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Neuer Wirrwarr um Corona-Zahlen

Das Landratsamt in Pirna meldet weniger Corona-Infizierte, als es Covid-Patienten in den Krankenhäusern gibt. Wie passt das zusammen?

Corona-Tests fallen im Landkreis so gut wie gar nicht mehr positiv aus.
Corona-Tests fallen im Landkreis so gut wie gar nicht mehr positiv aus. © Symbolfoto: Claudia Hübschmann

Die Erleichterung ist groß. Seit 1. Juli gilt die neue Corona-Schutz-Verordnung und damit sind fast alle Einschränkungen wieder aufgehoben. Gebunden ist das allerdings weiter an die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 und dessen Mutationen.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nähert sich dieser Wert der Null. Lediglich fünf mit PCR-Test nachgewiesene Neuinfektionen wurden in den letzten sieben Tagen registriert. Zum Jahreswechsel waren es noch bis zu 1.500 innerhalb einer Woche. Die Corona-Inzidenz ist im Landkreis seit zwei Wochen im einstelligen Bereich.

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Corona-Inzidenz bleibt unberührt

Für Aufregung sorgte jetzt noch mal das Landratsamt mit seiner täglichen Meldung der Corona-Zahlen. Am Mittwoch, 30. Juni, wurden 46 neue Fälle erfasst. Gab es hier einen lokalen Ausbruch, verursacht von der Delta-Variante? Erstaunlich ist auch, dass dieser extreme Anstieg zum Vortag keinerlei Auswirkungen auf die Sieben-Tage-Inzidenz hatte.

Das Landratsamt klärte auf, dass es sich um Nachmeldungen handelt, deren Fälle teilweise Monate zurückliegen. Die relative Ruhe, die jetzt im Verwaltungsstab eingekehrt ist, wurde genutzt, um noch mal alle erfassten Daten zu überprüfen "und bei Notwendigkeit einer Bereinigung zu unterziehen", heißt es. Offenbar gab es vereinzelt Probleme bei der Zuordnung von Fällen aus unterschiedlichen Systemen.

Diese Änderungen hatten deshalb keine Auswirkungen auf das aktuelle Fallgeschehen, weil sie nicht aus den vergangenen sieben Tagen stammten. Auf dem Dashboard des Robert-Koch-Instituts konnte man erkennen, dass es sich jeweils um einen einzigen Fall an über 40 verschiedenen Tagen handelte.

Intensivpatienten nicht mehr positiv

Irritierend an der Mitteilung des Landratsamtes war auch, dass die gemeldeten Patienten-Zahlen nicht mit denen übereinstimmten, die beispielsweise die Helios-Kliniken selbst veröffentlichen. Außerdem war die Zahl der aktuell Corona-Positiven im Landkreis niedriger als die der Covid-Patienten in Kliniken.

So wurde beispielsweise am Mittwoch gemeldet, dass es im Landkreis nur noch 13 aktuell positiv Getestete gibt. Gleichzeitig wurde die Zahl der Covid-Patienten auf Normalstationen der Kliniken im Landkreis mit 18 angegeben. Das Landratsamt erklärt das so: Bei der Zahl der positiv Getesteten handelt es sich ausschließlich um Personen, die einen Hauptwohnsitz im Landkreis haben. Unter den Klinik-Patienten können aber auch Menschen sein, die nicht im Landkreis wohnen.

Zudem erhebt das Landratsamt die Patientenzahl nicht selbst, sondern bekommt sie vom Zentrum für Medizinische Informatik zugeliefert.

Das teilte am Mittwoch auch mit, dass auf den Intensivstationen der Krankenhäuser im Landkreis keine positiv getesteten Patienten mehr behandelt werden. Am selben Tag meldete die Helios-Klinik auf ihrem eigenen Portal allerdings, dass noch zwei Covid-Patienten in Pirna auf der Intensivstation behandelt werden.

Das liegt nach Auskunft der Klinik am internen Erfassungssystem. Gerade auf den Intensivstationen sei es möglich, dass mit der Hauptdiagnose Covid-19-Infektion eingelieferte Patienten im Laufe ihres Aufenthaltes negativ getestet werden, weil die Viruslast auch bei diesen Patienten nach ein, zwei Wochen wieder abnimmt. "Die Folgen der Viruserkrankung sind jedoch so schwerwiegend, dass eine weitere Behandlung nötig ist. In unserem Erfassungssystem werden sie jedoch weiterhin als Covid-19-Postive gelabelt, da die Hauptdiagnose bestehen bleibt", teilt Helios auf Nachfrage mit.

Verwaltungsstab wird aufgelöst

Mit dem starken Abflauen der Corona-Lage im Landkreis hat das Landratsamt nun seinen Corona-Verwaltungsstab aufgelöst. Die Mitarbeiter, welche dort eingesetzt waren, gehen seit dem 1. Juli wieder ihren fachlichen Aufgaben nach, teilt das Landratsamt mit.

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Insgesamt waren mehr als 400 Beschäftigte des Landratsamtes zeitweise oder dauerhaft in die Stabsarbeit involviert. Hinzukam personelle Unterstützung von Bundeswehr, Landes- und Bundesbehörden oder weiteren Einrichtungen.

Eine kleinere Koordinierungsgruppe bleibt aber bestehen. Sie registriert beispielsweise neue Fälle und erledigt anfallende Aufgaben, wie das Prüfen von Hygienekonzepten, Beantwortung von Bürgeranfragen und die Archivierung von Akten.

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