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Mutiertes Virus innerhalb Dresdens weitergegeben

Die britische und die südafrikanische Variante konnten bereits nachgewiesen werden. Es herrscht noch reger Reiseverkehr aus den Risikoländern.

Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht haben die Zahl der Neuinfektionen nach unten gedrück.t Nun herrscht Sorge vor Mutationen.
Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht haben die Zahl der Neuinfektionen nach unten gedrück.t Nun herrscht Sorge vor Mutationen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Die Infektionszahlen sinken. Doch die Furcht vor neuen Virusmutationen ist groß. Würde eine der ansteckenderen Varianten jetzt die Oberhand gewinnen, würde die Coronakurve wieder exponentiell steigen, warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch.

Trotz dieser Gefahr finden immer noch Reisen zwischen den Virusvarianten-Ländern Großbritannien, Südafrika, Brasilien, Portugal und Irland sowie Dresden statt. Das hat eine SZ-Anfrage ergeben. Durch zwei dieser Reisen konnten Viren bereits in die Landeshauptstadt gelangen.

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Wie viele Menschen reisen noch aus Risikoländern ein?

Allein in den vergangenen zwei Wochen sind mehr als 50 Reisende aus den fünf benannten Virusvarianten-Ländern zurück nach Dresden gekommen. Wie das Gesundheitsamt auf Anfrage mitteilt, waren es zwischen dem 25. Januar und dem 5. Februar insgesamt 20 Rückkehrer aus Portugal, zwölf aus Großbritannien, elf aus Brasilien, sechs aus Südafrika und vier aus Irland.

In diesen fünf Ländern zirkulieren Virusmutanten, die als besonders ansteckend gelten. Ob sie auch tödlicher sind, konnte bislang nicht mit absoluter Sicherheit geklärt werden.

Ist die Einreise denn überhaupt noch erlaubt?

Ja. Zwar gilt ein Beförderungsverbot für Menschen aus Virusvarianten-Ländern, zu denen neben Großbritannien, Südafrika, Brasilien, Portugal und Irland inzwischen auch Botsuana, Lesotho, Malawi, Mosambik, Sambia und Simbabwe gehören.

Die Einstufung nimmt das Robert-Koch-Institut vor. Ausnahmen gelten aber für deutsche Staatsangehörige, die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Sie dürfen reisen.

Dafür müssen sie allerdings eine ganze Reihe von Pflichten erfüllen. Zunächst einmal müssen sie sich vor der Einreise über das Internet anmelden. Darüber hinaus müssen Reisende nachweisen können, dass sie nicht infiziert sind - und zwar, bevor sie deutsches Staatsgebiet betreten. Sprich: Es ist ein aktuelles Testergebnis notwendig, das zum Beispiel der Fluggesellschaft vorgelegt wird. Das muss jeder privat bezahlen.

Reisen ins Ausland sind dagegen uneingeschränkt möglich. Wer jetzt in Hoch-Risikogebiete fahren möchte, darf das, zumindest von Seiten der deutschen Regierung. Die Zielländer selbst haben natürlich eigene Einreisebestimmungen.

Dürfen sich diese Reisenden frei in Dresden bewegen?

Nein, wer aus einem Virus-Variantengebiet kommt, muss sich sofort nach Hause begeben und zwingend 14 Tage in Quarantäne bleiben. Eine Abkürzung durch ein negatives Testergebnis ist nicht möglich. Das regelt die Sächsische Quarantäne-Verordnung.

Während der Quarantäne ist es nicht erlaubt, das Haus oder die Wohnung zu verlassen und Besuch zu empfangen. Bei einem Verstoß kann ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro fällig werden.

Konnte die Verbreitung der Varianten bisher verhindert werden?

Diese Frage kann nicht absoluter Sicherheit beantwortet werden. Denn nicht jedes positive Corona-Testergebnis wird noch einmal auf Varianten untersucht. Deutschlandweit würden aktuell nur etwa 20 Prozent dieser Proben sequenziert, sagte Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums, in dieser Woche im SZ-Gespräch. Aus seiner Sicht reiche das aber nicht aus, um ein umfassendes Bild zur Verbreitung der Varianten erhalten.

