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Heidenauer Möbelwerk gewinnt in der Krise

Maik Hippel hat in 40 Jahren viel durchgemacht. In Corona-Zeiten erweitert er nun sogar den Betrieb. Ganz ohne Risiko ist das nicht.

Vom Lehrling zum Werkleiter und durch mehrere Krisen: Maik Hippel hat im September sein 40-jähriges Firmenjubiläum.
Vom Lehrling zum Werkleiter und durch mehrere Krisen: Maik Hippel hat im September sein 40-jähriges Firmenjubiläum. © Norbert Millauer

Was machen die Leute, wenn sie nicht verreisen können? Sie machen es sich zu Hause schön. Davon profitiert auch das Heidenauer Möbelwerk. Schlafzimmer und Schränke werden hier produziert. Bis zu 1.500 Schränke und 800 Schlafzimmer pro Tag. In den nächsten fünf Jahren sollen diese Zahlen bis zu zweistellig gesteigert werden. Dafür schafft das Möbelwerk jetzt die Voraussetzungen.

Fertig ist inzwischen die Halle auf dem ehemaligen Heidenia-Gelände. Ein Teil der künftige Produktionsanlage steht. Ab Juli soll hier die Möbelproduktion erweitert werden. Werden jetzt zwischen 8.000 und 8.500 Pakete am Tag gepackt, sollen es künftig bis zu 11.000 sein. Zur Veranschaulichung: Ein Schrank kann schon mal aus fünf Paketen bestehen. Mehr Produktion und mehr Pakete brauchen auch mehr Platz für die Verpackung und Logistik.

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Umzug in den ehemaligen Praktiker

Dieser Bereich zieht deshalb nach und nach in den ehemaligen Praktiker, um damit auch wieder Platz für die Produktion zu machen. Die ersten vier Mitarbeiter haben im früheren Gartencenter schon ihren Arbeitsplatz. Hier wird jetzt zunächst sortiert, verpackt und versandfertig gemacht, was auch zu den Möbeln gehört, aber nicht in Heidenau produziert wird, wie zum Beispiel Beschläge, Schlösser und Schlüssel.

Wo einst die Firma Heidenia stand, steht jetzt die neue Fertigungshalle des Heidenauer Möbelwerkes. Im zweiten Halbjahr soll hier die Produktion anlaufen.
Wo einst die Firma Heidenia stand, steht jetzt die neue Fertigungshalle des Heidenauer Möbelwerkes. Im zweiten Halbjahr soll hier die Produktion anlaufen. © Norbert Millauer

Dann der Wohnungsliebe der Kunden ist das Heidenauer Möbelwerk bisher gut durch die Corona-Zeit gekommen. Der Verlust des Frühjahrs konnte zum Ende des vergangenen Jahres nicht ganz ausgeglichen werden, sodass ein leichtes Minus blieb. Auch trotz kürzerer Sommerpause und Sonnabendarbeit, für die die Mitarbeiter auch Prämien erhielten.

Das Wegbrechen von heute auf morgen hat seine Spuren hinterlassen. "Darauf konnte man nicht vorbereitet sein", sagt Werkleiter Maik Hippel. Aber man hat die Zeit danach genutzt, den Markt zu analysieren, sich neu zu ordnen. Jetzt läuft es für die 155 Beschäftigten richtig gut. Von Montag bis Freitag wird bei hoher Nachfrage in bis zu drei Schichten gearbeitet, manchmal eben auch noch sonnabends.

Tanja Mueller (r.) und Rosemarie Schulze gehören zu den ersten vier Möbelwerk-Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz jetzt im Gartencenter des einstigen Praktiker-Marktes haben.
Tanja Mueller (r.) und Rosemarie Schulze gehören zu den ersten vier Möbelwerk-Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz jetzt im Gartencenter des einstigen Praktiker-Marktes haben. © Norbert Millauer

Kam der Einbruch 2020 überraschend, hat man sich danach schnell umorientiert. Statt Aufträge über die großen Ketten, kommen die Bestellungen nun auch in Heidenau online. "Das hat sich verlagert", sagt Werkleiter Maik Hippel. Er hat im September sein 40-jähriges Betriebsjubiläum. Angefangen als Lehrling, ist er seit 16 Jahren Werkleiter. Sein Sohn arbeitet in der Vertriebsfirma Wiemax, die auch die Heidenauer Möbel vertreibt. Heidenauer Möbel stehen nicht nur in deutschen Wohnungen, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Holland, England, Frankreich, Süd- und Südosteuropa bis nach Pakistan und Saudi-Arabien.

Sozialismus, Wende, Hochwasser, Ausschreitungen

So gut die Möbelwerker jetzt zu tun haben, irgendwann haben alle, die es wollen, sich neu eingerichtet. Weder Schlafzimmer noch Schränke gehören zu den Dingen des "täglichen Bedarfs". Die Krise könnte also durchaus verzögert auch in Heidenau ankommen. "Da ist höchste Vorsicht geboten", sagt Hippel. Doch das Werk würde nicht auf Zuwachs setzen, wenn es nicht Notwendigkeit und Chancen sehen würde. "Es sind die Marktbreite und unsere auftragsbezogene, also individuelle Endfertigung, die uns viel Sicherheit geben", sagt Hippel. Dennoch: "Das Risiko bleibt." Während Unternehmen auch ohne Planwirtschaft heute ein Jahr planen, ist in Corona-Zeiten nicht klar, wie das dritte oder vierte Quartal läuft.

Ungeachtet dieser Unsicherheit bilden die Möbelwerke weiter aus. Das ist die Investition, die sich in all den Jahren bezahlt gemacht hat, sagt Hippel. Holzmechaniker, Maschinenanlagenführer, Berufsakademie-Studenten und Logistiker sind die, die künftig New York, Easy und die anderen Möbel herstellen.

Hippel hat in seinen 40 Jahren im Heidenauer Möbelwerk die sozialistische Produktion erlebt und die Wende, das Hochwasser 2002 und die Praktiker-Ausschreitungen im August 2015, die Finanzkrise 2008/09 und Corona. "Meinen Optimismus lass ich mir nicht nehmen", sagt er heute.

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