merken
PLUS Radeberg

Bruder spendet Stammzellen

Bei Ludwig Grunwald aus Leppersdorf wurde im Herbst Blutkrebs festgestellt. Vor Corona braucht er besonderen Schutz.

Ludwig Grunwald (re.) ist an Leukämie erkrankt. Sein Bruder Robert hat Stammzellen gespendet.
Ludwig Grunwald (re.) ist an Leukämie erkrankt. Sein Bruder Robert hat Stammzellen gespendet. © Archivfoto: Marion Doering

Leppersdorf. Die Diagnose im Herbst vergangenen Jahres war ein Schock: Leukämie, Blutkrebs. Dabei stand Ludwig Grunwald aus Leppersdorf mitten im Leben. Er fuhr leidenschaftlich gerne Motorrad, hatte gerade seinen 22. Geburtstag gefeiert. Allerdings war er in den Monaten davor immer wieder erkrankt und hatte Zeit gebraucht, sich zu erholen. Bei einer Blutuntersuchung dann der erschreckende Befund: akute myeloische Leukämie. Eine besonders aggressive Form.

Danach spielte sich Ludwigs Leben komplett im Krankenhaus ab. Sein Bruder Robert Grunwald schildert, dass dessen Tage aus zahlreichen Tests, Untersuchungen und Infusionen bestanden. Schon nach einer ersten Chemotherapie ging es ihm wegen der zahlreichen Nebenwirkungen nicht gut. Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Erschöpfung. Schnellstens musste ein Stammzellenspender gefunden werden. Kameraden der Wachauer Feuerwehr riefen zu einer Spendenaktion auf. In der SZ erschien ein Artikel, mit dem Hilferuf Ludwig Grunwalds. Dutzende Teilnehmer ließen ihre Blutproben analysieren.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in der Region:

Die Datenbanken der Knochenmarkspenderdatei DKMS wurden gescannt, um einen geeigneten Spender zu finden. Rund sechs Millionen Menschen sind dort gelistet, in anderen 25 deutschen Spenderdateien weitere 2,4 Millionen. Weltweit kommen noch einmal 26 Millionen Registrierte hinzu. Doch eine 100-prozentige Übereinstimmung konnte nicht entdeckt werden. Je höher die Übereinstimmung liegt, desto höher die Chancen, dass das Immunsystem des Empfängers die gespendeten Stammzellen annimmt und der Krebs besiegt werden kann. „Dann haben uns die Ärzte am Uniklinikum Dresden empfohlen, dass ich Stammzellen zur Verfügung stelle“ sagt Robert. „Meine Werte stimmten zwar nur zu 50 Prozent mit denen Ludwigs überein. Doch bei Geschwistern ist die Chance hoch, dass die Spende dennoch erfolgreich ist“, berichtet er.

Noch keine vollständige Entwarnung

Irgendwann ging es sehr schnell. Ende November wurden ihm Stammzellen entnommen. „Sie wurden aus meinem Blut gewaschen. Zuvor hatte ich Medikamente bekommen, die meine Stammzellenbildung ankurbelten.“ Sie waren es wohl auch, die die Rückenschmerzen verursachten. „Das nahm ich natürlich gerne auf mich. Ich wollte ja um jeden Preis meinem Bruder helfen.“ Parallel dazu wurde das Immunsystem von Ludwig mit starken Medikamenten heruntergefahren und ihm schließlich die Stammzellen injiziert. Mit ihnen baute er eine neue Immunabwehr auf. Mit Erfolg. „Es gibt kaum Abstoßungsreaktionen. Seine Werte sind sehr gut. Das freut uns natürlich sehr.“

Eine vollständige Entwarnung gibt es allerdings noch nicht. „Er ist unter ständiger ärztlicher Kontrolle. Die Gefahr eines Rückschlages ist nicht gebannt. Die Behandlung ist jetzt sechs Monate her. Es ist wunderbar, dass bis jetzt alles zu gut verlaufen ist. Wenn das nach einem Jahr auch so ist, ist es noch besser.“ Eine besondere Herausforderung ist die Corona-Pandemie. Eine Ansteckung mit dem Virus hätte für Ludwig möglicherweise schwere Folgen. „Wir haben von Anfang an extrem darauf geachtet, ihn vor allen Krankheitserregern zu schützen“, sagt Robert. Kontaktpersonen konnten nur nach negativem Corona-Test und mit Mund-Nasenschutz zu ihm.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Inzwischen hat Ludwig eine erste Corona-Schutzimpfung erhalten. Bisher reagiert sein Immunsystem gut auf die Spritze. „Die Ärzte und er sind das Wagnis eingegangen. Ein Risiko besteht, denn es ist ja unklar, wie sie bei Leukämiepatienten wirkt. Die Forschung ist in dem Punkt einfach noch nicht so weit. Die Chancen auf einen Schutz wurden aber als höher bewertet.“ Familie und Freunde hoffen jetzt, dass auch die kommenden Monate gut für Ludwig verlaufen. „Durch die Ereignisse der letzten Monate habe ich gemerkt, wie wichtig Hilfe ist. Ich appelliere an jeden, sich in einer Stammzellen-Datenbank registrieren zu lassen, entweder bei der DKMS oder einer anderen Institution. Das kann Leben retten“, sagt Robert Grunwald.

Die Registrierung geht schnell: Jeder kann nach Unterzeichnen einer Einverständniserklärung ein Abstrich-Set anfordern. Mithilfe von medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung kann jeder selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg