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Corona: Dresdner Mutter klagt auf Schulöffnung

Eine Mutter aus Dresden will erreichen, dass Grundschulen nach den Winterferien sofort öffnen dürfen. Was in ihrem Eilantrag steht und wie sie ihn begründet.

Seit 14. Dezember sind die Schulen in Dresden außer für die Notbetreuung zu. Einer Dresdner Mutter reicht es jetzt.
Seit 14. Dezember sind die Schulen in Dresden außer für die Notbetreuung zu. Einer Dresdner Mutter reicht es jetzt. © Matthias Rietschel

Dresden. Seit 14. Dezember sind die Schulen in Dresden außer für die Notbetreuung und Schüler der Abschlussklassen geschlossen. Einer Dresdner Mutter reicht es jetzt: Sie klagt auf Schulöffnung.

"Ich habe am 2. Februar im Namen meiner achtjährigen Tochter einen Eilantrag auf vorläufige Aussetzung des landesweiten Präsenzunterrichtsverbots an Grundschulen gestellt", schreibt Laura Kölsch in einer Erklärung, die der SZ vorliegt. Ziel des Antrags sei die sofortige Öffnung der Grundschulen nach den Winterferien. Diese gehen bis zum 7. Februar.

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"Letztlich ist mit dem Verbot des Präsenzunterrichts entschieden worden, Grundschüler so gut wie nicht zu beschulen", heißt es im Eilantrag. Und das nun schon zum zweiten Mal nach dem Lockdown im Frühling 2020. Die Staatsregierung belaste mit den Schulschließungen die Kinder zu Unrecht, so die Mutter, die ein Kind an einer Grundschule im Dresdner Westen hat. Sie kritisiert ein "undifferenziertes, unverhältnismäßiges Verwaltungshandeln".

Thomas Ranft, Sprecher des Oberverwaltungsgerichtes (OVG), bestätigt den Eingang. "Der Antrag wird der Gegenseite – dem Freistaat Sachsen, vertreten durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt – mit der Bitte um Stellungnahme zugestellt. Dies ist der derzeitige Sachstand. Wann in der Folge über den Antrag entschieden wird, ist jetzt noch nicht absehbar", so Ranft.

Totalausfall im sozialen Umfeld

"Schon die reine Wissensvermittlung sei derzeit begrenzt auf die drei Hauptfächer. Ohne persönliche pädagogische Ansprache und Hilfe ist der Lernerfolg sehr gering", ärgert sich Laura Kölsch. Der Fachunterricht liege brach. Funktionsfähige digitale Angebote würden die Lage kaum verbessern. "Denn Grundschüler brauchen die unmittelbare und persönliche Lernerfahrung in Form des Präsenzunterrichts", schreibt sie. Kölsch betont, dass sei keine Kritik an den Lehrern ihres Kindes, sondern an den Zuständen insgesamt.

Wie es im Homeschooling läuft, darüber gibt es bei Dresdner Eltern indes ganz verschiedene Meinungen. In manchen Schulen, so etwa an der 103. Grundschule, läuft das Homeschooling gut, von den Eltern gibt es überwiegend positive Rückmeldungen zu den engagierten Lehrern und gut strukturierten Arbeitsmaterialien.

Noch gravierender sei aber der Totalausfall im sozialen Umfeld, sagt Kölsch. Denn in der Schule passiere mehr als das Lernen, dort treffen die Kinder auch Freunde und können spielen und toben. Ihre Sorge und auch die vieler anderer Eltern ist, dass im Gundschulalter Versäumtes nur schwer oder eben gar nicht aufgeholt werden kann.

Kreiselternrat: "Eltern sollten auf kreativen Protest setzen"

Wie weitreichend die Folgen der jetzigen Schulschließungen sind, könne er nicht nicht konkret sagen, sagt der Dresdner Kreiselternrat-Chef Martin Raschke. Es sei schwer abzuschätzen, ob alle Versäumnisse – schulisch wie sozial – nachgeholt werden können.

