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Radebeul

Moritzburger Herbstmarkt abgesagt

Statt des traditionellen Abfischens sollte es in Corona-Zeiten an zwei Wochenenden eine kleine Alternative geben. Doch auch daraus wird nun nichts.

Das traditionelle Fisch- und Waldfest in Moritzburg war bereits im August abgesagt worden. Nun kann auch der als Ersatz geplante Herbstmarkt nicht stattfinden.
Das traditionelle Fisch- und Waldfest in Moritzburg war bereits im August abgesagt worden. Nun kann auch der als Ersatz geplante Herbstmarkt nicht stattfinden. © Norbert Millauer

Moritzburg. Am Dienstag hatten Gundula Bleul und Henry Lindner noch darauf gehofft, dass der Herbstmarkt auf dem Schlossparkplatz wie geplant an diesem und am nächsten Wochenende stattfinden kann. Auch wenn das von der gemeindeeigenen Kulturlandschaft Moritzburg GmbH (KLM) beim Gesundheitsamt des Landkreises Meißen eingereichte Hygienekonzept bis zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigt war. 

Am Donnerstagvormittag verschickte die Geschäftsführerin der KLM dann aber eine E-Mail, mit der sie über die Absage der beiden Veranstaltungen informiert: "Aufgrund der aktuellen Pandemiesituation und der steigenden Corona-Zahlen auch im Landkreis Meißen haben wir uns entschieden, den für die Wochenenden 24./25. Oktober und 31. Oktober/1. November 2020 geplanten Herbstmarkt Moritzburg nicht durchzuführen."

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Nach Empfehlung des Gesundheitsamtes und in Abstimmung mit der Gemeinde Moritzburg reagiere man damit im Sinne der Gesundheit der Mitarbeiter an den Verkaufsständen und der Besucher  auf die sich aktuell zuspitzende Corona-Situation. "Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Wir bitten um das Verständnis aller Beteiligten", so Gundula Bleul.

Auch Henry Lindner, der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg GmbH, bedauert die Absage. Der Fischereibetrieb richtet gemeinsam mit der KLM und dem Sachsenforst seit zehn Jahren das Fisch- und Waldfest in Moritzburg aus, das traditionell am letzten Oktober-Wochenende am Schlossteich stattfindet. Ein Höhepunkt des Spektakels, das jährlich bis zu 35.000 Besucher anzieht, sind die kommentierten Fischzüge im Schlossteich, bei denen die Karpfen aus dem Wasser geholt werden.

Für die Teichwirtschaft Moritzburg ist die Veranstaltung auch eine wirtschaftliche Größe. Im Durchschnitt werden  während des Festes zwischen zwei bis drei Tonnen Karpfen verkauft. „Neben dem Frischfisch ist auch der angebotene Räucherfisch sehr gefragt.“ Je nach Wetter sichert das der Teichwirtschaft so um die zehn Prozent ihres Jahresumsatzes, wie Henry Lindner sagt.  „Schließlich erzielen wir beim Direktverkauf den größten Gewinn.“ 

Die Absage des Fisch- und Waldfestes im August traf die Teichwirtschaft daher auch hart. „Das bedeutet für uns schon eine erhebliche Einbuße. Wir müssen sehen, wie wir den so nicht möglichen Umsatz in diesem Jahr auf andere Weise hereinholen“, hatte der Teichwirtschaftsgeschäftsführer damals auf SZ-Nachfrage gesagt.

Die Idee der KLM  war, mit kleinen Spezialmärkten im Herbst in Moritzburg wenigstens in gewissem Umfang einen Ausgleich und Ersatz vor allem für die Teichwirtschaft und auch die anderen betroffenen Händler zu schaffen, die normalerweise ihre Verkaufsstände beim Fisch-und Waldfest aufbauen. 

Die geplanten und nun ebenfalls abgesagten Herbstmärkte waren eine solche Alternative. Wie Gundula Bleul auf Nachfrage der SZ am Donnerstag sagte, habe das Gesundheitsamt zum jetzigen Zeitpunkt die Veranstaltungen zwar nicht untersagt, "aber die Auflagen des Gesundheitsamtes des Landkreises Meißen zum Hygienekonzept beziehungsweise zur Durchführung sind aktuell und kurzfristig für uns nicht realisierbar."  

Das betreffe beispielsweise die Regulierung der Besucherströme an den Zugängen zum Marktgelände. "Es wäre für uns nicht möglich, dafür zu sorgen, dass sich dort keine Menschentrauben bilden." Zudem befindet sich die aktuelle Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner  mit 42,2 nur noch knapp unter dem kritischen Wert von 50, bei dem auch der Landkreis zum Risikogebiet werden würde. 

"Es bringt ja nichts, wenn wir es trotz dieser kritischen Situation versuchen und den Markt dann am Sonnabend früh hätten absagen müssen." Das hätte für die Händler, die frische Waren und Speisen anbieten, dann nur zusätzliche Kosten und möglicherweise Einbußen bedeutet. 

Auch die Teichwirtschaft war bereits mitten in den Vorbereitungen. Der Betrieb wollte auf den beiden Märkten jeweils mit zwei Verkaufsständen und einer Gulaschkanone vertreten sein. In dieser sollte die beliebte Bärnsdorfer Fischsuppe zubereitet werden. An den Ständen war der Verkauf von Räucher- und Backfisch sowie Fischbrötchen und  Karpfen im Bierteig geplant. Auch Frischfisch – Karpfen und Forelle – sollten die Besucher kaufen können. 

"Der Fisch für den Räucherfisch war schon gesalzen und sollte heute durch die Räucheröfen gehen", sagt Henry Lindner. "Zum Glück können wir den einfrieren und später räuchern und im Hofladen verkaufen."  Der ist auf dem Fischereihof in Bärnsdorf immer freitags von 10 bis 17 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr geöffnet. "Am 31. Oktober wegen des Feiertages allerdings nicht." 

Gundula Bleul und Henry Linder hoffen nun, dass "wir das Fisch- und Waldfest im Oktober nächsten Jahres wieder in bekannter Art und Weise durchführen können. 

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