Wie hoch die Sequenzierungsquote in Dresden ist, kann das Gesundheitsamt zwar nicht sagen. Doch bei allen Personen, die positiv auf Corona getestet wurden und bei denen eine Infektion im Ausland oder mit Bezug zum Ausland wahrscheinlich ist, erfolge eine solche Entschlüsselung des Virus-Bauplans, heißt es.

Fest steht: Über Stichproben konnte Virusvarianten bereits bei drei Dresdnern gefunden werden. Laut Gesundheitsamt handelte es sich zweimal um die britische Variante und einmal um die südafrikanische Mutante. Bei zwei dieser Fälle handelt es sich offenbar um Infizierte, die das Virus aus dem Ausland mit nach Dresden gebracht haben. Das erste Mal passierte das Ende letzten Jahres, bei einer Rückreise aus Großbritannien.

Bei einem Fall sei dem Gesundheitsamt inzwischen aber bekannt, dass die Infektion innerhalb Dresdens stattgefunden hat, teilt die Behörde mit. Alle engen Kontaktpersonen sind ermittelt und isoliert worden.

Hochrechnen ließen sich die Stichproben aber nicht, um abschätzen zu können, wie verbreitet die Varianten sind.

Untersuchen Dresdens Kliniken ihre Corona-Patienten auf die Mutanten?

Das Dresdner Universitätsklinikum testet seit dreieinhalb Wochen jede positive Probe auf die britische und die südafrikanische Mutante, so Vorstand Michael Albrecht im SZ-Interview von Montag. "Am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie des Dresdner Uniklinikums wurden von diesen bisher lediglich die englische Mutante unter den Proben gefunden. Die Zahl bewegt sich im unteren einstelligen Bereich", sagt Prof. Alexander Dalpke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie des Dresdner Uniklinikums. Sein Institut untersucht alle positiv getesteten Proben in einem gestuften Prozess auf das Vorhandensein von bis zu vier Mutationen. "Darüber hinaus werden Stichproben bereits seit letztem Jahr Ganzgenom-sequenziert, um eventuell neue Mutationen zu identifizieren und einen Überblick über vorhandene Varianten zu bekommen", so Dalpke.

Das Städtische Klinikum verschickt fünf Prozent der positiven Corona-Proben einer Woche zur Sequenzierung an das Uniklinikum. Das ist zum ersten Mal am 5. Februar geschehen, sagt Sprecherin Viviane Piffczyk. Mit den Ergebnissen sei aber nicht vor dem 14. Februar, also diesen Sonntag, zu rechnen.

Darüber hinaus habe es bei zwei Patienten den Verdacht gegeben, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben könnten. Beide Proben seien ebenfalls an das Uniklinikum zur Sequenzierung geschickt worden. Die Untersuchung auf die britische und die südafrikanische Variante sei jedoch negativ ausgefallen, so Piffczyk.

"Für unsere Einrichtung ist zunächst relevant, ob eine Person mit Covid-19 infiziert ist oder nicht", sagt Victor Franke, der Sprecher des Diakonissenkrankenhauses. Dafür teste man alle Patienten bei der Aufnahme und anschließend alle fünf Tage.

Ein- bis zweimal die Woche würden auch die Mitarbeiter getestet. "Die weitere Untersuchung positiver Proben auf Mutationsvarianten erfolgt anlassbezogen, zum Beispiel bei einem auffälligen Anstieg der Infektionszahlen. Das ist zur Zeit jedoch nicht der Fall."

Wie sieht die Verbreitung rund um Dresden aus?

Bereits Anfang Februar waren sieben Infektionsfälle mit der britischen Mutante im vogtländischen Plauen gemeldet worden. Virusvarianten sind ebenfalls in Leipzig sowie im Landkreis Görlitz aufgetaucht, darunter die südafrikanische.

Laut Robert-Koch-Institut gibt es mit Stand vom Mittwoch in Sachsen insgesamt zwei Nachweise der britischen Variante sowie sechs Nachweise der südafrikanischen Mutante. Von zwölf Fällen sprach dagegen Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) in der vergangenen Woche.

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