merken
PLUS Kamenz

Andrea-Berg-Double arbeitet jetzt im Altenheim

Wegen Corona hat Angela Prescher aus Großröhrsdorf keine Auftritte mehr. Sie wollte schon Supermarkt-Regale einräumen, dann bot sich etwas anderes.

Mit hohen Stiefeln und kurzem Kleid kommt Angela Prescher normalerweise nicht auf Arbeit. Als Andrea-Berg-Double stand sie vor Corona auf vielen Bühnen. Jetzt ist sie in den Bürojob zurückgekehrt und arbeitet nun in der Verwaltung eines Seniorenheims.
Mit hohen Stiefeln und kurzem Kleid kommt Angela Prescher normalerweise nicht auf Arbeit. Als Andrea-Berg-Double stand sie vor Corona auf vielen Bühnen. Jetzt ist sie in den Bürojob zurückgekehrt und arbeitet nun in der Verwaltung eines Seniorenheims. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Fürs Foto hat sich Sängerin Angela Prescher eines ihrer Andrea-Berg-Outfits übergestreift. Für die Bühne konnte sie das wegen Corona schon lange nicht mehr tun. Ihre neue Bühne ist seit ein paar Wochen das Altenpflegeheim Pro Seniore in Großröhrsdorf. Dort hat sie jetzt einen Job.

Vor gut einem Jahr sang sie dort und vor anderen Heimen, um den Bewohnern in der schlimmen Zeit der Isolation ein bisschen Freude zu bringen. Ohne zu ahnen, dass im Pro Seniore einmal ihr Arbeitsplatz sein wird. Der hat aber nichts mit Gesang zu tun, sondern mit Verwaltung. Wegen der für Künstler anhaltenden Zwangspause durch Corona habe sie sich entschlossen, die Selbstständigkeit als Künstlerin aufzugeben.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Angela Prescher klickt auf ein Video von der Landesgartenschau 2019 in Frankenberg. Sie vor 2.500 Leuten: „Das Publikum ist mitgegangen. Es war der Wahnsinn.“ Danach sei Frank Schöbel auf der Bühne gewesen. Die Sängerin lächelt bei der schönen Erinnerung. Dann kommt Wehmut in ihre Stimme. Sie wisse nicht, ob das noch einmal so wird.

Vor Corona etwa 60 Auftritte im Jahr

2013 sei sie durchgestartet, habe das Hobby zum Beruf gemacht, den damaligen Bürojob an den Nagel gehängt. „2019 war mein erfolgreichstes Jahr. Und dann auf Null.“ Am 8. März 2020 war mit einer Frauentagsveranstaltung in Senftenberg Schluss. Bis auf ein Stadtfest, das nicht ganz abgesagt war: „Aber das Publikum durfte nicht mitsingen, nicht tanzen. Es war eine bizarre Stimmung.“

Etwa 60 Auftritte im Jahr habe sie im Terminplan gehabt, im Winter weniger, dafür im Sommer, in der Festsaison, mehr – hier in der Region, durch Deutschland sei sie getourt und bis nach Wien. Oft als eingespieltes Team mit Ehemann Roberto an der Technik. Ihr Programm sei auch ohne die ganz rote Mähne der Andrea Berg - aber mit Lederstiefel und Korsage - immer toll angekommen.

So ging es bis Corona bergauf. „Ich hätte nie gedacht, dass mit einem Schlag für so lange Zeit Schluss ist. Im vorigen Mai dachte ich, es geht bald wieder richtig los, habe geplant.“ Sie sei gerade dabei gewesen, sich etwas aus der Double-Rolle zu lösen. So habe sie neben der Andrea-Berg-Show inzwischen ein Weihnachts- und ein 60er-Jahre-Programm sowie ein Schlagerprogramm, in dem sie auch die eigenen Lieder singt.

Hoffnung auf ein Fan-Club-Treffen im Herbst

Wie auf Bestellung klingelt es an der Tür. Es ist eine Frau aus Steina – Fan von Andrea Berg und Angela Prescher. Sie will die brandneue erste eigene Single-CD mit zwei Liedern abholen. Natürlich mit Autogramm. Der Titelsong heißt „Vergessen mich zu lieben“. Ein Video dazu komme vielleicht noch. Sie hofft, dass Angela Prescher zum Fan-Clubtreffen im Herbst auftreten kann, sagt die Steinaerin.

Vielleicht klappt es. Angela Prescher glaubt aber nicht mehr, nach dem Lockdown einfach an den Erfolg von 2019 anknüpfen zu können. Weil Veranstaltungsreihen wegfallen, weil es Veranstalter nicht mehr gibt und weil sie ja auch selbst nicht jünger werde.

Statt Auftritten Regale im Supermarkt einräumen?

Wie lange hält der Andrea-Berg-Trend an? Die Zukunft sei unsicher. Außerdem sei die ganze Corona-Situation nicht spurlos an ihr vorübergegangen, es habe an der Gesundheit gezehrt. Die künstlerische Perspektivlosigkeit, aber ebenso diese schwierige Zeit für alte Menschen in den Seniorenheimen. Das gehe an die Nieren, sagt die 52-jährige Großröhrsdorferin.

„Ich bin ein Sicherheitstyp“, stellt die Sängerin fest. Es mussten immer genug Termine im Kalender stehen, „sonst bin ich unruhig geworden“. So ging es ihr dann auch vorigen Herbst, als die Corona-Krise statt besser immer schlimmer wurde: „Ich dachte, du kannst doch nicht ewig zu Hause sitzen.“

So habe sie mit dem Gedanken gespielt, im Supermarkt Regale einzuräumen, dann aber die Stellenausschreibung fürs Pro Seniore gesehen. Schließlich sei sie von Beruf Bürokauffrau und habe 26 Jahre in dem Job gearbeitet. Und hoffte nach dem Auftritt vor einem Jahr, im Heim auch nicht ganz unbekannt zu sein.

Trotz Bürojob nimmt sie weiter Gesangsunterricht

Wichtig seien natürlich die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen für die Einstellung gewesen, sagt Sandra Krause, die Leiterin der Einrichtung. Aber es sei natürlich eine schöne Zugabe, neben einer kompetenten Verwaltungsmitarbeiterin auch noch eine Künstlerin für das Haus gewonnen zu haben.

„Es ist ein super Team und die Arbeit macht Spaß“, sagt Angela Prescher. „Ich habe auch viel dazu lernen müssen und bereite jetzt zum Beispiel Abrechnungen für die Krankenkassen vor.“

Natürlich habe sich herumgesprochen, dass jetzt eine Sängerin im Haus arbeitet: „Die Senioren sind neugierig, fragen nach, wollen wissen, wann ich endlich für sie singen darf." Und die Kollegen seien gespannt, sie von einer ganz anderen Seite zu erleben. Ihnen verspricht sie, dass es beim Schritt zurück aus der Selbstständigkeit bleibt. „Ich werde nebenbei singen, vor allem an den Wochenenden.“

Sie halte die Stimme dafür fit und nehme weiter Gesangsunterricht. Vielleicht wird ja der erste Auftritt nach dem Lockdown wieder für die Senioren des Pflegeheims sein.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz