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Dresdner Unverpacktladen sucht neue Wege

Coronavirus, Sommerloch, geschlossenes Bistro - der Neustart mit dem eigenen Geschäft ist schwierig in diesem Jahr. Und fordert kreative Lösungen.

Mit Herzblut haben Kevin Brüser (r.) und Thomas Felsch ihren Unverpacktladen "2Gut" im Frühjahr an den Start gebracht. Im Corona-Jahr ist das eine Herausforderung - bietet aber auch Chancen.
Mit Herzblut haben Kevin Brüser (r.) und Thomas Felsch ihren Unverpacktladen "2Gut" im Frühjahr an den Start gebracht. Im Corona-Jahr ist das eine Herausforderung - bietet aber auch Chancen. © Marion Doering

Dresden. Beim nächsten Mal würden sie einiges anders machen. Thomas Felsch und Kevin Brüser haben im Frühjahr einen Unverpacktladen in Löbtau eröffnet und ziehen nach den ersten Monaten Bilanz. Ihr mutiger Schritt in die Selbstständigkeit fällt ausgerechnet in ein Jahr, in dem ein Virus grassiert, Schulen, Kneipen und Kinos schließen, Menschen verunsichert sind, wie es weitergeht. Zumachen mussten sie das "2Gut" an der Schillingstraße zwar nicht. "Aber der Start hat uns eine schwere Zeit beschert", räumt Thomas Felsch ein. Neues wird ohnehin meist zögerlich angenommen - Felsch und Brüser fehlt dazu noch die Erfahrung aus einem normalen Geschäftsjahr, Rücklagen gibt es keine.

Kurz nach der Eröffnung im Mai steht schon das Sommerloch an, viele Familien aus Löbtau sind im Urlaub, Arbeit gibt es im gut 300 Quadratmeter großen Eckladen dennoch genug. "Die Fläche ist sehr groß, ein kleinerer Laden wäre besser gewesen." Die vielen Regale wollen gefüllt sein, nicht jedes Produkt erweist sich als Verkaufsschlager. Dazu kommt im Sommer die Eröffnung eines kleinen Bistros. Eine 75-Stunden-Woche wird für die jungen Männer zur Normalität, obwohl sie vier geringfügig beschäftigte Mitarbeiter haben und Familie und Freunde aushelfen. "Ich muss zugeben: Das hatten wir uns nicht so vorgestellt."

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Abgesagte Weihnachtsfeiern bringen neue Ideen

Und doch gibt es gute Nachrichten: Die vergangene Woche war die umsatzstärkste, die sie bislang hatten. Auch seien die Reaktionen der Kunden immer sehr positiv, es gebe viel Lob dafür, dass es einen Unverpacktladen nun endlich auch im Dresdner Westen gibt. Lose Lebensmittel, keine Plastikverpackungen, regionale Produkte - das ist das Motto im "2Gut". Ein Trend, der sich auch in Dresden immer mehr durchsetzt. Und dennoch erledigt nicht jeder seinen Einkauf gern in solchen Läden. Da ist Überzeugungsarbeit gefragt, neugierigen Besuchern muss das Konzept erklärt werden - und auch, warum sie Behälter für ihren Einkauf von daheim mitbringen sollen, um Müll zu vermeiden.

Werbung sei nach wie vor sehr wichtig, so Felsch. Und deshalb sind er und sein Geschäftspartner nun auf eine Idee gekommen, die ihnen zwar zusätzlich jede Menge Arbeit bringt, aber eben auch Umsatz und ein bisschen mehr Bekanntheit. 17.000 Firmengeschenke gilt es demnächst zu verpacken. Weil es in diesem Jahr wohl keine Weihnachtsfeiern geben wird, investieren viele Unternehmen stattdessen in ausgefallene Präsente für ihre Mitarbeiter. Felsch und Brüser packen Kisten mit Handcrèmes, Seifen, regionalen Weinen und feinen Speisen. Die größte Firma beschäftigt 850 Mitarbeiter - da kommen einige Kisten zusammen.

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"Wir merken, dass die Dresdner Unternehmen zunehmend auf lokale Händler und Produkte setzen." Ob das mit der Corona-Krise zusammenhängt, sei schwer zu sagen. Fest steht: Es hilft, den Umsatz reinzuholen, den sie mit dem Bistro, das kurz nach der Eröffnung Anfang November wieder schließen musste, eingebüßt haben. Zwischen 20 und 45 Euro investieren die Firmen, die im "2Gut" ihre Geschenkkisten bestellt haben, pro Mitarbeiter.

Dabei sind es gar nicht nur Händler wie Thomas Felsch und Kevin Brüser, die auf neue Ideen setzen müssen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Es sind genauso die Bauern, die froh sind, wenn ihre Produkte in den Läden angeboten werden. Produkte, die sie sonst an Gastronomen verkaufen und die derzeit nicht abgenommen werden.

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Läden wie das "2Gut" profitieren auch in anderer Hinsicht von den geschlossenen Restaurants. "Die Menschen haben viel Zeit zum Kochen und kaufen dafür gute Lebensmittel", stellt Felsch fest. Und wer sein Geld nicht in die Gaststätte schafft, greift für das Bioprodukt schon mal tiefer ins Portemonnaie. Auch deshalb lief es in den ersten Novemberwochen wohl so gut im neuen Löbtauer Unverpacktladen.

Wenn die Zeit des Geschenkepackens hinter ihnen liegt, wollen Felsch und Brüser ihren Onlineshop an den Start bringen. Da sollte eigentlich schon eher passieren - aber auch das gehört zum Fazit der Jung-Unternehmer: Es geht nicht alles auf einmal.

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