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Mit Astrazeneca geimpft - was nun?

Zwei unter 60-Jährige aus Lohmen hatten sich mit dem Impfstoff impfen lassen, als das noch möglich war. Sie ärgern sich über eine angeblich laxe Aufklärung in Pirna.

War einer der Letzten unter 60-Jährigen, die noch mit AstraZeneca in Pirna geimpft wurden: der Lohmener Oliver Zarski.
War einer der Letzten unter 60-Jährigen, die noch mit AstraZeneca in Pirna geimpft wurden: der Lohmener Oliver Zarski. © Daniel Schäfer

Er ist einer der letzten unter 60-Jährigen, die noch mit dem Impfstoff von Astrazeneca gegen das Coronavirus geimpft wurden. Oliver Zarski war eigentlich froh, dass er bereits am 30. März einen Termin im Impfzentrum in Pirna erhalten hat. Er gehört zur Gruppe der Personen mit der zweithöchsten Priorität. Dabei sind sehr viele mit der höchsten Impf-Priorität noch nicht mal dran gewesen.

Doch wie das im Impfzentrum abgelaufen ist, beschäftigt ihn noch bis heute. "Ich hatte im Nachhinein das Gefühl, dass mir Astrazeneca regelrecht angedreht wurde", sagt der 52-Jährige. Sollte das so gewesen sein, waren die freundlichen Beschäftigten im Impfzentrum in Pirna-Jessen immerhin erfolgreich.

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Warum müssen Termine rechtzeitig storniert werden?

Denn eigentlich war Zarski zu einer Impfung mit Biontech/Pfizer gekommen. So stand es jedenfalls auf seiner Terminbestätigung. "Man versicherte uns, dass sich keinerlei Biontech Impfstoff im Impfzentrum befände. Daraufhin habe ich mich bereit erklärt, den Impftermin zu verschieben, bis der Impfstoff wieder zur Verfügung stünde", sagt er.

Eine Verschiebung des Impftermins können Impfzentren aber nicht veranlassen. Darauf haben sie keinen Zugriff. Wird ein Impftermin abgesagt, muss dieser komplett auf dem Impfportal gelöscht und neu beantragt werden. Das DRK erklärt dazu: "Wer einen Termin nicht wahrnehmen kann oder will, sollte unbedingt frühzeitig den Termin stornieren, damit wir ihn neu vergeben können", sagt Sprecher Kai Kranich. Am selben Tag sei das zu spät.

Im Impfzentrum in Pirna wurde Zarski erklärt, dass er aber nicht damit rechnen kann, erneut für Biontech/Pfizer eingetragen zu werden. Aufgrund seiner Priorisierungsgruppe 2 würde man ihm auf jeden Fall Astrazeneca verabreichen.

Welche Nebenwirkungen wurden benannt?

Das stimmte bis zum 30. März vermutlich sogar. Biontech sollte für die über 60-Jährigen verfügbar bleiben. Wegen der fehlenden Studien mit älteren Probanden hatte die Ständige Impfkommission in Deutschland den Impfstoff von Astrazeneca zunächst nur für unter 60-Jährige empfohlen. Das ist inzwischen genau anders herum, wegen der bei ganz wenigen Jüngeren aufgetretenen Thrombosen.

"Eine DRK-Mitarbeiterin sagte beschwichtigend, dass die schweren Nebenwirkungen in der Regel Frauen betreffen und ich mir als Mann eher keine Sorgen machen sollte", erklärt Zarski. Das wollte er sich vom Impfarzt bestätigen lassen, der sich tatsächlich ähnlich äußerte und auch Thrombosen nannte.

Der Lohmener kommt aus einer ganz anderen Branche. "Was weiß ich schon von Impfstoffen und Thrombosen?", sagt Zarski. Deshalb habe er ja dem Beratungsgespräch mit dem Impfarzt besondere Bedeutung beigemessen. Auf alle Fragen hatte aber auch dieser keine Antworten. "Er erklärte, er wäre auch mit Astrazeneca geimpft worden, kann nichts Nachteiliges berichten", sagt Zarski.

