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Mit achtzig Fragen um die Welt

Querdenker ja! Wenn der Kopf aber nun ein Loch hat? Ein satirischer Nachschlag von Kabarettist Wolfgang Schaller.

Kabarettist Wolfgang Schaller
Kabarettist Wolfgang Schaller © Sebastian Kahnert/dpa

Sitzt er noch als Abrissbirne im Weißen Haus oder ist er weg? Oder wird er nie weg sein, weil er in siebzig Millionen Wählern sitzt, die lieber einen Lügenbaron (nachweislich 22.247 falsche Accounts) wählten, weil sie den politischen Eliten nicht mehr glauben? Weil sich der arbeitslose Autobauer in Detroit und der Farmer in Iowa Jahrzehnte verarscht vorkamen, vergessen, abgeschrieben. Da wählten sie lieber einen, der, wie es bei Lanz ein Unternehmer auf den Punkt brachte, „einen an der Waffel hat“, weil er Flüchtlinge Tiere nannte und Afrikaner Dreck und Kim Jong Un seinen liebsten Freund. So einen zu wählen, muss man da die Hoffnung ganz verloren haben oder den Verstand?

Aber Detroit ist auch in Bitterfeld und der Farmer wohnt in Mecklenburg und wählt vielleicht einen, der beim Wort homosexuell gleich an pädophil denkt und befürchtet, Kurzarbeiter könnten sich daran gewöhnen, ihren Hintern nicht mehr vom Sofa hochzukriegen. Es reicht zwar nicht für eine Waffel, nur für einen Keks. Warum merkt das keiner, dass da einer als Mustermann der Banken und Konzerne im Wachstumsrausch hilft, die Welt an den entlaubten Baum zu fahren? Schwarze Löcher sind da, aber man sieht sie halt nicht.

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Wenn Biden Heiland ist, dann ist Florian Silbereisen ...

Merz hätte, wie er sagte, gut mit dem an der Waffel leben können. Aber nun dürfen wir mit Biden leben. Endlich wieder einer von uns, da lacht die Kanzlerin am ganzen Körper und verspricht höhere Rüstungsausgaben im Land, das voriges Jahr mit einer Steigerung der Militärausgaben von über 10 Prozent Aufrüstungsweltmeister war. Und Biden fordert: Nordstream weg! Da müssen wir ihm doch in unverbrüchlicher Freundschaft als souveränes Land entgegenkommen, oder? Wenn Biden Heiland ist, ist dann Florian Silbereisen Frontsänger von Rammstein?

Noch Fragen? Warum wird ein Lampionzug von zwanzig Kindern verboten, aber eine Demo gestattet, bei der sich Zwanzigtausend brüderlich und schwesterlich vereinen: die Zweifler und Zweiflerinnen, die Autonomen und Autonominnen, die Impfgegner und -gegnerinnen und mittendrin die kumpelhaften Nazis und Nazistinnen? Und alle wollen friedlich tanzen und rufen: Frau Merkel muss weg! Weil an Frau Merkels Busen Bill Gates chinesische Viren im Auftrag des israelischen Geheimdienstes gezüchtet hat. Noch gibt es keinen Impfstoff gegen Dummheit.

Ist was faul im Staate Sachsen?

Nur weil bei einigen der Verstand Insolvenz angemeldet hat, darf ich da noch zweifeln und fragen, ob es demokratisch ist, in den Hinterzimmern der Macht unter Umgehung des vom Volk gewählten Parlamentes Infektionsschutz zu diktieren und ob da Aktionismus oder Wahlkampf im Spiel sind oder gar bei irgendjemandem Gelüste, zu testen, wie weit man Grundrechte aushebeln kann? Oder werden bei solchen Fragen schon die Wasserwerfer auf mich gerichtet?

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Nur weil manche offensichtlich mit schon vom Virus zerfressenen Hirnzellen wegen eines verordneten Mundlappens von Unfreiheit und Diktatur faseln und vergessen, dass in Diktaturen Polizisten Andersdenkende niederknüppeln? Noch sind wir ja nicht so weit. Noch. Aber so weit sind wir schon: Dass in Dresden am 9. November anlässlich der Reichspogromnacht ein Gedenken an von Nazis zerstörte Synagogen und in KZs geschleppte Juden wegen Corona nicht gestattet, aber am gleichen Tag der Aufmarsch der besorgten besorgniserregenden Bürger samt Ansprache eines Nazis gestattet wird, Hakenkreuze eingeschlossen. Haben Behörden das rechte Auge geschlossen? Oder kann man ein Auge gar nicht schließen, wenn es nicht vorhanden ist? Oder ist was faul im Staate Sachsen? Oder wie oder was?

Ach, hätten doch Kneipen geöffnet, man könnte sich alles schönsaufen. Aber nur die Kirche ist geöffnet, Gott ist systemrelevant, und ich schenke Jesus eine Maske, dass er gesund bleiben möge. Es ist ja so schon alles ein Kreuz.

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