Aus Sicht eines Vaters bestätigt er: Die Kinder – vor allem im Grundschulalter – brauchen Kontakt zu Gleichaltrigen. Das betreffe aber auch größere Schüler, was sich jetzt bei den Abschlussklassen zeige: Die Jugendlichen genießen das Treffen mit ihren Freunden in der Schule, den Austausch.

Dass der Eilantrag vor dem OVG Erfolg hat und Grundschulen am Montag wieder öffnen, bezweifelt Raschke allerdings. Schon allein deshalb, weil die Studienlage zur Ausbreitung des Coronavirus in den Schulen und aus den Schulen heraus widersprüchlich ist.

Zudem werden im Zuge des Eilantrages auch konkrete Beispiele über Versäumnisse an den Schulen und von einzelnen Lehrern aufgezeigt werden müssen, erklärt der Jurist Raschke. "Ich bin mir nicht sicher, ob ein gerichtlicher Eilantrag überhaupt der richtige Weg ist." Er sieht etwa in Online-Petitionen, die zuletzt in anderen Bereichen oft Erfolg hatten, einen geeigneteren Weg.

Die Möglichkeit würden zunehmend auch Schüler nutzen, um ihre Forderungen an das Kultusministerium zu formulieren. Raschke verweist auf eine Petition einer Radeberger Gymnasiastin, die einen effektiveren digitalen Unterricht fordert.

Auch einen kreativen Protest der Eltern, der möglichst viele Familien mobilisiert, hält Raschke für sinnvoll. "Warum nicht eine Demo von Eltern, die vor ihrer Schule die Kinder unterrichten?" Natürlich nur, wenn das genehmigt wird, betont der Dresdner Elternvertreter. Auch er findet es schwierig, wenn Eltern von Grundschulkindern ihrem Nachwuchs nun Lesen und Schreiben beibringen müssten.

Auch SPD-Bildungsexpertin und Fraktionschefin Dana Frohwieser sorgt sich um die Kinder. "Wir müssen endlich Wege finden, dass die Kinder dauerhaft zurück in Kita und Schulen können. Kinder müssen in die Schule und Freunde treffen können, andernfalls sind die negativen Folgen langanhaltend."

Dazu müssten endlich auch jene wenigen beitragen, die ihre eigenen Bedürfnisse über das Wohl der anderen stellen. "Masken, Hygiene, Kontakte einschränken, Abstand sind für Erwachsene zumutbar, wir halten das aus. Isolation und Dauer-Homeschooling sind es für Kinder aber nicht."

"Ich kann die Sorgen der Mutter gut nachvollziehen. Für die Kinder an den Grundschulen ist der Distanzunterricht besonders schlimm. Es sollte nun gründlich geprüft werden, ob die Grundschulen ab 15. Februar zumindest für den Wechselunterricht wieder geöffnet werden können", sagt auch Linken-Bildungsexpertin Anne Holowenko.

Grünen-Fraktionschefin Agnes Scharnetzky kann den Frust der Eltern gut verstehen. "Es ist zwingend erforderlich, dass der Infektionsschutz und das Recht auf Bildung offen und transparent abgewogen werden. Dies kann nicht nur durch den Kultusminister persönlich erfolgen, sondern muss im Landtag demokratisch legitimiert werden. Da das nach wie vor aussteht, wird es nun also eine juristische Prüfung geben."

Die von der Landesregierung in Aussicht gestellten Lockerungen ab Mitte Februar würden nichts an der Eilbedürftigkeit des Antrags ändern, so Laura Kölsch. "Erfahrungsgemäß obliegt die faktische Entscheidungsbefugnis nicht allein der Landesregierung, sondern der Bund-Länder-Konferenz unter Federführung der Bundesregierung."

Von dort hört man bislang nichts von Lockerungen. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) beteuerte zuletzt, wenn es die Infektionslage zulasse, wolle man die Grundschulen am 15. Februar wieder öffnen. Entschieden werden solle kommende Woche.

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