Wie wichtig ist das Beratungsgespräch?

Der Lohmener war zusammen mit seiner Partnerin zum Impfen gekommen. Ihr Termin war einige Minuten später. "Ihr als Frau wurde das aber nicht gesagt", erzählt Zarski. Aus seiner Sicht sei das zu lax gehandhabt worden. Beide haben keine Nebenwirkungen der Impfung gehabt. Aber worauf man hätte achten müssen, wie lang anhaltende Kopfschmerzen oder Ähnliches, hätte in dem Beratungsgespräch unbedingt gesagt werden müssen.

Mit seinem Bericht will er nicht die Bedeutung der Impfkampagne infrage stellen. Er hoffe aber, dass die Beratungsgespräche nicht zur Routine werden und künftig angemessener auf die Nebenwirkungen hingewiesen wird.

Was sagt das DRK?

Wer einen Impftermin hat, habe nicht automatisch Anspruch auf den Impfstoff, der dort vermerkt ist. "Das hilft uns aber in der Logistik", sagt DRK-Sprecher Kai Kranich. In den allermeisten Fällen gab es auch den in der Vorauswahl genannten Impfstoff.

Als es zu Lieferengpässen von Biontech kam, wurden auch Personen informiert, dass ihr Termin storniert werden musste. Dass das bei besagten Fällen in Pirna nicht erfolgte, könne darauf zurückgeführt werden, dass für Oliver Zarski und seine Partnerin ja ein Angebot mit Astrazeneca vorhanden gewesen sei.

Dem DRK sei bewusst, dass das keine befriedigende Situation ist. Man habe selbst in den Impfzentren aber keinen Einfluss auf die Terminvergabe. Wenn es dann auch noch Lieferengpässe gibt, habe das Impfzentrum gar keine andere Möglichkeit, als auf den Wechsel zu einem anderen Impfstoff hinzuweisen. Am 30. März war das für unter 60-Jährige den gesamten Tag noch Astrazeneca.

Erst um 21.30 Uhr teilte das Sozialministerium mit, dass ab 31. März keine Impfungen mit Astrazeneca mehr für unter 60-Jährige angeboten wird. "Das ist unser Auftraggeber", erklärt Kranich. Zum Impfzeitpunkt von Oliver Zarski galt der Stopp noch nicht.

Wie erfolgt die zweite Impfung?

Zum Abschluss der Erstimpfung erhalten alle in der Regel gleich den Termin für die Zweitimpfung, und zwar mit dem selben Impfstoff. Anders bei Menschen, die unter 60 Jahre alt sind und bereits eine Impfung mit Astrazeneca hatten. Diese sollen dann einen mRNA-Impfstoff erhalten beispielsweise von Biontech/Pfizer oder Moderna. Das hat die Ständige Impfkommission in Deutschland empfohlen.

Darüber musste sich Zarski aber selbst informieren. "Bis heute hat uns darüber niemanden anderes aufgeklärt", sagt der Lohmener. "Auch wir haben dazu noch keine klare Aussage erhalten", erklärt Kranich. Weil der Abstand der Erst- zur Zweitimpfung bei Astrazeneca mit zwölf Wochen recht groß ist, drängt die Entscheidung noch nicht.

Wie viele Personen sind im Landkreis geimpft?

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge waren mit Stand von Mittwoch, dem 7. April, rund 16.000 Menschen vollständig geimpft. Im Impfzentrum Pirna, sowie den zugehörigen mobilen Impfteams und den Hausarztpraxen im Pilotprojekt wurden bisher 25.596 Erstimpfungen und 14.676 Zweitimpfungen abgegeben.

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Zusätzlich dazu wurden auch noch parallel Beschäftigte in den Krankenhäusern geimpft, deren Zahl auf Nachfrage bei den Kliniken inzwischen mehr als vierstellig ist. Insgesamt liegt die Erstimpfquote im Landkreis bei knapp zwölf Prozent, wie in Deutschland insgesamt auch.

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