorgesorgt hat.

Das Black Horse in Döbeln ist seit Mitte November geschlossen. „Und das bleibt es auch, bis wieder für alle der Zutritt in Restaurants möglich ist“, sagt Inhaber Uwe Binder. Er lehnt eine Einteilung der Gäste in Geimpfte, Genesene und keines von beiden ab.

Er bietet Essen außer Haus an. Aber das Geschäft sei mühsam. „Ich denke, dass sich ab dem Frühjahr etwas ändert“, meint er. Das schließt er daraus, dass das Kurzarbeitergeld für seinen Koch bis zum März verlängert worden ist.