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Corona-Impfungen in Sachsen nach Neujahr

Wer sich in Sachsen gegen Covid-19 impfen lassen will, kann bald online einen Termin vereinbaren. DRK-Chef Rüdiger Unger erklärt im Interview die Details.

Das Impfzentrum in Leipzig im Aufbau. Es ist eines von insgesamt 13 in Sachsen.
Das Impfzentrum in Leipzig im Aufbau. Es ist eines von insgesamt 13 in Sachsen. © Peter Endig

Herr Unger, in Großbritannien hat am Dienstag eine Seniorin eine Impfung gegen Covid-19 erhalten. Wann geht es endlich in Sachsen los?

Nach jetzigem Stand können wir unmittelbar nach dem Jahreswechsel beginnen. Der genaue Termin hängt von der Zulassung der Impfstoffe ab. Bis zum 15. Dezember wollen wir die Impfzentren startklar haben. Es ist gut, dass wir dann noch ein paar Tage Zeit haben fürs Training und Simulationen. Es wird damit gerechnet, dass die Zulassung in den letzten Tagen des alten Jahres oder unmittelbar nach Neujahr kommt. Dann wird es losgehen.

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Kann ich mich ab dem 4. Januar einfach in die Warteschlange stellen, oder muss ich auf eine Einladung warten?

Einfach vorbeikommen wäre keine gute Idee. Die Impfstoffe werden am Anfang nicht für alle Impfwilligen ausreichen. Deshalb gibt es eine Prioritätenliste. Wenn der Impfstoff nach einiger Zeit in ausreichenden Mengen produziert wird, gibt es drei Wege der Anmeldung: Sie können auf einer Webseite die beiden Impftermine buchen. Dort sind persönliche Angaben zu hinterlegen, aus denen auch hervorgeht, ob Sie auf der Prioritätenliste stehen oder noch warten müssen. Bei der Buchung des Termins müssen Sie zudem Unterlagen ausdrucken und im besten Fall vor dem Impftermin ausfüllen und mitbringen. Ein Arzt prüft die Unterlagen und schaut, ob Sie impffähig sind. Dann wird geimpft. Die zweite Möglichkeit ist die Anmeldung per App. Wer das nicht möchte, kann sich über ein Callcenter einen Termin holen. Dann werden die Unterlagen zugeschickt.

Was ist die größte Herausforderung?

Es ist vor allem die Komplexität des Projekts und der enorme Zeitdruck. Ein Einsatz in einem Hochwassergebiet bedeutet 14 Tage harte Tage, und dann ist es vorbei. Menschen, die wir evakuieren müssen, sind dankbar, das spüren wir auch am Spendenaufkommen. Der Aufbau der Impfzentren dagegen ist eine neue Aufgabe. Die Erwartungen sind ungeheuer hoch. Wir befinden uns im Krisenmodus, müssen aber trotzdem sehr gewissenhaft arbeiten. Viele Details wie die Liefertermine der verschiedenen Impfstoffe, das Terminbuchungssystem, die Transportlogistik und die Betreuung der unterschiedlichen Zielgruppen sind noch nicht geklärt. Ich empfinde große Ehrfurcht vor dieser Aufgabe.

Wie viele Impfzentren wird es in Sachsen geben?

Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt bekommt ein Impfzentrum, also 13 landesweit. Die mobilen Teams, anfangs eines pro Impfzentrum, werden dort angedockt. Wenn der Betrieb läuft, wird die Zahl der mobilen Teams aufgestockt werden.

Wo wird geimpft? In Zelten, Messen oder festen Containern?

Es sind feste Objekte. Wir suchen Hallen und schauen uns deshalb vor allem Messegebäude an. Sie bieten die besten Bedingungen. Dort können wir am ehesten Impfstraßen, oder sagen wir besser Impfbahnen, aufbauen. Anfangs wird es zwei pro Zentrum geben. Nach drei Wochen, wenn die Menschen zu ihrem zweiten Termin kommen, müssen wir mehrere Bahnen, etwa bis zu zehn, nebeneinander legen und gleichzeitig Abstandsregeln einhalten. Viele gute Objekte, die uns angeboten wurden, hatten ihre Vorteile. Aber entscheidend sind Größe und räumliche Flexibilität. Auch für die Impfstoffe, die nach der Kühlung fürs Impfen aufbereitet werden müssen, ist eine entsprechende bauliche Struktur nötig.

Das bedeutet, die Impfzentren liegen außerhalb der Innenstädte?

Gute Erreichbarkeit ist ein wichtiges Kriterium. Es müssen Parkplätze und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr vorhanden sein. Außerdem hat es keinen Sinn, in einem großen Landkreis an die Peripherie zu gehen. Nachbarschutz ist auch ein Thema. Wir planen täglich Impfzeiten von zehn Stunden beziehungsweise acht Stunden an Wochenenden.

Kann jeder entscheiden, welches Bundesland und welches Impfzentrum er aufsucht?

Jeder Impfwillige muss nach jetzigem Stand ein Zentrum in seinem Wohnsitz-Bundesland aufsuchen. In Sachsen ist es aber so geregelt, dass sich die Bürger innerhalb des Freistaats das Impfzentrum frei aussuchen können. Wer im Kreis Meißen wohnt, aber in Dresden arbeitet, kann sich in Dresden anmelden. Die Kreisgrenzen sind also nicht entscheidend. Das ist eine gute, praktische Lösung.

Wie lange werden die Impfzentren betrieben?

Der Auftrag sieht zunächst drei bis vier Monate vor. Wir kalkulieren aber damit, dass die Einrichtungen insgesamt sechs bis sieben Monate arbeiten werden. Danach möchte die Bundesregierung die Aufgabe verstärkt den Hausarztpraxen überlassen.

Wie viele Menschen können täglich geimpft werden?

Ad hoc soll eine Kapazität von bis zu 1.000 pro Tag erreicht werden. Manche schaffen mehr, im ländlichen Raum, wo weniger Menschen leben, werden die Zentren unter Umständen kleiner sein. Die Bewohner und die Mitarbeiter von Pflegeheimen werden von den mobilen Teams behandelt. Die Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste sollen in die Zentren kommen.

Wer sorgt für die Sicherheit von Ärzten und Patienten?

Das Sicherheitskonzept für jedes einzelne Objekt wird noch mit der Polizei erarbeitet. Für die Rund-um-die-Uhr-Bewachung und die Betreuung der Parkplätze werden private Sicherheitsfirmen eingesetzt.

Das Deutsche Rote Kreuz betreibt eigene Alten- und Pflegeheime. Halten Sie es für denkbar, dass Covid-19-Impfschutz künftig zur Bedingung in Heim-Verträgen erhoben wird?

Das DRK wird das nicht tun. Jeder Heimbewohner beziehungsweise dessen Betreuer und Angehörige müssen selbst entscheiden, ob geimpft wird oder nicht. Ich sehe keinen Sinn in einem solchen Zwang und weiß auch nicht, ob dies rechtlich haltbar wäre. Ich hoffe, es gelingt, möglichst viele zu überzeugen.

Das DRK hat bis zu 300 Stellen für Helfertätigkeiten ausgeschrieben. Wie war die Resonanz?

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Das Gespräch führte Karin Schlottmann

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