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Miteinander verbunden – trotz Abstand

Hinter einem Lächeln steckt mehr Positives, als viele denken – für einen selbst und für andere.

Freundlichkeit und Lächeln tut jedem gut. Was wir für andere tun, tun wir in diesem Fall auch für uns.
Freundlichkeit und Lächeln tut jedem gut. Was wir für andere tun, tun wir in diesem Fall auch für uns. ©  Pixabay

Von Ilona Bürgel

Mir ist kürzlich beim Anblick einer Mutti mit Kinderwagen aufgefallen, dass kleine Kinder, die heute heranwachsen, ihre Eltern oft mit Maske erleben, dass sie seltener einen lächelnden Mund sehen. Ich dachte daran, wie sehr uns allen dieses Lächeln fehlt.

Doch dann hielt ich inne und merkte: Hier mache ich mir etwas vor. Denn vor der Pandemie haben mir ganz viele Menschen erzählt, wie schade sie es finden, dass in unserem Land so wenig gelächelt wird, zumindest von uns Erwachsenen. Wir haben uns für den Ernst des Lebens entschieden – und das sieht man uns an. Haben Sie nicht auch schon manchmal in anderen Ländern gedacht, dass die Menschen dort weniger Wohlstand haben als wir und doch so viel offener und freundlicher sind?

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Warum ist Lächeln so wichtig? Fangen wir mit dem eigenen Gefühl an. Wenn uns jemand anlächelt, fühlen wir uns wohl, es tut einfach gut. Kaum jemand widersteht einem Lächeln und erwidert es nicht. Es ist ein Weg für Menschen, sich zu verbinden. Für uns selbst ist das Lächeln ein Signal an das Gehirn, dass alles in Ordnung ist.

Aus Gedanken werden Gefühle

Unser Gehirn ähnelt dem unserer Vorfahren noch sehr. Ihnen ist das Lächeln vergangen, wenn vor ihnen plötzlich ein Säbelzahntiger stand. Lächeln heißt für unser Gehirn, wir sind in Sicherheit. Lächeln wir nicht, bedeutet das für das Gehirn umgekehrt, es ist etwas nicht in Ordnung. Genauso fühlen wir uns auch. Mehr noch. Unser Gehirn sucht aktiv nach Informationen, die zu unserem unguten Gefühl passen. Es findet garantiert irgendetwas, was uns stört. Es entsteht eine Abwärtsspirale aus unangenehmen Gedanken, Gefühlen und passender Körperhaltung.

Nur gut, dass dies auch umgekehrt funktioniert. Lächeln wir uns selbst gleich morgens an, dann kommen gute Gedanken und Informationen auf, ein positiver Kreislauf entsteht.

Unsere Kolumnistin Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig.
Unsere Kolumnistin Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und in Dresden u. a. als Coach und Autorin tätig. © Matthias Rietschel

Wenn wir bedauern, dass wir weniger Freundlichkeit oder Verbundenheit leben als andere Kulturen, sollten wir dies ändern. Es lohnt sich. Denn positive soziale Gefühle, wie zu einem Team, einer Familie oder einem Freundeskreis dazuzugehören, Hilfsbereitschaft oder Mitgefühl sind die Wertvollsten aller angenehmen Gefühle. In diesen Tagen ist es besonders wichtig, dass wir selbst jede Chance nutzen, anderen verbunden zu sein. Das kann schon ein Grüßen, ein Lächeln oder ein freundliches Wort zum Postboten sein. Wenn wir mit dieser guten Absicht aus dem Haus gehen, werden außerdem viel mehr Menschen auf uns zukommen, die uns wohlgesonnen sind. Diese Art von Verbindung kann man auch mit räumlichem Abstand herstellen.

Im Übrigen ist ein Lächeln die perfekte Anti-Stress-Prophylaxe, denn es wird Oxytocin ausgeschüttet. Das sogenannte Kuschelhormon entspannt uns. Es balanciert das durch die vielen Belastungen dieser Zeit reichlich gebildete Stresshormon Cortisol aus. Vor allem, weil wir gerade weniger Möglichkeiten zum Kuscheln haben, werden Lächeln und Augenkontakt zur Ausschüttung dieses wohltuenden Botenstoffs umso wichtiger.

Was wir für andere tun, tun wir auch für uns

Dazu dieses Erlebnis: Ich war auf dem Weg zu einem Spaziergang und hatte gerade über das Thema Lächeln und Masken nachgedacht. Ich nahm im Freien erfreut die Maske ab und wartete an der Ampel, dass die Straßenbahn aus der Gegenrichtung vorbeifuhr. Ich dachte voller Dankbarkeit daran, wie gut ich es habe, dass ich spazieren gehen kann, während andere Menschen für mich arbeiten. Mit diesen Gedanken des Lächelns und der Dankbarkeit sah und lächelte ich den Fahrer der Bahn herzlich an. Dieser lächelte sehr freundlich und angenehm überrascht zurück und schenkte mir noch ein Miniklingeln.

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Was war geschehen? Ich hatte einfach einem der Menschen, die wir sonst nie richtig ansehen, in die Augen geschaut und ein Lächeln geschenkt. Schon waren die Batterien von uns beiden wieder aufgetankt. Freundlichkeit kostet weder Geld noch Zeitaufwand. Nur Bewusstsein und die Bereitschaft, sie zu verschenken. Wir erleben derzeit viel räumliche Distanz. Doch auf der menschlichen Ebene können wir uns immer verbinden – immer und überall. Mit nahen oder fernen Menschen, mit Bekannten oder Unbekannten.

Die einzige Hürde, die es zu überwinden gilt, ist der Gedanke, die anderen mögen doch anfangen. Warum immer ich? Weil Freundlichkeit und Lächeln jedem guttun. Was wir für andere tun, tun wir in diesem Fall auch für uns.

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